Ein Dorf voll Musik

4. Benefiz-Musikmeile in Barnstedt am Samstag, 19. August, 11 bis 22 Uhr

Ein Dorf zeigt Flagge für Toleranz: Bereits zum vierten Mal kommen im 700-Einwohner Ort Barnstedt bei Melbeck im Landkreis Lüneburg die unterschiedlichsten Musiker zur Benefiz-Musikmeile zusammen, um Spenden für die Flüchtlingsarbeit der Samtgemeinde Ilmenau zu sammeln. Ein großer Unterstützerkreis engagiert sich seit Ende 2013 mit Herz und Seele für die Neuankömmlinge, die in Barnstedt ein Stück Heimat und neue Freunde gefunden haben.

Als vor vier Jahren die ersten 17 Flüchtlinge aus dem Sudan, Somalia und Eritrea in dem kleinen Ort eintrafen, war die Hilfsbereitschaft der Barnstedter groß, erinnert sich Jens Thomsen, einer der Organisatoren der Musikmeile. „Wir organisierten Fahrdienste und Deutschkurse, begleiteten die Flüchtlinge zum Arzt und unterstützten sie bei Behördenangelegenheiten.“ Pragmatisch waren die Barnstedter zur Stelle, um dort zu helfen, wo es notwendig war. „Wir kümmerten uns darum, dass die Menschen hier Fuß fassen konnten“, erzählt Thomsen. Auch wenn die Flüchtlinge mittlerweile teilweise in anderen Orten leben, blieb der Kontakt nach Barnstedt eng. „Die Unterstützergruppe ist nach wie vor einer der ersten Ansprechpartner bei Problemen“, weiß Thomsen, der vor 15 Jahren aus Hamburg nach Barnstedt kam.

Mit der anschließenden „Flüchtlingswelle“ kamen Marokkaner, Algerier und Menschen aus der Elfenbeinküste in die Samtgemeinde, die ebenfalls intensiv durch das engagierte Helfernetz betreut werden. Vier Ivorer, die in Melbeck leben, kicken in der Fußballmannschaft in Barnstedt. „Die Mannschaft ist multikulturell, hier spielen Menschen aus fünf Nationen miteinander“, sagt Thomsen. – Toleranz ist in Barnstedt sowie in vielen anderen Gemeinden und Gemeinschaften eben nicht nur ein Wort, sondern gelebte Realität. Und so ist das Musikfestival auch ein Bekenntnis zu einer offenen und solidarischen Gesellschaft. Thomsen hat gemeinsam mit vielen anderen Helfern die Musikmeile auf die Beine gestellt, um die Geflüchteten in der Samtgemeinde zu unterstützen.

Dank der honorarfreien Auftritte der Gruppen und Solisten sowie den Spenden der Besucher können die Flüchtlinge dabei unterstützt werden, berufsvorbereitende Kurse zu absolvieren, am Sportbetrieb des SV Barnstedt und des SV Ilmenau teilzunehmen, Fahrräder zu kaufen oder einen Rechtsbeistand zu finanzieren. „Der Schwerpunkt der nächsten Zeit wird sein, die Geflüchteten in Ausbildung zu begleiten und zum Beispiel durch Nachhilfe zu unterstützen“, sagt Thomsen.

Rund 50 Gruppen und Solisten werden in Barnstedt zu hören sein, unter anderem Abi Wallenstein, die US-Sängerin Elisabeth Cutler, „Voices“-Teilnehmerin Jamie Black. Wer  die entspannte und außergewöhnliche Atmosphäre der Benefiz-Musikmeile noch nicht erlebt hat, sollte unbedingt am 19. August durchs Dorf flanieren und die unterschiedlichen Musikstile auf sich wirken lassen. Das Spektrum reicht von moderner Klassik über Pop, Blues, Jazz, Folk, Rock und Punk bis Spielmannszug und Volksmusik. Musikalische Einflüsse aus Südamerika und Afrika mischen sich sowohl mit heimischen, bekannten als auch experimentellen Klängen. So vielfältig wie die Musik wird auch das kulinarische Programm der Musikmeile sein: libanesische Pizza, nordafrikanische, sudanesische und somalische Leckereien, die Foodbox mit Burgern, arabisches Buffet, Bratwurst, Pommes, Kaffee und Kuchen.

Foto: Kai Flemming_2016

Die in der Gutskapelle um 11 Uhr beginnende Auftaktveranstaltung der Musikmeile wird in diesem Jahr erstmals als Lesung stattfinden: Der vor dem Bürgerkrieg im Sudan geflohene Jacoub Ibrahim liest auf Arabisch aus dem Manuskript seines noch unveröffentlichten Buches, in dem er das Trauma seiner Flucht verarbeitet. Die deutsche Übersetzung der ausgewählten Passagen wird der in Barnstedt lebende Schauspieler Marc Westphal vortragen. Im Gasthaus Grote wird es einen Infopoint geben: Pro Asyl, Vertreter des Niedersächsischen Flüchtlingsrates, Jugend für Geflüchtete sowie weitere Initiativen und Organisationen werden über ihre Arbeit informieren.

Alle wichtigen Infos und Details zu den Künstlern, das genaue Programm auf den einzelnen Bühnen und einen Lageplan gibt es auf der Internetseite www.welcome-to-barnstedt.de

Foto Beitragsbild: www.fotograf-joern.de_2016

[Lütke]

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