Reden wir doch mal über Fußball …

Eine stille Betrachtung über die Rasenball-Millionen

Was andere Ligen schon lange eingesehen haben, dauert bei Fußballspielern offenbar länger. So haben die Eishockey-Spieler, die Volleyballer und die Handball-Bundeliga ohne großes Wehklagen, dafür aber mit einem Sinn für die Realität, die Saison abgebrochen, weil sie nicht der Illusion erliegen, es könnte in den nächsten Wochen so etwas wie Normalität Raum greifen. Und weil sie ohne ihre Fans nicht spielen mögen, sich ihnen verbunden fühlen und eine leere Halle frustrierte.

Nur die Fußballer – und da geht hier die Rede über die Kicker, denen finanzielle Nöte absolut fremd sind, nur weil sie mit einer Lederkugel zu jonglieren in der Lage sind – wollen es erzwingen. Seltsamerweise unterstützt durch Politiker wie etwa Gesundheitsminister Spahn, assistiert von Sachsens Ministerpräsident Kretzschmer („Geisterspiele sind besser als nichts!“). Bayerns Regierungschef Söder und NRW-Ministerpräsident Laschet klatschten Beifall und begrüßten die Aktion vor leeren Stadion als „ein Stück Normalität“. Sie meinten damit wohl die Rotation der Geldströme in diesem Geschäft.

Nachdenkliche Stimmen, die dem Sport auch noch eine gewisse Verantwortung zuschreiben, sind da eher selten. So sagte der Präsident des FC Augsburg: „Wenn ich lese, dass Fußballvereine, die ein paar hundert Millionen Umsatz machen, ihre Geschäftsstellenmitarbeiter in Kurzarbeit schicken, fühle ich mich wie im falschen Film.“ Recht hat der Mann, denn Kurzarbeitergeld bezahlen wir alle mit.
So weigerten sich die Spieler des FC Uerdingen (3. Liga) lange, auf Gehalt zu verzichten. Dann wurde Kurzarbeitergeld beantragt. Auch für den Sportdirektor, der Stefan Effenberg heißt. Der bei den Bayern eigentlich genug Reichtum angehäuft haben müsste, um Steuergelder nicht in Anspruch nehmen zu müssen!

 Hier sind keine Millionen im Spiel . Fotos: Barbara Kaiser

Woher nehmen manche eigentlich den Optimismus, dass es nach Corona anders würde, wo auch in diesen Krisenzeiten jeder sich selbst der nächste ist. Das gilt für Fußballvereine und für Europa gleichermaßen.
Überhaupt fällt doch auf, wie schnell alle – auch diejenigen, die es nicht nötig hätten – nach dem Staat schreien! Werden die, sobald sie wieder Gewinn scheffeln und Profit maximieren, den auch mit der Allgemeinheit teilen? Könnte nicht ein gewisser Torwart der 1. Liga, der in den nächsten fünf Jahren 100 Millionen pro Jahr „verdienen“ wird, einem kleinen Fünftligisten aus Thüringen, von dem ich neulich im Fernsehen hörte, die Finanzlücke von lächerlichen 50 000 Euro schließen helfen?

Was werden die Fußballmillionäre gedacht haben, als jetzt ein Brief, eine Erklärung der „Fanszenen Deutschlands“, in der sich 70 Ultragruppen versammeln, die Runde machte, wo gefordert wird, auf den Wiederstart der 1. und 2. Ligen ohne Publikum am 9. Mai zu verzichten. Die Fanorganisation „Unsere Kurve“ zog nach und benannte die Idealisierung der „Möglichkeit, Millionen Fans wieder etwas mehr Lebensfreude zu geben“ (Dortmunds Geschäftsführer Watzke) als das, was es ist: Augenwischerei und Profitgier.

Aber welch ein Glück: Die Wortmeldungen entfachten eine Diskussion, die der Profifußball ganz und gar ungern führt, nämlich die ums liebe Geld.
Die Fans schrieben von „36 Konzernen“, die sich Sonderkonditionen wünschen, um auch in diesen Zeiten so viel Geld wie möglich abzuschöpfen. Sie beklagen ein „System, in das in den letzten Jahren Geldsummen jenseits der Vorstellungskraft vieler Menschen geflossen sind“, die es aber anscheinend trotzdem nicht robust und krisenfest werden ließ.
Für den Anfang zur Besserung sei „eine Vereinbarung über die gerechte Verteilung von Fernsehgeldern innerhalb der Spielklassen und im gesamten Ligensystem“ ein wichtiger Schritt, sagen die Leute, denen der Sport am Herzen liegt.

Ferien-Fußball-Camp des FCC Jena.

Dem ganzen Wahnsinn die Krone setzte nämlich noch diese Nachricht auf, dass die Fußballer, wenn sie denn am 9. Mai wieder beginnen sollten mit dem Spiel, alle drei Tage auf Corona getestet werden sollen. Wenn das keine Verschwendung von Ressourcen und eine unzulässige Bevorzugung einer selbst ernannten Elite ist! Um jeden Preis soll hier etwas zu Ende gebracht werden, das schon viele Jahre kein Sport mehr ist, sondern ein hochkommerzialisiertes Geschäftsmodell.

Da kämpfen so Viele ums finanzielle Überleben: Kleine Kneipen, Familienhotels, Geschäfte, Handwerksbetriebe und andere Dienstleister, von den zahlreichen Künstlern und Kreativen nicht zu reden. Während sich diese Ballsportler, die kaum einen Satz mit Nebensatz korrekt zu Ende formulieren können oder in vorgeformten Stanzen reden, ihre Millionen zählen und nicht zu teilen bereit sind. Es ist von Hoffnung die Rede, es könnte sich etwas ändern nach der Krise. Na gut - wie heißt der dumme Spruch: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Erfüllt hat sie sich am Ende nie.
Barbara Kaiser – 22. April 2020

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