Zauberhafter Abschluss

Kulturverein Bevensen lud zu Bossa Nova & Bolero

Es gehört auch Mut dazu, sich für ein Programm zu entscheiden, das spanisch-portugiesisch-sprachige Musik ankündigt und Rhythmusformen huldigen will, die unserem Kulturkreis weiter entfernt stehen. Der Deutschen Lieblingstakt ist ja eigentlich der Vierviertel zum Mitklatschen oder der Dreiviertel-Modus zum Schunkeln. Nun aber sollte es einen Abend geben, in dem die Zweiviertel dominieren, durchmischt mit unerwarteten Wechseln, Retardieren und Synkopischem, die dem Ganzen einen jazzigen Anstrich verleihen und  deutsches Taktgefühl gehörig durcheinanderzuschütteln in der Lage sind.

Um es vorweg zu nehmen: Es war zauberhaft, was Esther Lorenz und Peter Kuhz im Zelt am Kurpark auf Einladung des Kulturvereins Bad Bevensen da boten. Unter dem Titel „Bossa Nova & Bolero“ spielten sie sich durch ein Repertoire von Titeln,  einige unter ihnen mit Weltruhm geadelt. Das Paar moderierte kundig dazu, so dass der Erkenntnisgewinn in zwei Stunden nicht auf der Strecke blieb.

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Fotos: Barbara Kaiser

Esther Lorenz besitzt eine Stimme, die geschmeidig strahlend sein kann und über betörende leichte Höhen genauso wie sichere Tiefen verfügt.  Lyrische Süße, geschwungene Bögen und Kantilenen wurden noch überglänzt von einer Pianissimo-Kultur; von leiser Eindringlichkeit, die fast wie nebenbei daher kam und doch so sehr anrührte. Der Gitarrist Peter Kuhz war leidenschaftlicher Solist und sensibler Begleiter gleichermaßen.

So erfuhr das interessierte Publikum, das diesen Abend mit kaum einer Vorstellung oder Erwartung vorab belastete, in der Pause jedoch einhellig begeistert schien, wer wo die (oder den) Bossa Nova  ersonnen hatte. Der Komponist Antônio Carlos Jobin nämlich war es im Vereine mit Vinicius de Moraes. Zwei Herren in den besten Jahren, die sich Mitte der 1950er am brasilianischen Strand von einer jungen Bikini-Schönheit missachtet fühlten und das Lied „The Girl From Ipanema“ kreierten, das um die Welt ging.
Die neue Musikrichtung, die auf Portugiesisch „Neue Welle“ bedeutet (offenbar eine beliebte Bezeichnung, man denke an „Neue Deutsche Welle“!), bedient alle Sehnsucht nach Sonne, Strand, Brandung, Gischt und Meer. Endgültigen internationalen Durchbruch brachte der Film „Orfeu Negro“, woraus an diesem Abend ein Gitarrensolo erklang.
Denn keineswegs ist das Schlagerliedchen „Schuld war nur der Bossa Nova“ aus den 1960ern der Prototyp dieser Rhythmik.

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Der Bolero hingegen entstand viel früher. Der erste Titel datiert aus dem Jahr 1883. Bekannteste Noten jedoch flossen aus der Feder der mexikanischen Komponistin (!) Consuelo Velázquez: „Bésame mucho“, das Liebeslied von 1941 kennt hunderte Cover-Versionen.
Auch Esther Lorenz sang es, wunderbar unaufgeregt, mit wohl geführter Stimme und artikulatorischer Disziplin. Bezwingend!
Der Bolero Cubano als eine Abart ist der Rumba verwandt, war zu erfahren. In diesem Takt erzählte die Sängerin die Geschichte einer selbstbewussten Dame, die ihren Liebsten auffordert, ihr doch nicht immer alte Fehler vorzuhalten. Und sang in einem Scherzlied aus Spanien über ein Mädchen, das sich in den Schatten eines Mannes bei Nacht verliebt, ihn bei Tagesanbruch aber nur noch wenig anziehend finden kann: „Das nächste Mal, wenn ich mich verliebe, wird es bei Tageslicht sein und nicht in der Nacht!“

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Das Konzert war ein schöner Ausklang einer abwechslungsreichen Kulturvereins-Saison in der Kurstadt, die mit der „Dreigroschenoper“ begonnen hatte und am 14. Juni 2015, 11 Uhr, mit einem Jazzfrühschoppen im Zelt in die Sommerpause geht. Das Programm für 2015/16 steht bereits, war zu erfahren. Das wiederbelebte traditionelle Pfingstkonzert - wie das Neujahrskonzert mit dem Wendland-Sinfonie-Orchester - soll übrigens schon im neuen Kurhaus stattfinden. Es hat anscheinend Optimisten in den Reihen der Kulturorganisatoren!
Barbara Kaiser – 13. April 2015

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