Nachgerufen….

Zum Tode des „Adventstrompeters“ Horst Schulz

Vor ziemlich genau zehn Jahren, in der Adventszeit 2007, erschien dieser unten stehende Text schon einmal. Zum Lobe des Mannes, auf den zu der Zeit allabendlich die halbe Stadt hörte. Jetzt ist der Trompeter Horst Schulz tot. Gestorben mit gerade einmal 61 Jahren.

Auch wenn ich ihn nicht näher gekannt habe, hat mich sein Tod erschüttert. Weil es nicht so viele Menschen gibt, die über viele Jahre verlässlich mit ihrem Tun verbunden bleiben werden. Horst Schulz bleibt für mich auf immer – obwohl ich ihn auch in der Bigband habe spielen hören - mit den zauberhaft schwebenden Klängen aus dem Dachgestühl des Alten Rathauses verbunden. Von wo aus er (später aus dem Töbing-Haus) viele Jahre lang zwischen dem 1. und 24. Dezember für Vorfreude und Einstimmung gesorgt hat:

„Auf  Horst Schulz hört derzeit die halbe Stadt. Das muss ein Gefühl sein! Der 51-Jährige ist derjenige, der allabendlich mit seiner Trompete die Stimmung illuminiert, in der drei Engel erscheinen, die dann professionell und absolut schwindelfrei das nächste Türchen am Adventskalender öffnen. Von oben schweben die weihnachtlichen Töne, die Schulz aus dem Repertoire von 50 Liedern auswählt. Seit sechs Jahren ist er jetzt schon der Himmelstrompeter, es sei denn, Roland Martin oder Dirk Schulz (nicht mit ihm verwandt) vertreten ihn mal, wenn er Urlaub macht oder krank sein sollte.

„Also ein bisschen vorher kribbelt es schon“, sagt der Musiker, ehe er seine Luke öffnet. Hunderte Augenpaare richten sich dann auf ihn, auch wenn er von unten kaum zu erkennen ist. - Mit elf Jahren begann der Schüler den Trompetenunterricht. Eigentlich wollte er Horn spielen, aber in dem Alter bestimmen meist noch andere über einen. In Grabau geboren, in Oldenstadt zur Schule gegangen, wohnt der Fernmeldehandwerker jetzt in Uelzen. Fühlt sich aber als Oldenstädter, als Verwurzelter in der Gründungsgeschichte der Stadt also.

Foto: Barbara Kaiser

Nach seiner Freizeit muss man Horst Schulz nicht fragen, erfährt man, wo er sich überall musikalisch betätigt. Diese Aufzählung hat imponierende Länge: Bei den Lenz-Musikanten spielt er Böhmische Blasmusik – herrlich. In der Bigband Bad Bevensen unter der bewährten Leitung von Matthias Torp Swing – ein Hoch auf Glenn Miller. In der Suhlendorfer Feuerwehrkapelle und  dem Oldenstädter Blasorchester der Schützengilde Märsche – für Stimmung beim Feiern und den richtigen Tritt beim Marschieren. Und im Blechbläserensemble der Musikschule auch Klassik. Was für ein Spektrum.

Wie feiert so einer, der jeden Tag die Vorfreude der Leute auf die Weihnachtsfeiertage ein bisschen mehr schürt, selber das Fest? „Wie früher“, ist die schlichte Antwort. Mit den Eltern geht er zur Kirche, dann gibt es Kartoffelsalat mit Würstchen (und bestimmt auch die Geschenke). Danach macht sich Horst Schulz auf den Weg zum Fliegerhorst Faßberg. Dort spielt er mit einem Kumpel seit 23 Jahren an der Hauptwache der Kaserne für die Soldaten, die Weihnachten nicht bei ihrer Familie sein können. Manchmal laufen da dem einen oder anderen schon die Tränen, hat er beobachtet. Weil Musik  eben immer ans Herz rührt. Und die von Horst Schulz gehört, wie sie da vom Himmel schwebt, inzwischen in der Ulenköperstadt zur Weihnachtsvorbereitung wie…. Ach, wie auch immer. (bk - 2007)“

In ein paar Wochen, zehn Jahre später, wird so mancher an Horst Schulz denken vor dem Kalender am Rathaus. Wird die Stadt wieder jemanden finden, der so verlässlich da ist an 24 Tagen in der Adventszeit? – Horst Schulz könnte nun – weil schwer vorstellbar ist, dass er seine Trompete aus der Hand legte – mit den Engeln spielen. Die musizieren, so sagt man, vorm lieben Gott Bach, wenn sie unter sich sind aber Mozart. Horst Schulz ist da in jedem Falle flexibel! Er wird uns fehlen.
Barbara Kaiser – 22. August 2017

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