Ein eigener Kopf

Zur Namensgebung der Apollonia-Oberschule Uelzen

Sie schaut streng aus ihrer Klostertracht, die Hände wie zum Gebet gefaltet. Das Bildnis von Prinzessin Apollonia von Braunschweig-Lüneburg schmückt ihre Grabplatte, die noch heute in der kleinen Ellerndorf-Kapelle in der St.-Marien-Kirche in Uelzen zu sehen ist. Die Platte ist mit einem Schriftband versehen, das an allen vier Ecken mit Wappendarstellungen geschmückt ist – ein Hinweis auf die aristokratische Abstammung Apollonias. Sie war die Schwester von Herzog Ernst von Lüneburg-Braunschweig, in Uelzen besser bekannt unter dem Namen Ernst der Bekenner.

Aus dem Leben Apollonias sind nur wenige Geschichten überliefert. Und doch wurde der ehemaligen Nonne 447 Jahre nach ihrem Tod eine besondere Ehre zuteil: Die Oberschule Uelzen trägt seit August ihren Namen. Seitdem wurde in der Öffentlichkeit viel diskutiert: Ist der Name passend für eine Oberschule? War Apollonia nicht eine konservative, unselbstständige Frau, deren Weg zeitlebens von Männern bestimmt war?

Historische Quellen sagen über Apollonia, dass sie von „blödem Aussehen“ war. So schrieb es Historiker Thomas Vogtherr in seinem Text „Fernab des herzoglichen Hofes – Das Leben der Prinzessin Apollonia von Braunschweig-Lüneburg“, der 1998 in der Reihe der „Uelzener Beiträge“ erschien. Vielleicht bezog sich dieses sehr kritische Urteil auf ihr unebenes Gesicht. Mag man daraus Schlüsse auf ihre Intelligenz zu ziehen versuchen, wird man der Person der Apollonia in keinem Fall gerecht.

Sie war eine Frau ihrer Zeit: überzeugte Katholikin, Nonne, stark im Glauben. Geboren im Jahre 1499, wurde sie bereits im Alter von fünf Jahren ins Kloster Wienhausen geschickt. Nicht ungewöhnlich, waren doch Klöster Erziehungs- und Bildungsstätten der adeligen Stände. Bereits mit 13 Jahren legte sie ihr Gelübde ab, das sie später nochmals bestätigte. Die Reformation im Herzogtum wurde von ihrem Bruder Ernst durchgesetzt, die Klöster gingen per Dekret in herzoglichen Besitz über. Die Konventualinnen im Kloster Wienhausen weigerten sich jedoch standhaft, den lutherischen Glauben anzunehmen. Apollonia wurde unter einem Vorwand aus dem Kloster gelockt und durfte niemals nach Wienhausen zurückkehren. Die Familie drängte sie zur Konversion. In den folgenden Jahren lebte Apollonia zunächst bei ihrer Mutter, um später Erzieherin der Kinder ihres Bruders Ernst am Celler Hof zu werden. Bis zu ihrem Tod 1571 lebte die ehemalige Nonne in Uelzen, beerdigt wurde sie in der St.-Marien-Kirche.

„Apollonia war eine unglaublich spannende Person, und ich finde den Namen absolut passend für unsere Schule“, sagt Schulleiterin Imke Pape. Die Kritik, dass Apollonia nicht dem Bild einer gleichberechtigten Frau entspräche und deswegen als Namenspatronin nicht tauge, kann Pape nicht nachvollziehen. „Wenn wir Apollonia aus heutiger Sicht bewerten, stimmt das. Aber das ist ihr gegenüber nicht fair“, so Imke Pape. Das Kloster gab den Frauen einen Rahmen, in dem sie selbstbestimmt leben konnten. Sie lernten lesen, schreiben und rechnen. „Sie hat sich sicher mit den reformatorischen Schriften auseinandergesetzt und entschieden, ihren katholischen Glauben weiter zu leben.“ Das zeige, dass sie mündig war, eine starke Person mit offenem Geist, die nicht ins Schema passte.

Auch die Gründung einer Stiftung, von der die Stadt Uelzen 122 Jahre profitierte, war wohltätig und weitsichtig zugleich. Eine Summe von 2000 Mark wurde dem Rat der Stadt Uelzen als Stiftung übergeben, erst 1693 erlosch diese. Zusätzlich floss Geld aus einer Anlage den Uelzener Gotteshäusern zu.

Wie stark ihr katholischer Glaube, die Bindung an das alte Klosterleben – und ihr eigener Kopf – wirklich waren, zeigte sich ebenfalls nach ihrem Tod: Man fand, so ist es überliefert, einen Schrank „voller, altem Klosterzeug.“ [Lütke]

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