Schöne, bunte Welt

Ausstellung in der Propsteihalle mit Bildern von Volker Winter

Die Propsteihalle im Kloster Ebstorf ist als Ausstellungsort für Künstler aus der Region und dem Umland begehrt, und Äbtissin Erika Krüger beweist immer ein sicheres Händchen, welche Bilder dort zu noch besserer Wirkung gelangen.
Bis zum 10. Juni 2019 sind jetzt an diesem Ort die Arbeiten von Volker Winter zu sehen. Ihre Sujets bieten sich zum Osterspaziergang regelrecht an. Landschaften, Blumen, informelle Farbkompositionen.

Volker Winter kam zur Malerei nach seiner Pensionierung im Jahr 2004. Geboren wurde der Freizeitmaler 1944 in Lüneburg. Er studierte Jura in Freiburg und Münster, fand nach Referendariat und zweitem Staatsexamen seine Aufgaben beim Bundesgrenzschutz (höherer Dienst). Neben seiner Malerei suchte er in einem Studium generale für Literatur- und Kunstgeschichte und Geschichte eine weitere neue Herausforderung. Winter lebt in Reinfeld.

"Watt Sylt"

Für seine Landschaftsbilder findet der 75-Jährige die Anregungen vor allem in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. „Am Jasmunder Bodden“ oder „Achterwasser Darß“ lauten die Titel der Bilder genauso wie „Watt Sylt“, „Prerow“, „Poel“ oder „Mond über der Nordsee“.
Erinnert wird der Betrachter der Bilder an die Werke des Ebstorfer Künstlers Klas Tilly: Die strengen, auch geometrischen Formen, die keine lieblich fließenden Linien kennen, eine appellative Signalhaftigkeit besitzen – und doch eine Stimmung vermitteln auch durch die Vielfalt der formalen Einfälle. Hier ergeben einzelne Farbflächen ein Bild, laden zur Kontemplation ein.
Meine Lieblingsansichten auf den ersten Blick: „Achterwasser Darß“ oder „Watt Sylt“! Hier wurden Landschaften kantig streng vermessen, und trotzdem fühlt man sich in ihnen wohl. Das sind die besten, die gelungensten Arbeiten der Ausstellung.

„Achterwasser Darß“

 

"Zinnien"

Die abstrakten Farbkompositionen von Volker Winter sind expressive Darstellungen verschiedener Lebenssituationen oder innerer Zustände. Winter liebt dabei die unmittelbare Pinselführung, verzichtet auf Details, intensiviert lieber farblich. Die fünf „Impromtu“ – ein Begriff eher aus der Musik, wo es für `aus dem Stehgreif` oder `musikalische Überraschung` steht – besitzen Charme und Poesie. Der Betrachter darf bevorzugt an Franz Schubert denken!

"Impromptu"

Die Malgründe von Volker Winter variieren. Ausgebracht werden Farben vor allem auf Leinwände, aber auch auf Pappe, Holz und Hartfaser. Der Farbauftrag erfolgt mal dick pastos (Blumenbilder), mal hauchzart. Auch die ungegenständlichen Malereien haben stets Titel, was eine eventuelle Identifizierung durchaus erleichtert. So muss die „Überraschung“ unbedingt eine positive sein, die „Widerstreitenden Gefühle“ dagegen kämpfen eher mit dunklen Dämonen.

"Überraschung"

Man sollte die gezeigten Bilder nicht zum Dekorationsvehikel erniedrigen – vor allem die eingangs beschriebenen Landschaftsbilder sind viel mehr; sie geben Raum für Fantasie, Erlebtes, auch Beglückendes.
Die Ausstellung ist bis zum 10. Juni 2019 geöffnet. Von dienstags bis samstags, 10 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Bei freiem Eintritt erwartet die Propsteihalle des Klosters Ebstorf die Besucher.
Barbara Kaiser – 17. April 2019

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben