Sechs Künstler – eine Ausstellung

„Abendgalerie“ in der Woltersburger Mühle am Wochenende des 1. und 2. Advent

Er verstehe nichts von Kunst, kokettierte Gerard Minnaard in seinen Vernissage-Eröffnungsworten mit der eigenen Unfähigkeit, Kunst einordnen und beschreiben zu können. Er sei jedoch davon überzeugt, so der Redner weiter, dass „wir Ästhetik und Kunst brauchen.“

Mit derlei Selbstverpflichtung gibt es an der Woltersburger Mühle zum ersten und zweiten Advent, jeweils freitags, samstags und sonntags von 16 bis 20 Uhr, die Abendgalerie. Beim Schoppen Wein und Fingerfood ins Fachsimpeln geraten vor den Kunstwerken, die den Raum füllen und sich auf kongeniale Weise gegenseitig inspirieren.

Gerard Minnard eröffnet

Sechs Künstlerinnen und Künstler konnte Minnaard dafür gewinnen; nicht alle sind unbekannt im Landkreis. Der Besucher wandelt zwischen Zwei- und Dreidimensionalem, zwischen raumgreifenden Skulpturen (auch auf dem Freigelände), kleinen Bronzen und farbenfrohen Papierarbeiten.

Klaus und Monika Müller-Klug

Das Ehepaar Monika und Klaus Müller-Klug stellte vor über zehn Jahren auf Einladung des Kunstvereins Uelzen im Atrium des Rathauses aus. Schon damals waren die Arbeiten von Klaus Müller-Klug kompakte Eruptionen vitaler Energie, die Löcher rissen in die Routine des Denkens, stellten sich die Kompositionen von Monika Müller-Klug dagegen der Tatsache, dass der Mensch ein Zwitter ist. Einer aus Erwartung und Enttäuschung, Resignation und  neuer Hoffnung.

 

Beider Arbeiten ist eigen, dass sie bar jeder Geschwätzigkeit sind. Sie betonen die Einfachheit durch Harmonie. Und doch kommt es zu keinem Kniefall vor der Widerspruchslosigkeit. Die kleinen Bronzen von Klaus Müller-Klug sind so kraftvoll wie fragil. Vor den größeren Skulpturen seiner Frau, die Materialien verbinden, die scheinbar nicht zusammengehören, steht man fragend. Aber, so das Credo der Künstlerin: Es ist nicht, wie es ist, es könnte auch anders sein. Und das darf man getrost auch auf gesellschaftliche Tendenzen anwenden!

Die dritte Bildhauerin im Bunde ist Gisela Milsé, die sehr unterschiedliche Dimensionen in ihrem Schaffen beherrscht. Elegante kleine Bronzen stehen in der Vitrine, große Arbeiten aus Stein frei im Raum und auf dem Gelände. Die Titel „Begegnung“, „Windsbraut“, „Feuerwesen“ oder „Wegweisende Flamme“ könnten Geschichten erzählen von harmonischer Zweisamkeit, aber auch Konflikten.

Gisela Milsé

Mit Mischtechnik arbeitet Regine Tarara auf Papier. Ihre bevorzugten Landschaften sind die der Elbtalauen, von Heide und Moor, die die Malerin schön findet. „Es geht immer um Stimmungen“, sagt sie. Und: „Ich vertraue auf die Kraft der Farben.“ Diese Überlegung geht offenbar auf. Gerard Minnaard nannte die Bilder „wunderschön, intensiv und reduziert“.

Regine Tarara

Ebenfalls der Landschaft widmet sich Ute Fleming. Ihre Bilder bestechen durch Wirkung, sind  auch ein Ausprobieren, die Natur ins Atelier zu holen. Mit einem sicheren Gefühl für Farbe und Komposition laden sie zur Identifikation ein. „Ginsterheide“ etwa brennt in Gelb.

Ute Fleming

Wiedererkennungswert haben die Arbeiten von Irmhild Schwarz immer. Puristisch vielleicht, obwohl die Künstlerin selbstverständlich alle Einflüsse, die sie für nötig und nützlich hält, in ihre Kunst integriert. Auch Irmhild Schwarz erzählt. Sie widmet sich den Märchen. Ihre Kunst in der Kiste nennt sie „aus der Asservatenkammer der Brüder Grimm“; sie ist ein Sammelsurium. Bei „Tischlein deck dich“ fehlt natürlich die hinterhältige Ziege nicht! Arbeiten auf Papier heißen „10 mal 10“, wozu man in Gedanken „Zentimeter“ fügen muss. Kleine Bilder, sehr filigran, klar strukturiert, ein bisschen verrückt manchmal…

Irmhild Schwarz

Es ist eine sehr sehenswerte Ausstellung geworden, der zahlreiche Besucher und Käufer zu wünschen sind. Denn wie formulierte es Gerard Minnaard – auch wir als Publikum müssten investieren in eine Umgebung mit Kunst und Kultur.

Barbara Kaiser – 01. Dezember 2018

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