Ziel: Identifikation mit der Region

Heimat- und Kulturkreis Ebstorf feierte sich und seinen 70. Geburtstag

„Ich wünsche Ihnen eine aktive Zukunft für Ihre vielfältige und wichtige Mission!“ So beendete Medingens Äbtisin Dr. Kristin Püttmann ihr Grußwort, das sie in Vertretung der erkrankten Ebstorfer Äbtissin Erika Krüger sprach. Wenn ein Mensch 70 wird, ist die Zukunft, noch dazu eine aktive, an Jahren sehr überschaubar. Bei einem Verein hingegen ist das anders. Da hat man seine Erfahrungen gesammelt, Konzepte ausprobiert, einige davon verworfen, sich auf eine neue Suche begeben.

Der Heimat- und Kulturkreis Ebstorf von 1948 e.V. blickt auf sieben Jahrzehnte Leben zurück, was ein Grund zum Feiern ist. „Der Heimat- und Kulturkreis Ebstorf hat es sich zur Aufgabe gemacht, kulturelle und landschaftliche Besonderheiten der Heimat Ebstorf und seiner Umgebung den Bürgern näher zu bringen. Insbesondere wollen wir durch Vorträge, Besuche, Treffen und Fahrten kulturelle sowie heimatliche Interessen pflegen.“ So steht es auf der Homepage des Vereins. Relativ neu dürfte der Zusatz sein: „Unser Interesse gilt aber auch dem allgemeinen europäischen und deutschen Kulturbereich.“ Es darf also angenommen werden, dass man sich in Ebstorf nicht mit einem Im-eigenen-Saft-schmoren zufrieden gibt.

Medingens Äbtisin Dr. Kristin Püttmann.  Fotos: Barbara Kaiser

Im Alten Refektorium des Klosters begrüßte Eckart Gierlinger, der erste Vorsitzende, die Gäste. Neben Mitgliedern des Vereins auch Vertreter der Politik und andere Unterstützer. In seiner zu solchen Anlässen üblichen Rückschau sprach er über die wechselnden Namen des Heimat- und Kulturkreises, die Ausgliederung des Fremdenverkehrsvereins (heute: Urlaubsregion Ebstorf) und die Mitgliederentwicklung. Heute gibt es immerhin 205 Mitglieder, die sich, gefördert durch öffentliche Träger wie Landkreis und Samtgemeinde, engagieren.

Eckart Gierlinger

Leider erfuhr der Zuhörer nicht viel über konkrete Veranstaltungen oder die Bemühungen, junge Leute für den Verein zu gewinnen. Die Aussage Gierlingers, „das Verhältnis der Menschen zu den Vereinen hat sich geändert“, klang recht resignativ. Ein Loblied sang der Redner auf den „Inspirationsweg“ zwischen dem Kloster Ebstorf der Hanstedter Kirche mit Bildern von Frauke Thein.
Leider erwähnte erst der vierte Grußwortredner (Pastor Hermann Brünjes) den Namen des Künstlers Werner Steinbrecher (1946-2008), der schließlich mit seinen beeindruckenden Arbeiten zum „Auferstehungsweg“ und „Schöpfungsweg“ lange davor diese speziellen Wanderrouten bebildert hatte.

Angela Geschonke dankte Eckart Gierlinger.

Landrat Dr. Heiko Blume erinnerte daran, dass im Gründungsjahr 1948 die Menschen eigentlich andere Probleme hatten, als sich für einen neuen Verein einzusetzen. Er übersah allerdings dabei, dass diese Zeit im Westen Deutschlands geprägt war durch den Rückzug in die Idylle der eigenen Gefilde – siehe auch die zahlreichen Heile-Welt-Filme dazu – und eine nötige Aufarbeitung von Geschichte nicht stattfand. Und wenn Gierlinger in seiner Rede der „Bewahrung und Pflege des heimatlichen Kulturguts“ das Wort redete, griff solch ein Ziel viel zu kurz.

Landrat Dr. Heiko Blume und Horst Hoffmann.

Außerordentlich zu bedauern ist, dass der Heimat- und Kulturkreis Ebstorf sich nicht zur Einladung eines kundigen Referenten entschließen konnte, der, wissenschaftlich fundiert und übersichtlich, vielleicht auch weitblickender, über derlei Vereinstätigkeit zu sprechen gewusst hätte. Was zwei Vereinsmitglieder zu den Stichworten „Heimat“ und „Kultur“ darlegten, war vor allem zum Thema Heimat ziemlich fragwürdig; zum Thema Kultur wenig inspiriert.

Klas Tilly (mi.) zur Vernissage.

Nach fast zwei Stunden der Reden, denen Kantorin Christiane Schirmer am Klavier Denkpausen verschaffte, öffnete in der Propstei die Ausstellung mit den farbgewaltigen Bildern von Klas Tilly, die bis zum 30. September 2018 zu sehen sein werden. Der Ebstorfer Künstler stellt 54 Arbeiten aus, in denen er sich der Natur annähert, indem er kleinste Details großformatig bannt. Wunderschön, aufregend, anregend – wie man es von Tilly kennt. Die Ausstellung ist der professionelle Teil der Feierlichkeiten.
Barbara Kaiser – 19. August 2018

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