Natendorfer Geschichte

Das Gasthaus inmitten des Dorfes erwacht zu neuem Leben

Munteres Geplauder dringt aus der Tür des alten Gasthauses in Natendorf an der Golster Straße nach draußen auf den Gehsteig, auf dem gemütliche Holztische und Stühle stehen. Neugierig kommen Einwohner vorbei, um einen Blick in den renovierten Schankraum zu werfen. „Das ist ja toll, was die daraus gemacht haben“, murmelt ein betagter Besucher. „Ja, hier habe ich mal ein oder zwei Bierchen getrunken. Ist lange her“, erklärt er seiner Frau. Das alte Haus erwacht zu neuem Leben. Am wunderschönen Thekentresen, der viele Jahrzehnte überstanden hat und wohl die eine oder andere Anekdote zu erzählen hätte – wenn er denn könnte – bekommt man eine Idee davon, wie die Atmosphäre in der altehrwürdigen Kneipe wohl früher gewesen sein mochte.

Vor vier Jahren hatte Annette von Bismarck-Osten gemeinsam mit ein paar Mitstreitern eine Idee. „Das alte Gasthaus im Herzen des Dorfes sollte wieder zum Leben erwachen“, erzählen sie. Das Vorhaben traf auf viel Skepsis im Ort, manche glaubten nicht daran, dass in diesem Haus einmal wieder Bier aus den Zapfhähnen laufen würde. Vor einem Jahr begann die Renovierung der alten Kneipe, der man ihre Jahre deutlich anmerkte. „Wir haben mühsam die Tapetenreste abgekratzt und die Leitungen erneuert“, sagt die Gruppe. Die Umgestaltung der Kneipe brachte auch Überraschendes ans Tageslicht: eine wunderschöne Wandmalerei. „Die haben wir mühsam ausgebessert. Sie gibt dem Raum eine ganz besondere Atmosphäre.“

Jeden Samstag trafen sich die ehrenamtlichen Helfer zum Arbeitseinsatz, der zwar anstrengend war, aber auch eine Menge Spaß machte, erinnert sich die Runde. „Wir haben einfach losgelegt.“ Dazu gab es Hilfe von örtlichen Firmen, die zum Beispiel das schöne Stahlregal beisteuerten, das hinter dem Tresen seinen Platz gefunden hat. Andere Handwerker spendeten Farbe, Helfer erneuerten die elektrischen Leitungen. Mittlerweile ist die Dorfgemeinschaft begeistert von ihrem neuen Kleinod, das jeden Freitag von 18 bis 22 Uhr sowie für spezielle Veranstaltungen geöffnet ist. „Durch die gemeinsame Arbeit sind die Menschen hier zusammengerückt“, erzählen die Initiatoren. Am ersten regulären Eröffnungsabend stehen die Gäste gemütlich in kleinen Grüppchen zusammen, schnacken, trinken einen der hervorragenden Weine und genießen die warme Abendsonne. „Es ist schön zu sehen, dass heute Abend mal Menschen miteinander plaudern, die sonst nicht oft zusammenkommen“, bemerkt die Natendorferin von Bismarck-Osten.

Die Initiatoren haben noch viele Ideen, wie der alte Treffpunkt in Zukunft der Mittelpunkt vielerlei Aktivitäten werden könnte. „Wir planen zum Beispiel einen Bücherschrank aufzustellen. Oder man könnte hier wunderbar Skat oder Doppelkopf spielen.“ Angedacht sind auch Ausstellungen, Bastelnachmittage für Kinder oder eine Geschichtswerkstatt. „Wir werden sehen, was hier funktioniert und was nicht.“ Ach ja, und natürlich eine Linde pflanzen, denn im Moment trägt das ehemalige „Gasthaus zur Deutschen Linde“ den Namen „Gasthaus ohne Linde.“

„Wir hoffen, dass sich das Haus wieder zu einem attraktiven Ankerpunkt der Gemeinde, offen für alle Einwohner und Gäste, entwickelt“, so die Initiatoren und Natendorfer. Zu einem echten Dorfleben gehöre eine intakte Infrastruktur mit Kindergarten, Bäcker – und eben Gasthaus. „Das macht doch die Lebensqualität und den Charme unserer Gemeinden aus.“

[Lütke]

Fotonachweis: © Nicole Lütke

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