Zwischen Tuba und Bachtrompete

In St. Marien endete die Sommerkonzert-Saison mit der Nummer neun und dem Blechbläserensemble „Brasssonanz“

Was für ein Glanz! Welche Spielfreude! Besser als mit Georg Friedrich Händels „Feuerwerksmusik“-Ouvertüre hätte der Auftakt des letzten Sommerkonzerts in St. Marien nicht geraten können. Das Ensemble „Brasssonanz“ (über das dritte „s“ im Namen sollte unbedingt noch einmal nachgedacht werden, obgleich es die Rechtschreibereform erlaubt) war zu Gast, eine Blechbläservereinigung aus ganz Deutschland.

Beim Blick in den Programmzettel schwindelt es einen angesichts der Auftrittsorte, die die jungen Leute bereits mit ihrer Art Musik ausfüllten. Da sind mit der Elbphilharmonie und der Laeiszhalle Hamburg, dem Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin und diversen Musikfestivals viele renommierte Orte dabei. Bis nach China.

Es verdankt sich wohl dem Mann an der Tuba, Lukas Strieder aus dem Landkreis, und dessen Eltern und Nachbarn, die es letztlich möglich machten, dass so viele Akteure ohne größeren finanziellen Aufwand ein Bett und etwas zu essen bekamen, dass sie jetzt einen wunderbaren Schlusspunkt der diesjährigen Reihe in Uelzens Hauptkirche setzen konnten.

Lukas Strieder. Fotos: Barbara Kaiser

Die 13 Instrumentalisten, die als „Brasssonanz“ in verschiedenen Formationen spielen, aber alle bereits in bekannten Orchestern Mitglied sind, vereint der Wunsch, neben diesem Orchesterspiel kammermusikalisch zu musizieren.

Und wie sie das tun! Man kommt um ein Schwärmen nicht herum. Über das absolut synchrone Miteinander und ein Legato zum Entzücken. Über die zärtlichsten Ansätze, das hingebungsvolle Piano – auch im Adagio! Über das rücksichtsvolle Agieren untereinander, ohne dass irgendeiner der Erste sein will und eine angenehme Bescheidenheit beim Entgegennehmen des Applauses.

In dem glanzvollen Programm, das „Brasssonanz“ mitbrachte, gab es noch einmal zusätzliche Lichtpunkte. Etwa das Concerto D-Dur Nr. 2 von John Baston (um 1685 bis ca. 1740), dem englischen Barockkomponisten. Samuel Walter spielte die Solo-Bachtrompete zum Niederknien, zu jeder Zeit gewachsen den Wahnsinnsläufen des Presto, anrührend im Andante von Satz zwei. – Man dachte an Ludwig Güttler. Auch wenn man den als Mensch nicht mögen muss, ein großer Trompetenkünstler war er.

Samuel Walter

Auch die Ouvertüre zu Verdis Oper „Macht des Schicksals“ muss man als grandioses Wetterleuchten bezeichnen. Wie das Blech die flirrenden Streicher des Beginns imaginiert, das ist großartig. Mit aller Macht und in Furcht einflößender Dramatik. Wie es der Titel schon sagt.

Die Musiker verschwendeten sich beherzt an jede Partitur. Ob an den Hauch „West-östlicher Divan“ – Goethes Meisterwerk wird übrigens in diesem Jahr 200 Jahre alt – mit Camille Saint-Saëns „Danse Bacchanale“. Oder gediegen jazzig, mit sehr souveräner Chromatik in Harry Warrens Filmmusik „I only have eyes for you“. Oder im argentinischen Drive mit Astor Piazolla; ungeheuer rhythmisch und an jeder Stelle sauber akzentuiert.

Summe: Einen beeindruckenderen Abschluss der St.-Marien-Sommerkonzerte hätte Kantor Erik Matz nicht aufs Programm heben können als diese engagierten jungen Musiker, denen anzusehen war, wie viel Freude ihnen ihr Tun bereitete, und mit wie viel Lust sie auch die Phrasierung mal gegen den Strich bürsteten (beispielsweise beim eingangs erwähnten Händel). Mögen ihnen die Präzision, die akribische Detailarbeit, die Energie und die Leidenschaft erhalten bleiben und sich an keiner Stelle Routine einschleichen. Die ließe Glanz nämlich stumpf werden.

Ganz zum Schluss: Insgesamt überschritt die Zuschauerzahl in allen neun Konzerten die eintausend weit, allein für „Brasssonanz“ machten sich mehr als 300 Hörer auf den Weg. Es hat sich gelohnt.
Barbara Kaiser – 01. September 2019

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben