Reinstklang

„Consonanz à 4“ zu Gast im 2. St.-Marien-Sommerkonzert

Es ging vorrangig andante zu im 2. Sommerkonzert in St. Marien, und wer dabei nicht aus höchster Drehzahl des Alltags zur Ruhe fand, war selber schuld. Zu Gast das Vokalquartett „Consonanz à 4“. Wiltrud de Vries (Sopran), Annette Gutjahr (Mezzo), Bernhard Scheffel (Tenor) und Allan Parkes (Bass) stellten ihr Konzert unter das Motto „Da Pacem“, also die alte Bitte von „Verleih uns Frieden gnädiglich“; dieses Jahrtausende alte Gebet, den immer ungehört verhallende Schrei, sich doch endlich menschlich, friedvoll zu begegnen. Aber ein Gott – welcher auch immer – hat bis dato nicht geholfen dabei, der Fürbitten kann`s also nicht genug sein.

Man könnte den Namen der vier Gäste auch grammatikalisch abhandeln: Consonanz. Ein Konsonant ist im Gegensatz zum Vokal nicht selbst klingend, obgleich es stimmhafte und stimmlose Konsonanten gibt, con = mit, sonare = tönen,  „Mit-Laut“. In der Musik aber bedeutet es „harmonisch zusammenklingend“. Und das stellte „Consonanz à 4“ unter Beweis. Diszipliniert, tröstend, beruhigend, manchmal sinnlich.

Es erklangen Partituren unter anderem von Arvo Pärt (*1935), Sir Hubert Parry (1848-1918), Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901) und Hugo Wolf (1860-1903). Aber auch von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Franz Liszt und Igor Strawinsky. Und Elmar Lehnen (*1965) komponierte sogar zwei Stücke für die Sängerinnen und Sänger, die aus Nordirland, Ostfriesland, der Moorlandschaft um Worpswede und von der schwäbischen Alp zusammen gefunden haben.

Bernhard Scheffel

Zugegeben, es war auch Geschmackssache, aber nach dem Corona bedingten Entzug jeglicher kulturellen Liveerlebnisse ist man ja bereit, sich allen Künstlern zu Füßen zu werfen. Außerdem wird viel zu oft nur Gefälliges in die Konzertsäle geschickt.

Wiltrud de Vries

Das Quartett trat stimmgewaltig, modulationsfähig und  -freudig auf. Hier wurde ohne Pathos aber mit Empathie gesungen, und wenn sich der Sopran manchmal über die anderen Stimmlagen schwang, ohne sie jedoch zu dominieren oder gar zu schrillen, waren das die glücklichsten Momente des Konzerts.

Annette Gutjahr

Sehr textverständlich war das Ganze nicht (jedenfalls nicht in der letzten Reihe), aber das Thema stand ja im Titel. Eigentlich musste man sich nur auf die musikalischen Wogen legen und im Cluster der vier Stimmen mitschwimmen, sich hingeben.

Allan Parkes

Hier geschah Eleganz der Melodiebildung und sahen die Akteure Musizieren als Pflicht und Verantwortung, nicht als Selbstdarstellung. So war die Schlichtheit der Darbietung eine Chance für das jeweilige Werk, sich selbst zu offenbaren. Unaufgeregt und schön.

Am kommenden Samstag ist im 3. Sommerkonzert das Ensemble „10forBrass“ zu Gast, das schon zehn Jahre alt wird. Ich meine, mich noch an dessen „konstituierende Sitzung“, das Premierenkonzert in Wichmannsburg zu erinnern… Also: Samstag, 25. Juli 2020, 16.45 Uhr, in St. Marien.

Barbara Kaiser – 20. Juli 2020

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