Hinter die Kulissen geschaut

Arbeitgeberverband Lüneburg – Nordostniedersachsen e. V. initiiert Praxistage in Unternehmen

Für Anne war es naheliegend, sich für einen Praxistag bei Uelzena zu bewerben. Als an ihrer Schule das Angebot des Arbeitsgeberverbandes Lüneburg-Nordostniedersachsen e. V. und der Arbeitgeberinitiative „Arbeiten und Leben in Uelzen“ bekannt wurde, zögerte sie nicht. „Meine Freundin und ich wurden als Leichtathletinnen für die Kreisauswahl von Uelzena gesponsert. Ich fahre immer hier lang und wollte nun endlich wissen, wie es drinnen aussieht“, bekennt die Neuntklässlerin aus der Oberschule Bad Bodenteich. Ebenso wie ihre Schulkameradin Marie überlegt Anne, wie es nach der Schule weitergehen kann. Eine Entscheidung haben die beiden Mädchen noch nicht getroffen, der Praxistag soll hier eine Orientierung bieten.

Über 100 Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen aus dem Landkreis nutzten das Angebot des Arbeitgeberverbandes, hinter die Kulissen ausgewählter Unternehmen zu blicken, die Personalverantwortlichen kennenzulernen und sich an unternehmensnahen Tätigkeiten auszuprobieren. „Auch wenn es nur ein Tag ist, so liefert er doch wichtige Erkenntnisse: Was machen sie eigentlich dort? Wie sind die Mitarbeiter? Was könnte ich dort lernen und verdienen?“, erklärt Renate Peters vom Arbeitgeberverband die Intention des Praxistages. „Und wenn es dem Schüler im Unternehmen gar nicht gefällt, so ist der Tag auch schnell überstanden und eine wichtige Erfahrung gesammelt“, fügt sie hinzu.

Neben Uelzena haben auch Nordzucker, Autohaus Wolter, DRK, Pflegedienst Ammann, Helios Klinikum und Elmess ihre Toren für die Schüler geöffnet. Auf besonderes Interesse stieß die DRK-Rettung. Der Dienststellenleiter Michael von Geyso erläuterte das Berufsbild des Notfallsanitäters und die Aufgabenvielfalt in der Rettung. „Als Notfallsanitäter trägt man eine hohe Verantwortung und ist manchmal auch einer hohen Belastung ausgesetzt. Daher sollten die Bewerber mindestens 18. Jahre alt sein“, erklärt von Geyso. Auf besonderes Interesse stieß die Besichtigung der Rettungsfahrzeuge. Schließlich kommt man nicht alle Tage so nah an sie ran und vor allem rein. Anfassen, ausprobieren, fragen, selber machen – das ist der Sinn des Praxistages.

Bei Nordzucker konnten die Schülerinnen und Schüler eine Taschenlampe und einen Schlüsselanhänger selbst bauen. Dabei mussten sie sich an die Flächenberechnungsformel und an das Ohmsche Gesetz erinnern. „Mit dem Praxistag wollen wir auch einen Bezug zu Schulstoff schaffen – wofür brauche ich das was ich hier lerne?“, begründet Peters die Idee. Roman Frank, Auszubildender im 4. Lehrjahr bei Nordzucker findet, dass in den Schulen zu wenig für die Berufsorientierung und die Berufsausbildung gemacht wird. „Man wird meistens direkt an die BBS weiter gereicht, ohne dass man sich vorher um einen Ausbildungsplatz bewerben musste.“ kritisiert der angehende Elektroniker für Betriebstechnik das Verfahren. „Die Schüler könnte da mehr Unterstützung vertragen“, fügt er hinzu. Er selbst ist sehr zufrieden mit seiner Entscheidung, bei Nordzucker zu lernen: „Ich verdiene gutes Geld, habe nette Kollegen, und wahrscheinlich einen ziemlich sicheren Arbeitsplatz“. Sein Ausbilder, Ralf Schalk ist stolz auf alle seine Nachwuchskräfte. Dennoch machen ihm die Bewerberzahlen Sorgen: „Wir merken einen deutlichen Rückgang der Bewerbungen. Daher sind solche Projekte wie der Praxistag sehr wichtig für uns, denn damit können wir gezielt neue Azubis für uns werben“, begründet Schalk das Engagement von Nordzucker. Und die Teilnehme am Praxistag ist ein Pluspunkt für jede Bewerbung: „Wer heute hier war, spart sich den Eignungstest“, verspricht Schalk.

Der nächste Praxistag wird im Frühjahr 2019 stattfinden. Dann haben wieder interessiere Jugendliche die Chance auf einen Tag voller Erkenntnisse.

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