Stadt, Land, Fluss…

Hanna Malzahn aus Hamburg stellt bis 5. Juni 2017 in der Propsteihalle des Klosters Ebstorf aus

Äbtissin Erika Krüger weiß immer so Treffliches zu sagen über die Ausstellungen, die in ihrem Hause gezeigt werden. So auch zur Vernissage über die Arbeiten von Hanna Malzahn aus Hamburg: Sie gehe ganz allein am Morgen vor der Eröffnung durch den Raum, erzählte Krüger, und habe dieses Mal das Gefühl gehabt, sich in Traumlandschaften zu befinden.
Zudem sei ihr aufgefallen, dass es keine Menschen, keine Tiere gibt. „Aber“, so Krüger weiter, „ich habe auch keine vermisst, weil in den Bildern so viel Leben ist, weil man sicher sein kann, dort wohnen Menschen, da leben Tiere.“

Damit hat die Äbtissin ohne Zweifel Recht. Unter dem Titel „So fern … so nah“ bietet die Hamburger Künstlerin bunte Baukastenstädte, mal mehr oder weniger verrätselt, immer aus der Fantasie geschöpft, obwohl der Betrachter Details sehr wohl wiedererkennt. Meist ist es Architektur aus der Hansestadt, manchmal aus New York; es gibt aber auch Hinweise auf den Orient und Russisches.

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Fotos: Barbara Kaiser

Hanna Malzahn wurde 1953 geboren und studierte an der Fachhochschule für Gestaltung Hamburg. Sie kommt vom Zeichnerischen her, was man merkt, hat jahrelang unterrichtet in den Fächern Mode und Textildesign. Erst im Jahr 2009 gründete sie ihr eigenes Atelier und malte drauf los. Es mache ihr so eine Freude, bekennt sie, die mit Acryl-, Tempera- oder Ölfarben ihre Bilder erschafft, die sie Collagen nennt. Weil hin und wieder ein kleines Objekt als Foto eingeklebt wird. „Man soll es aber auf den ersten Blick nicht sehen“, möchte sie, „es soll nicht wie draufgeklebt aussehen.“ Die Malerin wünschte sich, dass der Betrachter „drei Mal gucken muss“. Eben weil  Collagen eigentlich falsche Bilder aus echten Details sind – so wie die Erinnerungen zum Beispiel.

Ebstorf Ausstellung Hanna Malzahn Porträt1_beDie verschiedenen Formate sind mit den Jahren abstrakter geworden, die anfangs strengen Konturen haben sich aufgelöst. Bei manchen Bildern denkt man an Feininger – auch wenn Künstler es meist nicht leiden können, wenn man sie mit jemandem vergleicht. Aber Hanna Malzahn bekennt, den Deutsch-Amerikaner Lyonel Feininger zu mögen, und vielleicht sucht sie sich ja irgendwann auch einmal – wie er – die Motive im Weimarer Land?

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So reist der Besucher im Kloster durch die farbenfrohen Angebote, die sehr dekorativ sind. Sie sind Kunststückchen und ein Stück Leben gleichermaßen, hypnotische Farbräume auf dem sicheren Grund handwerklichen Könnens.
Die Art der Künstler die Welt anzusehen ist, neben der Bereicherung, zugleich eine Art Zumutung, weil die Kunst aus einer eigenen Sprache schöpft, die man lesen können muss. Allzu große Anstrengung verlangt Hanna Malzahn den Ausstellungsbesuchern dabei aber nicht ab. Kann sich einer an diesem expressiven Realismus erfreuen, legt ein anderer vielleicht eigene Gefühle und Gedanken in diese vitalen Improvisationen.

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Beispielweise glaube ich, auf „Orient und Okzident“ ein großes Hoteltor im Arabischen wiederzuerkennen - und im Hintergrund klingt dazu leise Goethes Vers über das Ginkgo-Blatt: „Fühlst du nicht an meinen Liedern, daß ich eins und doppelt bin?“
An anderer Stelle hängen in einer Reihung drei kleine Formate: „Kloster“, „Villa Kunterbunt“ und „Russische Kirche“. Fröhliche Zwiebeltürme, bunt, aber dennoch nicht schreiend, satt leuchtend wie Kirchenfenster. Déjà-vu aus Moskau!

Ebstorf Ausstellung Hanna Malzahn Eingänge_be

Solch schöne Emotionen vermögen die Bilder auszulösen. Sie entführen in eine Welt, die wir zu kennen glauben, obwohl es die Vermischungen, die Hanna Malzahn auf den Leinwänden anbietet, in der Realität so nicht gibt.
Geöffnet ist die Ausstellung bis 5. Juni 2017, dienstags bis samstags, 10 bis 17 Uhr, und sonntags, 14 bis 17 Uhr.
Barbara Kaiser – 9. April 2017

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