Summa cum laude

Neujahrsempfang im Kreativen Speicher mit Dank, Bilanz und Ausblick

„Das freut und rührt mich“, zeigte sich Johannes Vogt-Krause, der Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Kunst im Kreativen Speicher, angetan, als ihm der Grußwortredner Professor Hans-Helmut Decker-Voigt gemeinsam mit dem Publikum das Prädikat „Summa cum laude“ – das höchste, das für (wissenschaftliche) Arbeit zu vergeben ist – verlieh. Und Decker-Voigt musste es wissen, war er doch seit der Taufe dieses Kindes „Neues Schauspielhaus“, das einst Reinhard Schamuhn  mit Jens Kunze gezeugt hatten, anwesend und auf Beobachterposten.

Prof. Hans-Helmut Decker-Voigt

Er hat gesehen, wie eine „Ein-Mann-Show“ sich zur „Gemeinschaftsarbeit“ auswuchs, wie es Vogt-Krause in seinem Resümee nannte, und: dass Reinhard Schamuhn dieses Mal nicht Recht behalten hatte, als er äußerte: „Wenn ich sterbe, dann war`s das.“

Er konnte da nichts vom Enthusiasmus, der Energie und dem erheblichen Willen zur Selbstausbeutung auch nur ahnen, womit diejenigen begabt sind, die nun schon im siebten Jahr (Schamuhn starb am 1. Juli 2013) dieses schiefe, kleine Häuslein an Uelzens Stadtmauer als wahrhaft Kreativen Speicher erhalten und mit Leben füllen. Denn die Kleinkunst, die hier allwöchentlich stattfindet, ist wahrhaft große Darbietung. Ob nun in der Sparte Rezitation, Theater, Kabarett  oder Musik.

Martin Peters mit Kasperle

Und so war die Hütte brechend voll zum Neujahrsempfang und es gab viele gute Wünsche. Ein sehr aufgewecktes Publikum freute sich über den Erfolg, zu dem die meisten beitrugen, und den Vogt-Krause „überraschend und erfreulich“ nannte.

Im Jahr 2019 standen 60 Veranstaltungen auf dem Spielplan, zu denen 3712 Besucher strömten. Das entspricht einer Auslastung von 58 Prozent. Im Vergleich zu den Jahren 2013/18 stieg diese damit um elf Prozent! Die Mitgliederzahl wuchs von 36 auf 102.

Take Three

Es fehle ein Aspekt von Bildung und Menschenbildung ohne Theater und Konzert, zeigte sich der Vorsitzende überzeugt, als er den Kreativen Speicher als „erfolgreichen Bestandteil des großen Kulturangebots dieses Landkreises“ ausmachte. Neben den Publikumsmagneten bekommen hier auch Künstlerinnen und Künstler ein Forum, die ihre Laufbahn gerade beginnen oder noch unbekannt sind. „Wir können Risiken aushalten, Neues ausprobieren und trotzdem gut schlafen, wenn das Haus mal nicht ausgebucht ist“, versicherte Vogt-Krause, der allen Sponsoren zu danken nicht vergaß.

Musikalisch wurde der Empfang begleitet von „Take Three“; Luise Epler, Florian Semmler und Jakob Krauß, die an Saxofon und Posaune musikalisch vielversprechend unterwegs waren. Mit einem Gefühl für Rhythmus, dem richtigen Timbre und manch aufregender Phrasierung boten sie den passenden Klang zum Anlass.

Mr. Mortimer

Zudem erwies sich Mr. Mortimer, der britische Butler mit reizendem Akzent und dem einen oder anderen Spaß, der trotz Brexits noch gute Laune hatte, als Bereicherung des Vormittags. Es gab nach den Reden manch Glas und ein Büffet und - die Ehrenmitgliedschaft für Hans-Joachim Lepel. Der, das wissen die Theaterbesucher längst, produziert zu allen Vorstellungen kongeniale Fotos. Er habe sein Familienleben umgestellt, um samstags immer anwesend zu sein, versicherte der so Geehrte. Und: „Im Fernsehen kommt ja sowieso nichts!“ Das kann man sofort unterschreiben. Die Wochenenden an Uelzens Rosenmauer sind live und fast frei von Wiederholungen, und ihr Niveau schlägt sowieso jeden TV-Sender!

Johannes Vogt-Krause (li.) überreicht die Ehrenmitgliedschaftsurkunde an Hans-Joachim Lepel (re.).

„Sie haben mehr erreicht als mancher Politiker in dieser Stadt“, stellte Renate Barthel, die Vorsitzende des Seniorenausschusses, in ihrer unnachahmliche Art den Machern in diesem „Verein zur Förderung von Kunst“ das gute Zeugnis aus. Noch so eine Wahrheit, die unwidersprochen bleiben kann.

 

 

 

Barbara Kaiser – 13. Januar 2020

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