Alte Schule Suderburg: Soll historisches Gebäude im Heimatstil Neubau in „Lärchenholz-Optik“ weichen?

Der Bauausschuss der Gemeinde Suderburg schlägt vor, das historische Schulgebäude von 1908 am Gänsekamp abzubrechen und durch einen Neubau in „Lärchenholz-Optik“ zu ersetzen (AZ vom 2.10.2020). Hintergrund ist der Raumbedarf für zwei Krippengruppen der Kita Suderburg. In einer ersten Planung war von einem Raumbedarf von 300 Quadratmetern ausgegangen worden, dieser hätte sich problemlos in das alte Gebäude, das baulich in gutem Zustand ist und bis vor kurzem vom Jugendzentrum, später vom Kindergarten genutzt wurde, integrieren lassen. Selbst der nun angestrebte Flächenbedarf von 357 Quadratmetern könnte sich durch Ausbau des Dachgeschosses in der historischen Schule noch verwirklichen lassen. Alternativ wäre eine andere Lösung wie etwa ein Anbau denkbar.

Wir von der Interessengemeinschaft Bauernhaus treten für den Erhalt des ortsgeschichtlich wichtigen historischen Gebäudes ein. Die Gemeinde Suderburg lies 1908 ihre neue Schule mit vier Klassenräumen im Ortskern an herausragender Stelle errichten, auf dem Eckgrundstück „Gänsekamp / Am Kindergarten“. Ausführender Planer war der Lüneburger Architekt Wilhelm Matthies (1867-1934).

Wilhelm Matthies ist weit über seine Region als bedeutender Vertreter des „Heimatstils“ bekannt, er errichtete zahlreiche öffentliche und private Bauten, von denen viele heute unter Denkmalschutz stehen. In ihrer Magisterarbeit an der Uni Göttingen (1994) hat Kirsten Weinig das Werk von Wilhelm Matthies gewürdigt und auch die Schule in Suderburg erwähnt. Der „Heimatstil“ ist eine Bauweise, die sich ab etwa 1900 entwickelt hat, eine Gegenreaktion auf gesichtslose Neubauten im Zuge der Industrialisierung und dem Verschwinden der Fachwerkbauten – auch auf dem Land.

Wilhelm Matthies hat seine Bauaufgabe in Suderburg gut gelöst, eine Schule mit zwei Hauptansichten – aufgrund der dominierenden Ecklage – und mit Fachwerk an den Giebeln. Auch die Pferdeköpfe als Giebelzier über dem Walm verweisen auf „heimatliche“ Traditionen.

Generationen von Kindern haben die alte Suderburger Schule als Schauplatz ihrer Jugend und damit als Heimat in Erinnerung. Es wäre schade, wenn ein ortsbildprägendes Gebäude Suderburgs verschwände – zugunsten eines schlichten Industriebaus, hinter dem sich auch ein Hühnerstall verbergen könnte. Ohne die ortstypische, alte Bausubstanz verliert Suderburg ein weiteres Stück seines Gesichtes und damit auch an Attraktivität.

Aber auch aus Gründen des Klimaschutzes ist die Erhaltung und Nutzung des Altbaus angezeigt. Historische Gebäude sind in der Regel solide und mit natürlichen, umweltverträglichen und wiederverwendbaren Materialien errichtet worden. Über Jahrhunderte war es gang und gäbe, dass nachfolgende Generationen diese ihren Bedürfnissen angepasst haben. Durch die Verschiebung zwischen Material- und Lohnkosten herrscht heute die Devise: Altes muss weg, weil Neubauten „wirtschaftlicher“ sind. In diese Bewertung fließen aber nur monetäre, keine ökologischen oder kulturellen Kriterien ein, ebenso wenig wie eine energetische Gesamtbilanz. Nicht der reine Energieverbrauch in der Nutzungsphase ist zu berücksichtigen, sondern der Energieeinsatz ab Herstellung aller Baustoffe und Bestandteile sowie die Betriebsenergie über den gesamten Lebenszyklus (inkl. Energieeinsatz bei Abriss und Entsorgung).

Die Gemeinde Suderburg wäre gut beraten, wenn sie nach Alternativen sucht, um die alte Schule mit einer neuen Nutzung in die Zukunft zu retten.

 

Christine Kohnke-Löbert und Dr. Horst Löbert

Interessengemeinschaft Bauernhaus

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben