Weihnachtswunder-Bar

Einstimmung aufs Fest im Kurparkzelt mit „Crémant & Chardonnay“

Jetzt geht das wieder los: Die Endlosschleife dieser süßen Melodeyen all überall. Die Zeit, in der nicht nur Gotteshäuser, sondern - und das vor allem - Warenhäuser auf Ansturm hoffen. Da tut es wohl, sich einfach einmal zurückzulehnen. Corinna Fuhrmann und Pascal Nöldner luden als „Crémant & Chardonnay“ im Kurparkzelt dazu ein. Sie öffneten ihre „Weihnachtswunder-Bar“ und zauberten doch tatsächlich in die wenig anheimelnde Atmosphäre unterm Stoffdach so etwas wie Vorfreude. Vielleicht.

Weshalb sich die beiden Künstler ausgerechnet nach einem prickelnden Schaumwein (Crémant) und dem qualitativ hochwertigen Weißwein (Chardonnay) benennen, mag ihr Geheimnis bleiben. Auf jeden Fall begann der Abend mit Schmelz in der Stimme und „Let it snow“. Ja, schön wär`s – der Zauber dieser Jahreszeit wäre unvergleichlich intensiver.

Bevensen Weihnachtswunder_bearbFuhrmann und Nöldner scheuten bei Kostüm, Kulisse und Requisiten keine Mühe, ja, sie schenken gar Plätzchen ins Publikum und verteilen Sekt. Ob das zu größerer Nähe zwischen Akteuren und Zuschauern führte? Das ist schwer zu sagen. Auf jeden Fall ist die Pianistin, die neben ihrem Magister in Germanistik, Geschichte und Musikwissenschaft noch ein Klavierstudium begann und sehr vielseitig unterwegs ist angesichts ihrer Kammermusik-Aktivitäten (Klavier/Violoncello) und musikalisch-literarischen Programmen, an den Tasten geschmeidig und anpassungsfähig.
Pascal Nöldner lernte sie, so behauptet es jedenfalls das Internet, an einer Hotelbar (sic!) kennen. Ein feucht-fröhlicher Abend dort gab dem Künstlerpaar die Idee ein, sich doch öfter und mit Sinn und Motto dorthin zu begeben. Nöldner ist gerade einmal 25 Jahre jung und studierte in Münster Design mit Schwerpunkt Illustration (seine Internetseite wird durch ein zauberhaftes Fantasiebild eröffnet!). Mit Corinna Fuhrmann entstanden Projekte, zu denen die „Weihnachtswunder-Bar“ zählt.

bevensen weihnachtswunder_bearb2Es ist eher eine amerikanische Weihnacht, das zeigte schon der viele Flitter und Glitzer. Obwohl: Der Versuch, mit dem Publikum „Stille Nacht, heilige Nacht“ zu singen, kann nicht als gescheitert betrachtet werden.
So plaudern sich die Zwei durch 90 Minuten. Ein bisschen sentimental, angemessen frech, musikalisch durchaus solide, insgesamt jedoch harmlos und mit zu vielem Altbekanntem – die Weihnachtsbäckerei etwa, bei der der Whisky im Bäcker und nicht im Teig landet oder das deutsch-englische Kauderwelsch über diese ganz besondere Zeit des Jahres: „When you know, es ist so weit, and the christmas-Glocken rings….“.

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Der Blick auf die Mitmenschen ist zwar ein genauer, aber daraus wäre in eigenen Texten mehr und Intelligenteres zu machen gewesen als nur „frierende Halbintellektuelle“, „Ehepaare im Loden-Partnerlook“ oder „reife Männer um die 40 mit Bommelmützen oder blinkenden Rentiergeweihen auf dem Kopf“ auf den Weihnachtsmärkten oder beim Weihnachtseinkauf.
Auch Weihnachtswichtel Luigi mit dem charmanten S-Fehler in der Aussprache und als Handpuppe der Dritte im Reigen an der Bar, bräuchte dringend pfiffigere Texte.

bevensen weihnachtswunder_bearb1Am schönsten war dieser Weihnachts-Einstimmungs-Abend im Musikalischen. „Merry Christmas to you“  oder „We wish you a merry Christmas“– dafür braucht`s keinen Dolmetscher. Für „Rockin` around the christmastree“ auch nicht. Und natürlich gab es als Zugabe als rotnasige Rentier Rudolph. Da flitterte die ganze Bühne in dieser festlichen Farbe, ehe man wieder ins Grau vor der Tür musste!
Barbara Kaiser - 30. November 2015

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