Zauber auf sechs Saiten

Simon Gutfleisch spielte im Kunstverein sein Examens-Gitarrenkonzert

Die Gitarre habe ihn schon immer fasziniert, antwortete Simon Gutfleisch auf die Frage, warum er gerade dieses Instrument erwählte. Schließlich sind im hiesigen Landkreis das Klavier, die Streicher und auch das Horn preisgekrönt aufgewachsen.
Für den 25-Jährigen musste es die Gitarre sein, und was er auf diesen sechs Saiten zu zaubern in der Lage war, bewies er in einem kleinen Vorabendkonzert im Schloss Holdenstedt. Dem Kunstverein Uelzen sei Dank, dass er diesem jungen Mann eine Voraufführung seines Examenskonzerts ermöglichte.

Geboren im Jahr 1993, spielt Simon Gutfleisch seit seinem achten Lebensjahr auf der Gitarre. Er war Bundespreisträger bei „Jugend musiziert“, erwarb 2015 den Bachelor im Studienfach Instrumentalpädagogik an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover und wird sich, nach diversen Meisterklassen, im Sommer die Urkunde des Masterabschlusses rahmen können. Er ist bereits jetzt an der Musikschule für Kreis und Stadt Uelzen angestellt und unterrichtet privat. Eine Konzerttätigkeit – auch im Ensemble „frantic percussion“, das aus dem schon legendären „Drumherum“ hervorging – kommt dazu.

Fotos: Barbara Kaiser

Für seinen Auftritt im ovalen Saal hatte sich der Instrumentalist Noten aus der Renaissance, der Romantik und Zeitgenössisches aufs Pult gelegt. Mit einigen kundigen Worten moderierte er auch. So gab er zu, dass man vielleicht mit der Musik von John Dowland „nicht so viel anfangen kann“. Es sei doch aber schön, dass es sie noch gebe nach 400 Jahren.
In der Tat war Dowland Shakespeare-Zeitgenosse. Die Vorstellung, dass seine Schäferstündchen-Musik eventuell in einem seiner Bühnenwerke eine Rolle spielte, ist durchaus reizvoll.

Dem Solisten merkte man an, dass er eben mit diesen Noten „nicht allzu viel anfangen kann“. Hier und da klirrte es noch nach, in den schnelleren Passagen fehlte es an Fluss.
Das war in den Schubert-Liedern, bearbeitet von einem seiner Zeitgenossen, ganz anders. Hier waltete ein sicherer Griff und die Identifikation mit der zu spielenden Literatur. Jedes Stück war neue Authentizität: Im widerborstigen „Fischermädchen“, dem inkludierten Posthorn in „Die Post“. Na, und das „Ständchen“ erst! „Leise flehen meine Lieder“ – wer kennte den Text dazu nicht.
Die Herausforderung, aus Singstimme und Klavierbegleitung, die bei Schubert immer ein Eigenleben hat, eine Partitur für die Gitarre zu machen, war bravourös gelöst durch den Tonsetzer. Der Spieler Gutfleisch machte die Stimmen durchhörbar und hielt sie lebendig.

Er balancierte sein Spiel klar und durchsichtig auf der Grenze zwischen ursprünglichem Schubert und dem Bearbeiter Johann Kaspar Mertz, mit voluminösem Ton und technischer Souveränität. Ungekünstelt, aber kunstvoll. Zupackend, aber nie grob. Unüberhörbar, aber nicht schrill. Das Ganze ohne dissonante Verschreckung oder quietschender Irritation, wie es bei Gitarren passiert.

Als Vertreter des zeitgenössischen Schaffens stand Toru Takemitsu und dessen „In the woods“ im Programm. Die Inspiration dafür holte sich der Japaner in deutschen Wäldern! Melodien gab es hier eher nicht und man muss diese Art der Musik nicht bei eigenen Waldspaziergängen wiederfinden. Aber Simon Gutfleisch sagte dazu: „Sie müssen nicht nach einer Melodie suchen, es gibt keine. Nur Ruhe.“ Damit konnte der Zuhörer durchaus etwas anfangen.

Am Ende gab es lebhaften und freundlichen Beifall der rund drei Dutzend Zuhörer und natürlich eine Zugabe. Für das Examenskonzert sei dem Studenten toitoitoi gewünscht!

P.S. Es gibt wirklich Menschen, die kommen immer noch zu spät und latschen über die knarrenden Dielen des Schlosses zu ihrem Platz. Wenn sie dann noch nicht einmal ihr Handy ausschalten, was natürlich prompt klingt – dann hegt man Mordgedanken! Wie unhöflich und respektlos dem Mann auf dem Podium gegenüber ist das eigentlich?
Barbara Kaiser – 29. April 2018

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