Vorfreude

Gunther Emmerlich brachte zum Adventskonzert in die Dreikönigskirche musikalische Freunde mit

Das abschließende „O, du fröhliche“ sickerte durch die dicken Mauern und schwebte bis auf den Platz, wo die große Tanne der Eröffnung des Weihnachtsmarktes harrte. In der Dreikönigskirche sang das Publikum mit den Gästen des „Festlichen Adventskonzerts“ unter dem voluminösen Kranz mit den roten Kerzen dieses alte Lied. Voller Vorfreude.

Der Bassist Gunther Emmerlich war zu Gast. Er hatte sich Begleitung mitgebracht, so dass es ein Quintett ergab. Jeanne Pascale Schulze, deren Sopran im zarten Crescendo an keiner Stelle zitterte und dem Fineton einen verhaltenen Jubel zu geben im Stande war; Sabine Herzog am Violoncello, das wohlig grundierte und Soli hinreißend timbriert spielte. Zudem war die Instrumentalistin mit einer Altstimme begabt, die wohlfeil passte im Duett für den „Abendsegen“ aus Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ oder das Vokaltrio mit Emmerlichs Bass komplettierte. Matthias Suschke saß mit größtmöglicher Lässigkeit an Orgel und Klavier und Kurt Sandau spielte die Blechblasinstrumente, die Weihnachtsgefühl erst perfekt machen: Bachtrompete und Corno da caccia.

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Fotos: Barbara Kaiser

Emmerlich selbst gab sich stiller und bedenkender als sonst, was außerordentlich wohl tat. „Das Repertoire ein jeder kennt,/ doch ohne das wär`s kein Advent“, moderierte er die 90 Minuten an, die keinen Leerlauf kannten. Und als er seine „Reha-im-Advent“-Selbsterfahrung von vor einem Jahr prosaisch verarbeitet an sein Publikum weitergab, ahnte man, dass Todesnähe als Erfahrung auch einen Gunther Emmerlich von hohem Ross und Übermut sich abwenden lassen. Für die Verse von  Ringelnatz, Mozart und Brecht und vor allem seine Anmerkung dazu: „All diese frommen Worte schrieben ein Kabarettist, ein Komponist und ein Kommunist – auch eine frohe Botschaft!“ konnte man ihn mögen, weil so viel Differenzierung sonst nicht sein Geschäft war.

emmerlich1Der Sänger ist also leiser geworden, nachdenklicher. Er weiß um seine stimmlichen Grenzen und akzeptiert sie ganz offenbar, was ihn sympathisch macht und dem Konzertablauf Farbe verleiht und nutzt.
So brachten er und seine musikalischen Freunde einen wunderbaren Querschnitt zum Thema. Dabei die alten Weisen aus einer fernen Kindheit, die herüberwehen und lächeln machen und die keine Mainstream-Weihnachts-CD im Repertoire hat: „Es wird schon gleich dunkel“ (Weise aus Tirol). Es gab ein zauberhaftes „Ave Maria“ nach Guilio Caccini (16. Jahrhundert) und ein „O heilige Nacht“ von Adolphe Adam (dem Komponisten der Oper „Postillion von Lonjumeau“). Ein verhaltenes, anrührendes „Wie soll ich dich empfangen“, die Verse von Paul Gerhardt, mehrfach vertont, weltberühmt geworden in Bachs Weihnachtsoratorium, in der Besetzung Sopran, Alt, Bass.
Natürlich fehlten zwei Spirituals nicht. Und ausgerechnet in einem amerikanischen  Weihnachtslied heißt es: „Als alle Hoffnung Ende war, da ging im Stall von Bethlehem der Stern der Liebe auf.“

emmerlich2Das Programm dieses Abends, Musik und Texte, stimmten rundherum. Sie brachten fertig, was tausend (Politiker)Reden nicht vermögen: Dass das Gefühl von Vorfreude und Geborgenheit zulässt, gleichzeitig an diejenigen zu denken, denen es nicht so geht, die weniger privilegiert sind. Wieder einmal zu hoffen, dieser „Friede auf Erden“ möge doch endlich, endlich seinen Anfang nehmen. Dass wir uns besinnen, weil: „Aus dem schönsten der christlichen Feste hat der Mensch einen Jahrmarkt gemacht. Man wünscht sich – das Beste vom Besten und vergisst dabei den Sinn der Heiligen Nacht.“ (Karl Tischler, Kriegskindergeneration).

emmerlich3Es war so recht ein Abend, Wilhelm Busch zuzustimmen: „Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.“ - und bescheidener zu werden. Gunther Emmerlich ist bescheidener geworden. Demütiger. Was ihm gut steht.
In diesem Sinne: Eine schöne Adventszeit und fröhliche Weihnachten!
Barbara Kaiser - 11. Dezember 2015

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