Sonnenwirbel und Sternenstaub

Bilder von Sita Hamann sind im Kloster Ebstorf bis 12. Juni 2016 ausgestellt

„Gehören Sie zu den Menschen, die gerne in den Himmel schauen?“, fragte Äbtissin Erika Krüger die Besucher der Vernissage. Sie jedenfalls gestand das Vermögen, sich manchmal in ein Wolkenschiff zu denken, und die Fantasie, über den vermeintlichen Mann im Mond nachzusinnen. Der, wie wir ja seit der Operette von Paul Lincke wissen, eine Frau Luna ist!

ebstorf_sita_hamann_3

Äbtissin Erika Krüger bei ihrer Vernissagerede.

Damit war die Rednerin, die einmal mehr die richtigen Worte fand, sofort beim Thema der Bilder, die Sita Hamann noch bis zum 12. Juni 2016 im Kloster Ebstorf ausstellt.
Es seien welche, so Krüger, in denen sie sich wiederfände, deren Farbspiele, Intensität und Kontraste zum Immer-wieder-hinschauen aufforderten.

ebstorf_sita_hamann_5

Die Malerin Sita Hamann.

Sita Hamann lebt in Melbeck. Sie ist Gebrauchsgrafikerin; diese alte Berufsbezeichnung trägt noch den Wortteil in sich, auf den es ankam: Gebraucht werden. Ihre Arbeit musste  Zusammenhänge auf den Punkt gebracht ausdrücken und für etwas nützlich sein. Heute heißt das Designer und manchmal fragt man sich schon, was uns ein Werbespot sagen will….
Sita Hamann sagt zudem, sie konnte auch Komplexeres in zwei Sätzen formulieren, weshalb sie daneben Werbetexterin war.

ebstorf_sita_hamann_2

"Eiche im Jenischpark"

Mit ihren jetzigen Bildern hat diese kühl-berufliche Überlegung absolut nichts zu tun. Die seien „eine Befreiung aus der Enge der Grafik“. Seit 2006 stellt die Malerin aus. Es sind Arbeiten, die über die Faszination Licht erzählen, die Unendlichkeit des Weltalls preisen, sich selbst jedoch als Teil dieses großen Ganzen begreifen.
Hamann steht vor der Leinwand und wartet auf Impulse, erklärt sie. „Ich lasse mich führen“, oft auch von Musik, die immer aus sphärischen Klängen besteht. Aber Stephen Hawking hatte ja herausgefunden, dass das All sehr wohl Geräusche macht.

ebstorf_sita_hamann_1

"Fly over Nebula"

So heißen die Bilder „Sonnenpower“, „Galaxie Milchstraße“, „Pferd und Meer“ oder „Himmelstanz“. Manche von ihnen erscheinen zu statisch für die ungeheuren Kräfte, die dort draußen wirken. Die schönsten allerdings sind zuckende Farbenenergie, orgiastische Sprühnebel. Sie sind kein Fabulieren, keine Illustration, die etwas erzählen würde; keine Handlung, sondern instinktbetonte Abstraktion. Eine eindrucksvolle farbliche Instrumentierung und ein Schwung, der zu tönen scheint. Goethe: „Die Sonne tönt nach alter Weise/ In Brudersphären Wettgesang,/ Und ihre vorgeschriebne Reise/ Vollendet sich mit Donnergang…“

ebstorf_sita_hamann

"Galaxie Milchstraße"

Die großformatigen Arbeiten scheinen auch Protokoll eines Befindens. Manchmal vermitteln sie Ruhe und Harmonie, dann wieder Kälte und Schrecken. Es gibt keine Linienführung, nur eine ausgewogene Verteilung der Farben. Hier werden Naturschauspiele – die wir nur erahnen können – in Farbklängen entäußert und reflektieren gleichzeitig eigene seelische Spannungen.
Die Malerin erschafft Bilder, die in unseren, dem Mythos entfremdeten Zeiten, träumen machen. Und schwingen und fliegen und Unendlichkeit ahnen lassen.
Barbara Kaiser – 29. April 2016

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben