Quicklebendiges

Aquarellbilder der Gruppe „Mal-o-gen“ bis 30. April in der Stadtbücherei

Der dicke Kürbis ist aufgeschnitten und seine Kerne purzeln dem Betrachter entgegen (Carmen Silvia Koch), Radieschen, Paprika und Möhren prangen zum Anbeißen (Mineco Budich) und ein Rotkehlchen singt sich eins – wahrscheinlich ist es froh, nicht auf der stacheligen Beere nebenan Platz gefunden zu haben (Ina Nahler).
Denken Sie sich getrost zu jedem Bild eine Geschichte aus, liebe Besucherinnen und Besucher der 208. AZ-Ausstellung in der Stadtbücherei, die bis 30. April 2019 die Werke der Gruppe „Mal-o-gen“ zeigt.

Mineco Budich: Paprika      Fotos: Barbara Kaiser

Man hängt ja an vertrauten Bezeichnungen. So heißt die AZ-Ausstellung, die Horst Hoffmann durch die erste Ausgabe im Februar 1997 mit Werken von Brigitte Jerosch-Dürfeldt (1938 bis 2017) ins Leben rief, immer noch so. Obwohl sie seit mindestens zehn Jahren in der Stadtbücherei stattfindet und oft samstags mit einer kleinen Vernissage eröffnet wird.
Mit dem Ortswechsel hat sich das Format wahrscheinlich verbessert, denn die zentrumsnahe Bücherei hat viele Besucher mehr.

Ina Nahler: Stachelbeeren

So war auf der Eröffnung der jetzigen Ausstellung zu erfahren, dass alle acht Malerinnen die Liebe zum Aquarellieren genauso verbindet wie der gemeinsame Beginn in einem Kursus bei Anna Susanne Jahn vor mehr als 20 Jahren. Diese Künstlerin ließ durch Horst Hoffmann, der die Bilderschau eröffnete, auch herzlich von ihrer Insel (Amrum) grüßen und wünschte den ehemaligen Schülerinnen weiterhin Freude an dieser Kunst und die anhaltende Fähigkeit zum genauen Schauen. – Diese 208. AZ-Ausstellung ist also eine, der große Zeiträume immanent sind!

 Mineco Budich: Mohn

In ihr blüht und grünt es mit Stockrosen und Hyazinthen (Susanne Müller), ist mit Schildkröte und Schnecke (Jutta Schellbacher), Highlandrindern und einem Raben (Anja Modi) auch die Fauna vertreten. Menschenbilder kommen ebenfalls nicht zu kurz (Rosel Schiemann).

Rosel Schiemann: Porträt

Fragt man die Schöpferinnen der Bilder, kann man auch die eine oder andere Geschichte hören. Ich fragte Lore Förster, weil ich sie schon lange kenne und ihre Bilder bereits auf vielen Ausstellungen sah und auch begleitete. So kam heraus, dass das Totholz, das ich für Schwemmholz hielt - weil die „Mal-o-gen“- Gruppe auch hin und wieder Anna Susanne Jahn an der Nordsee besucht – in der Heide gefunden wurde. Es habe gewispert, es wolle gemalt sein, berichtet Lore Förster sehr überzeugend, deshalb habe sie es mitgenommen. Und so bekam das Stück Wacholder-Stuken einen seiner stacheligen Zweige beigesellt und ein paar vertrocknete Beeren.

Lore Förster: Wacholderholz

Es gibt Unterschiede in der Wirkung, steht der Betrachter vor der Sammlung der so grundverschiedenen Bilder. Das soll hier nicht gewertet werden, schließlich sind alle acht Frauen Freizeitmalerinnen, und sie sind selber streng genug mit sich selbst. Aus manchen Arbeiten atmet die zarte Leichtigkeit der frühere Lehrerin offensichtlich, aber vor allem die menschliche Dimension dieser Malerinnenvereinigung ist nicht zu unterschätzen…
Barbara Kaiser – 07. April 2019

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