Schlussakkorde

Neunte internationale Sommerakademie mit zweitem Abschlusskonzert beendet

Die Schlussakkorde des letzten Abends der neunten internationalen Sommerakademie waren welche in G-Dur. Einer Tonart, die für festlich, hell und freundlich steht. Das Klavierkonzert Nr. 4 op. 58 Ludwig van Beethovens steht in G-Dur – es konnte keinen optimistischeren und schöneren Ausklang dieser zehn Tage voller Musik geben. Tage, in denen die rund 30 jungen Instrumentalisten und ihre Dozenten ihr Publikum freigiebig teilhaben ließen an all den Noten zwischen Bach, Rachmaninow, Ravel, Cage und Rzewski.

Nun ist es vorbei. Die zehnte Sommerakademie wird vom 8. bis 18. August 2019 stattfinden. Bis dahin verbleibt eine lange Zeit zu resümieren. Für die Ausgabe 2018 bedankte sich Dr. Theodor Elster im Namen des Trägervereins bei allen, die zum Gelingen beigetragen hatten: Bei den Sponsoren und Spendern, dem Publikum, den Organisatoren, Helfern und Taxifahrern, den Studierenden und Dozenten. Ja, sogar bei der Presse! „Bleiben Sie uns gewogen“, bat Elster, „und herzlichen Dank für Ihre Treue!“ Denn: „Ohne Sie alle könnte es die Akademie nicht geben.“

Dank an die Dozenten. Fotos: Barbara Kaiser

Das Konzert war eine wohltemperierte Mischung von Noten für die Streicher und Pianisten. Die ersten Töne hatte Friederike Seeßelberg (24/Deutschland) mit dem Violoncellokonzert Nr. 2 D-Dur von Joseph Haydn für sich. Sie spielte, unterstützt vom Kammerorchester „Wratislavia“ Wrocław, den ersten Satz. Schön in Szene gesetzt, korrespondierte Seeßelberg zudem mit dem Konzertmeister Jan Stanienda für eine zügige, flüssige Vorstellung. Ein rechter Auftakt.

Tara McCarthy (25/Irland) und Mei-Han Chen (25/Taiwan) stellten sich mit dem Violakonzert D-Dur von Franz Anton Hoffmeister, einem Pflichtstück für alle Bratscher, vor. Hoffmeister, ein persönlicher Freund Mozarts, schuf gehobene, kunstvolle Unterhaltungsmusik der „galanten“ Epoche des Rokoko und man fragte sich spätestens beim Adagio, warum man ihn nicht öfter hört.

Danach saßen Jennifer Halim (25/Indonesien), Knut Hanßen (25/Deutschland) und Chiara Martina Rubino (16/Deutschland) am Flügel. Halim hielt vor allem die Fuge aus Bachs Präludium und Fuge Cis-Dur BWV 872 durchsichtig. Hanßen stellte eine wunderbare Ondine vors Ohr der Zuhörer. Ravels „Gaspards de la nuit“ fehlen selten, aber dieser Wassernixe, in dieser Interpretation, schenkte man das Herz sofort. Hanßen machte das Wasser hörbar, wie es perlte, sprudelte, schäumte. Dazwischen das arme unglückliche Wesen….

Chiara Rubino ist Wiederholungsgast bei der Sommerakademie und hat an Selbstbewusstsein gewonnen. Ihr dritter Satz aus Mozarts Sonate D-Dur KV 311 war ein brillantes Rondo allegro, das die junge Frau leichtfüßig und lässig – nie aber nachlässig – zu spielen verstand.

Chiara Martina Rubino.

Als Beschreiber von Musik hat man es ja nicht so leicht – an diesem Abend jedoch kam man schon in die Versuchung, den Gebrauch der Superlative überzustrapazieren. Alle Solisten boten ein Spiel voller Impulsivität und musikantischer Lust, immer mit dem Gefühl für den Schwung ihrer jeweiligen Partitur. Nie machte sich das unbehagliche Gefühl von Glätte und Unverbindlichkeit beim Zuhörer breit.

So interpretierte Colton Peltier (23/USA) beispielsweise den ersten Satz Allegro agitato aus der Sonate Nr. 2 b-moll von Sergej Rachmaninow: Uneitel und doch hochvirtuos, handwerklich geerdet, aber nie akademisch, sondern lebhaft, farbig, plastisch. Ein wahrer Glanzpunkt war der Auftritt von Hanna Vogel (21/Deutschland). Ihr Programm: Aus den drei Phantasiestücke op. 73 von Robert Schumann die Nr. 1 + 3. Vogel strich das Violoncello, Henning Vauth begleitete. Was für ein Ton! Bei aller Beherrschung der Facetten – Klang, Technik, Ausdruck – des konzertanten Solospiels, bündelte sie die Kräfte dieser Musik so, dass der Funke übersprang. Mit Vauth verstand sie sich offenbar auf derselben Wellenlänge.

Hanna Vogel und Henning Vauth.

Am Ende, wie bereits gesagt, Beethovens viertes Klavierkonzert. Für die Soloparts zeichneten Quanlin Wang (18/China), Anastasiya Magamedova (20/Tadshikistan) und Miyako Arishima (26/Japan) verantwortlich. Wang schwelgte in den Noten und rekrutierte die musikalische Wucht nicht aus Phonstärke, sondern aus Musikalität und Intensität des Spiels.

Anastasiya Magamedova.

Magamedova fiel der undankbare, weil sehr kurze zweite Satz zu. Aber wie die Solistin diese Zwiesprache zwischen Orchester und Klavier – düstere Streicher, insistierende Helle in den Tasten - darbot, das ließ das Stück, das viele nur als Intermezzo sehen, zum Kunstwerk erstehen. Sogar das Kammerorchester warf sich dieser Solistin zu Füßen und war zart wie nie!
Arishima übergangslos mit dem fröhlichen Rondo, der angemessene Abschluss des Konzertabends.

Übergabe der Teilnehmerurkunden.

Schluss. Aus. Fine. Die neunte Sommerakademie ist Geschichte. Es waren wieder aufregende, Kenntnis erweiternde Auftritte dabei. Dafür sei allen Instrumentalisten herzlich gedankt.
Barbara Kaiser – 16. Juli 2018

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