Schlussspurt

Sommerakademie biegt mit erstem Abschlusskonzert im Kloster Medingen auf die Zielgerade ein

Ist es schon wieder fast vorbei? Die 10. Internationale Sommerakademie Geschichte? Das erste Abschlusskonzert, das traditionell in der Klosterkirche Medingen stattfindet, brachte fast drei Stunden Musik; zwischen Mozart, Bach und Beethoven, Haydn, Schumann, Brahms und Chopin. Nein, keine Moderne, leider. Es war der Abend der Solisten.

Er freue sich „über das Interesse an unserer Akademie“, begrüßte der Vereinsvorsitzende, Dr. Theodor Elster, die Gäste und bedankte sich dieses Mal besonders bei der Klosterkammer Hannover – dessen Präsident Hans-Christian Biallas sich extra nach Medingen bemüht hatte -, dem Konvent und Altäbtissin Monika von Kleist für die Gastfreundschaft in den Räumlichkeiten des altehrwürdigen Hauses.
Die neueste Fassung von Benedict Masons „Jubiläumstagebuch“ hatte da schon seine Aufführung hinter sich. An diesem Abend nach Reggae klingend, verlässlich mit Metronomen und Klanghölzern. Aber eine Erkennungsmelodie wird daraus nicht mehr, eher ein spaßiges Experiment. Vielleicht auch der Versuch, wie weit man die Zuhörer auf die Probe stellen kann.

Dann ging es schwungvoll los: Joseph Haydn, Violoncellokonzert C-Dur. Für die Sätze Moderato, Adagio und Allegro molto waren Hadas Caspi (19, Israel), Maksim Fedcenko (20, Deutschland) und Yu-Tung Huang (Taiwan), die an diesem Tag 20 Jahre alt wurde, verantwortlich. Die musizierten mit sattem Sound und in größtmöglicher Lässigkeit, die emotionale Reißkraft dieser Musik auskostend. Das Adagio mit herber Liebenswürdigkeit, das Orchester – seit Jahren verlässlicher Partner das Kammerorchester „Wratislavia“ aus Wrocław - klar und kräftig formulierend.

Hadas Caspi.                         Fotos: Barbara Kaiser

Maksim Fedcenko

Dann der Klavier-Solo-Abschnitt: Seunghwan Kim (Südkorea) spielte Johann Sebastian Bachs Toccata e-moll BWV 914. Die Toccata – diese italienische Cembalomusik, die der Komponist systematisch in eigenen Werken reflektierte, aus improvisierten Läufen eine organisierte Form schuf. Die 23-Jährige agierte mit Genauigkeit, aber ohne Pedanterie, die abschließende schöne Fuge sehr aufmerksam aushörend.

Der erst 14-jährige Marcus Kuhlmann (China) wagte sich ans Allegro con brio aus Ludwig van Beethovens Sonate C-Dur op. 2,3. Er wusste seinen Part durchaus meisterlich, unbekümmert und mutig zu nehmen. Fröhlich und direkt.
Aus Robert Schumanns „Waldszenen“ op. 82 interpretierte Daisy Sun (17, China) der „Vogel als Prophet“ und „Jagdlied“. Diese neun Charakterstücke aus dem Jahr 1848/49 sind gerade für den „Vogel“ ein Prüfstein des pianistischen Anschlags. Die Chinesin spielte diese Musik mit ihren Sehnsüchten und Ahnungen, die einhüllt und die Seele mitschwingen lässt. Beim „Jagdlied“ war dann der Hörnerschall unüberhörbar!

Ke Ma kommt ebenfalls aus China, ist aber bereits 25 Jahre alt. Frédéric Chopins Prélude cis-moll op. 45 entwickelte sie aus der fließenden Figur, ohne Eile und überflüssige Effekte, mit einem zerbrechlichen, zärtlichen Beben.
Vor der Pause noch Johannes Brahms` „Phantasien“ op. 116, die Stücke 6 und 7. Séverine Kim aus Südkorea (25) fand den passenden präzisen Lakonismus, sind es doch „Monologe eines Einsamen“, wie die Musikliteratur meinte.

Nach der Pause zwei Mal Mozart, von dem Tschaikowski sicher war, dass er „ein höchster Gipfelpunkt“ sei. Für dessen Klavierkonzert d-moll KV 466 standen Anastasia Magamedova (21, Russland) und Norina Hirschi (16, Schweiz) am Start. Feurig, federnd und elegant mit einer tadellosen Kadenz die Russin im Allegro, gänzlich unantiquiert und aufreizend unsentimental (wobei das „Romance“ einen Metronomschlag mehr vertragen hätte) die junge Schweizerin.

Anastasia Magamedova

Es folgte das Violinkonzert A-Dur KV 219. Die Sätze Allegro aperto, Adagio und Rondeau: Tempo di Minuetto strichen Heonji Kang (24, Südkorea), Valentine Blangé (20, Niederlande) und Magdalena Turek (20, Polen). Wahrscheinlich sind die letzten beiden die heimlichen Favoriten der Streicher, hatte Blangé doch zwei Tage zuvor im Tanejew-Quintett geglänzt, und Turek war beim Abendvorspiel in Holdenstedt mit Sarasate umjubelt worden.

Magdalena Turek

Es wurde insgesamt farbenreich und der genauen Charakteristik der Sätze entsprechend agiert. Mit energetischem Vorwärtsdrängen, aber ohne Hetze. Mit einem am Herzen ziehende Adagio und einem Rondeau zum Niederknien. Wobei die drei Solistinnen es auch schafften, das wie immer etwas robuste Kammerorchester zu bändigen.

Dank an Jerome Lowenthal.

Ein Abend zum Freuen also, an dem 13 der 38 jungen Menschen aus zwölf Nationen den Auftakt gaben für den Abgesang der 10. Sommerakademie; der schillernde Momente hatte und die Kunst des verfliegenden Augenblicks – die Musik – ins wunderbarste Licht zu rücken wusste.
Barbara Kaiser – 13. Juli 2019

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