Zwei Königinnen

Kosmos-Trio überzeugte beim 7. St.-Marien-Sommerkonzert restlos

Das Programm hieß eigentlich „Die Himmlische Königin“ – Singular. Aber, so Organist Christian Domke, die Anspielung sei durchaus auch zwiefach zu verstehen. Erstens meine der Titel die Orgel als die Königin der Instrumente und zweitens standen auf dem Programm musikalische Huldigungen an Maria.

Das Kosmos-Trio war zu Gast im 7. Sommerkonzert in St. Marien und bildete ein perfektes Dreigestirn – um den Namen, den sich die Sopranistinnen Gretel Wittenburg und Christiane Trost gemeinsam mit Kantor Christian Domke (St. Paulskirche Schwerin) gaben, noch einmal zu unterstreichen. Es erklang geistliche Musik der späten Romantik, beispielsweise der französischen Komponisten Cecile Chaminade (1857 bis 1944), Camille Saint-Saëns (1835 bis 1921) und Jehan Alain (1911 bis 1940), aber auch barocke Noten von Heinrich Schütz (1585 bis 1672), Heinrich Grimm (1593 bis 1637) und Johann Vierdanck (1605 bis 1646). Dazu gab es zwei freie Orgelimprovisationen. Die eine zum 9. Psalmton (tonus peregrinus – Magnificat), die andere zu einem französischen Adventslied.

Christian Domke.         Fotos: Barbara Kaiser

Diese Konzertstunde kannte keine Schwäche. Die beiden Frauenstimmen erklangen synchron bis in die kleinste Nuance. Die Orgel erwies sich als Begleiterin, die angemessen registriert war und niemals zu prominent in den Vordergrund drängte. Hier wurde bis zu den entschlossenen Fine-Tönen lebhaft, biegsam-beweglich und sehr souverän musiziert.

Gretel Wittenburg und Christiane Trost.

 

Die kräftigen Stimmen besaßen neben einem großen Tonumfang eine überzeugende Innigkeit, sie schafften mühelos die Höhen und hielten doch kurz vorm Schrillen inne. Es war ein nuancenreicher, ausgesprochen kultivierter Gesang mit einer Zartheit, die unantastbar blieb, voller anrührender Intimität auch.

Und dann die Orgel! Wenn ein Konzert mehr als einen Teilnehmer hat, muss man seine Sympathien aufteilen, was a priori ungerecht ist. Beim Kosmos-Trio umso mehr. Aber was Christian Domke mit seinen zwei Improvisationen an der Orgel im Augenblicke erschuf – damit eroberte er meine Zuneigung in vollem Umfang.

In der ersten bewies er Humor mit einer kleinen Melodie, der man gerne nachlauschte, wenn der Solist sie durch die Register schickte. Und nichts von tonus peregrinus – fremder Ton! Am Ende stand ein üppiger Klangcluster, der sich durchaus hochromantisch verorten lassen konnte, jedoch langsam wieder zerbröselte und austropfte.
Die zweite Improvisation: fröhliche, fast neckische Triolen, die in der Tiefe ausgebremst werden sollten, sich aber letztlich durchzusetzen in der Lage waren. Es waren wunderbare Zwischenrufe an diesem „himmlischen“ Instrument Orgel, die dem Konzert um die Königin Maria die Krone aufsetzten. Bravo!

Erik Matz und Christian Domke.

Am kommenden Samstag trifft Barockes auf Jazz. Kantor Erik Matz sitzt an der Orgel, das Saxophon spielt Niklas Wienecke. Um 16.45 Uhr, 24. August 2019, St. Marien Uelzen.
Barbara Kaiser – 19. August 2019

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