Traummann gesucht

Sina Schulz war im Neuen Schauspielhaus Cora Hübsch

Der Text der Journalistin Ildikó von Kürthy wird ganz bestimmt keinen Preis gewinnen, denn er ist oberflächlich und spielt mit wirklich jedem Klischee. Das Buch „Mondscheintarif“ erschien im Jahr 1999, da war die Autorin 29 Jahre alt. Man hofft inständig, dass sie selbst in diesem Alter nicht mehr so schrill und infantil war, wie sie es ihrer literarischen Figur oktroyierte.

Fotos: Barbara Kaiser

Sina Schulz spielte den Monolog „Mondscheintarif“ im Neuen Schauspielhaus in zwei ausverkaufte Veranstaltungen hintereinander. Chapeau! Die Schauspielerin, Jahrgang 1987, stammt aus Uelzen – hatte somit ihr Publikum quasi mitgebucht – und der Theaterbesucher im Landkreis sah sie in „Die Erfindung der Liebe“ Teil II, die im November in Bostelwiebeck mit dem Jahrmarkttheater Premiere feierte.

Nun ist Sina Schulz also Cora Hübsch, 33dreiviertel Jahre alt. Eine junge Frau, die ihre Problemzonen kennt, mit Johanna eine beste Freundin hat und sich permanent  auf der Suche nach dem Traummann befindet. Obwohl sie sonst anscheinend auch kein Kostverächter ist. Sie verkündet stolz ihren „Hang zur Arbeiterklasse“, weil sie schon mal mit einem Elektriker schlief (das nenne ich zynisch!), und sie zerrte auch zwischendurch den Essen-auf-Rädern-Fahrer, der ihrer Nachbarin täglich die aluverpackten Speisen reinreicht, auf ihre Lagerstatt. Was sie alles nicht hindert, von der echten, einzigen, wahren Liebe zu schwadronieren.
Nun aber hat sie Dr. med. Daniel Hoffmann kennengelernt…
Da Cora Hübsch nach dem Willen ihrer Erfinderin jedoch eine sein soll, die sich inszeniert – „Wenn du geliebt wirst, kannst du wieder sein, wie du bist!“ – geht das nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen.

Sina Schulz ist eine sympathische junge Frau, das Affektieren muss ihr schwergefallen sein. Vielleicht hätte sie ihren munteren Auftritt und den Text aber auch mit einem größeren Quäntchen Selbstironie bieten können. Dann nämlich funktionierte er. Dann könnte der Zuschauer auf die Idee kommen, dass all das Getue, die Party-Rituale und vermeintliche „Anstandsregeln“ (wann ruft man einen an nach einem Date oder soll man lieber drauf warten, dass er…..?), der Schönheitswahn und das Smalltalk-Gelaber wirklich aufs Korn genommen werden sollen. Und man sich dem Ganzen nicht als Knecht unterwirft, weil man als junge Frau genug Selbstbewusstsein hat, auch mit ein paar Kilo zu viel zurechtzukommen.

Womit diese Cora ihr Geld verdient, erfährt der Zuhörer nicht. Wie es um ihre Bildung steht, auch nicht. Dazu ist sie viel zu sehr und ausschließlich auf Männer, später auf  Dr. Daniel H.,  fixiert. - „Was ich mir am allermeisten wünsche“, bekennt sie, „dass einer `meine Liebste` zu mir sagt.“ Es ist also die ganz alltägliche Sehnsucht nach einem, der für einen da ist, der einen versteht, auch wenn es mal komplizierter wird. Warum sich Cora auf dieses ganze „Ich-bin-lässig-Spiel“ einlässt – keine Ahnung. Weil`s „cool“ ist?

Natürlich kriegt sie ihren Daniel am Ende. Vielleicht haben die vielen jungen Frauen im Publikum gelernt: Verstell dich nicht! Hält man sowieso nicht lange durch. Und wenn du einen fürs Leben willst, bist du am allerbesten ehrlich von Anfang an!
Es war ein recht unterhaltsamer Abend, der sich einzig Sina Schulz verdankt. Ihre Zuschauer feierten sie dafür am Schluss. Der Roman zum Stück ist aber damit keineswegs empfohlen.
Barbara Kaiser – 12. März 2018

1 Antwort

  1. Ich empfinde den Tenor dieser Kritik als ungerechtfertigt. Es war eine Komödie angekündigt und das Publikum fühlte sich so gut unterhalten, dass es die Schauspielerin am Schluss mit stehenden Ovationen feierte und sehr beseelt nach Hause ging. Man darf nicht überall intellektuellen Tiefgang erwarten. Im Gegenteil manchmal darf man sich auch an den banalen Dingen des Alltags ergötzen. Komödie darf das. Und alle, die mal jung waren, erinnern sich an die Zeiten im Leben, wo genau dieses Thema des Abends das Hauptthema war. Selbstironie in dem Stück habe ich zumindest durchaus bemerkt.

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