„Thank you for the music!“

Internationale Sommerakademie 2014 geht mit zwei Abschlusskonzerten zu Ende

Den obligatorischen, aber nicht weniger herzlichen Dank an die Sponsoren und die ehrenamtlichen Helfer gab es zuerst. „Auch Sie als Zuschauer sind Unterstützer“, verbeugte sich Dr. Theodor Elster, der erste Vorsitzende des Trägervereins Internationale Sommerakademie, vor dem Publikum, das zum ersten Abschlusskonzert der fünften internationalen Meisterklasse ins Kloster Medingen gekommen war.

Die Sommerakademie 2014 ist Geschichte. Eine Nachfolge gibt es übers Jahr. Mit den nach Abschluss gestifteten Konzerten soll „unser Arm ins Jahr hinein verlängern“ werden, sagte der künstlerische Leiter Hinrich Alpers in seiner Rede, in der er sich auch bei den Dozenten bedankte, die mit Kraftanstrengung und bestem Gewissen, ihr Wissen und Können vermittelt haben. Professionell Vielversprechendes solle mit den vergebenen Konzerten gefördert werden. Und: „Wir wollen es noch ganz lange weiter so treiben.“ Das wird der Region auch in der Zukunft wunderbare Musikerlebnisse bescheren. So viel stand am Ende des zweiten Abschlusskonzertes im Langhaus Oldenstadt mit Sicherheit fest.

sommeraka3
24 junge Pianisten und Kontrabassisten stellten sich an den beiden Abenden mit populären Partituren vor, bewiesen Selbstbewusstsein und musikalische Reife. An ihrer Seite das Kammerorchester „Wratislavia“ aus Wrocław, jahrelanger und geduldiger Proben-Partner.
Insgesamt 38 Teilnehmer – das ist absoluter Rekord und wahrscheinlich auch Limit. Der Stimmung tat das keinen Abbruch und das große Publikum, das in dieser musikalischen Woche an die Vorspielorte Holdenstedt, Medingen und Oldenstadt strömte, konnte sich von der Qualität und dem hohen Niveau der instrumentalen Leistungen überzeugen. Vom großen Können, der Ernsthaftigkeit des Musizierens und der Freude daran.

Da war zum Beispiel die Neuerung der Kontrabassklasse, die sieben Schüler hatte. Was für eine Hörerfahrung mit diesem Instrument, das wie ein Cello seufzen kann und nicht nur Takt- oder Rhythmusgeber ist. Felix Schilling stellte uns beispielsweise den Bass im Konzert des böhmischen Komponisten Johann Baptist Vanhal (1739 bis 1813) vor. Das Werk reizt einen Tonumfang aus, der sich aus Höhen, die diesem Instrument nie angemessen schienen, bis zu den gewohnten Tiefen in die Gehörgänge der Zuhörer schmeichelte.
Aber auch alle anderen Solisten beherrschten den sicheren Wechsel zwischen den Tonlagen - man bedenke, der Bass hat keine Stege wie etwa die Gitarre - und bewältigten Doppelgriffe. Unter der Anleitung von Professor Nabil Shehata durften die Kontrabässe auch den Clown geben, waren jedoch daneben schönste Botschafter ihres oft unterschätzten Instruments.

sommeraka2
An die Höchstleistungen der Pianisten ist der Zuhörer vielleicht schon ein bisschen gewöhnt.
Zum Beispiel: Florian Albrecht war mit elf Jahren der Benjamin. Im letzten Jahr musste er noch lange am Klavierhocker drehen, diesmal nahm der kleine junge Mann forsch darauf Platz und gab sechs rumänische Volkstänze von Béla Bartók. In schöner Phrasierung die verschiedenen Stimmungen aufnehmend, musizierte er zwischen Melancholie und Ausgelassenheit, widerstand am Ende dem Donner nicht ganz. Aber er darf das noch.

Oder: Roberts Kibermanis kommt aus Lettland und spielte das Nocturne H-Dur op. 62,1 von Frédéric Chopin. Der 19-Jährige ist ein Meister des Zögerns, der ganz souverän mit dieser Langsamkeit umzugehen in der Lage war. Ein leiser, schwebender Kontrapunkt mit einem verführerisch zärtlichen Anschlag!

Die 16-jährige Vi Ngo Phuong aus Vietnam musizierte, begleitet vom Orchester, das Klavierkonzert Es-Dur KV 271 von Wolfgang Amadeus Mozart, das der zu Ehren der Pariser Pianistin Mademoiselle Jeunehomme - selbst 21-jährig - zu Papier gebracht hatte. Mit gutem Grund selbstsicher, stellte sich Vi Ngo Phuong ganz in den Dienst der Noten, die im Allegro graziös-launig daherkommen. Licht durchwirkt, leicht, aber an keiner Stelle leichtfertig, erklang in ihrer Interpretation das Werk, das die frühe Meisterschaft des Salzburger Wunderkindes manifestierte. Der Verzahnung von Solo- und Orchesterpart wurden alle Akteure auf schöne Weise gerecht.

Eines der bekannten Gesichter war Aaron Triebler. Der 14-Jährige ist  den Sommerakademiebesuchern aus dem Vorjahr bekannt, die vermerkt haben werden, dass er erwachsener geworden ist. Er spielte den ersten Satz aus Ludwig van Beethovens „Pathétique“, scheute somit die Erinnerung an Hinrich Alpers` Sonatenabend fünf Tage davor nicht. Triebler brachte mit dem Grave und dessen Wiederholungen schöne Zäsuren, konnte die Partitur technisch stemmen, verwischte aber so manche Kontur in den Läufen, was mit gutem Gewissen seiner Jugend angerechnet werden kann. Hier entwickelt sich jedoch Schönes.sommeraka
In der Aufzählung darf man Sascha Vorontsov (19) nicht vergessen, der dieses Mal Johann Sebastian Bachs „Aria variata alla maniera Italiana“ (BWV 989) kontemplativ darbot. Mit seinem gewohnt kultivierten Anschlag, in kontrapunktischer Kunstfertigkeit.

Auch der Glanzpunkt des zweiten Abends ist dringend der Erwähnung wert: Das Klavierkonzert Nr. 1 e-moll op. 11 von Frédéric Chopin. Für die Sätze zwei und drei nahmen Albertina Song (20) und Si Chen (26) am Flügel Platz. Was folgte war Überwältigung. Die Koreanerin spielte das Larghetto samtweich im absoluten Einklang mit dem Orchester. Sie gab dem Satz Seele und Kraft gleichermaßen. Es war ein Prickeln und Rauschen, ein Sehnen und Hoffen – es war große Meisterschaft. Die Chinesin nahm sich des Rondo: Vivace aufgeweckt und munter an. Glitzernd das bekannte Thema daraus, dargebracht jedoch so unverbraucht wie beim ersten Hören. Chen blieb locker im Finale und ersparte sich und den Zuhörern übermäßiges Pathos.

Es ist auch Aufgabe solch eines Meisterkurses, Stärken des Einzelnen zu entwickeln. Dass in der Sommerakademie ohne Ellenbogen miteinander gearbeitet wird, erkennt der Beobachter. Die Ergebnisse des Jahres 2014 waren hocherfreulich. Vom 6. bis 16. August 2015 gibt es die Fortsetzung!
11. August 2014

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben