Mit Leidenschaft und Hingabe

Lauren Francis und Franz Garlik waren als „Voice Passion“ in Bad Bevensen zu Gast

Es ist zwar Passionszeit, aber für Enthaltsamkeit und Leiden stehen diese beiden Stimmen ganz und gar nicht. Hier trifft „die Passion“ eher die Bedeutung von Leidenschaft, Hingabe, Liebhaberei. Lauren Francis und Franz Garlik nennen sich als Gesangsduo „Voice Passion“ und waren das erste Mal in Bad Bevensen zu Gast. Man sollte sie wieder einladen!

Er: Als Tenor in den Höhen offen glänzend, in den Tiefen anrührend mit einem Timbre, das fest steht und sich satt und samtig einschmeichelt. Sie: Eine Sopranistin, die nie schrillt im Diskant, die switcht zwischen dramatischer Opern-Stimme und Crossover-Gesang von schöner Lässigkeit. Beide markant und sicher, zur Klarheit und Haltbarkeit der Vokalität gesellt sich Sinnlichkeit. Und Textverständlichkeit sowieso.

Den Auftakt machte Franz Garlik mit einem Knaller – ach was, dem Knaller - der Opernliteratur: An Giacomo Puccinis Arie „Nessun dorma“ („Keiner schlafe“) aus „Turandot“ wagen sich inzwischen alle, die meinen, sich in die Nähe des hohen C irgendwie schrauben zu können. Notfalls wird forciert, was das Zeug hält oder gleich mal tiefer transponiert, wenn es an die Offenbarung der Höhe geht.

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Fotos: Barbara Kaiser

Nicht so bei Franz Garlik. Der stellt sich seinem staunenden Publikum – denn wer sänge so ein Lied schon zum Auftakt, wenn die Stimme noch nicht ganz wach ist? – als Prinz Kalaf vor, der keine Wünsche offen lässt. Nur, dass man so viel Strahlkraft und Glitzern in der Stimme ein schöneres Ambiente als das Kurparkzelt gewünscht hätte. (Noch ein Jahr bis zum neuen Kurhaus!)

Lauren Francis schließt mit Toscas Gebet an, weil Puccini nun mal der Komponist der beeindruckendsten Arien bleibt. Und weil aller guten Dinge drei sind, noch das Liebesduett aus „La Bohéme“: „Wie eiskalt ist dies Händchen“. Da war es aber den Zuschauern schon lange warm geworden vor Entzücken angesichts dieses jungen Sängerpaares.

bevensen-voice-passion4Der Szenenwechsel zum Musical folgte unmittelbar und wieder einmal wurde offenbar, dass diese Lieder - etwa aus dem „Phantom der Oper“ oder „Elisabeth“ - durchaus neben den schwierigen Opernpartien musikalisch bestehen können und mit einer richtigen Stimme statt eines Stimmchens ausgefüllt, sagenhafte Wirkung zu machen in der Lage sind.

bevensen-voice-passion3An der Moderation sollten die zwei Künstler noch arbeiten, denn die vielen eh-Wortfindungsfüller sind unnötig. Lauren Francis moderiert mit dem zauberhaften Akzent der anglophilen Muttersprachlerin. Aber so viele Reden sind am Ende gar nicht nötig, weil der Gesang des Duos und die Musik immer und sehr überzeugend für sich sprachen.

Am Schluss outet sich das Paar als seit 17 Jahren miteinander verheiratet und hat Cole Porters „Kiss me Kate“ im Programm. Sie wissen schon, nach Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“. Im Musical behauptet der Streit der Liebenden „Alles was du kannst, das kann ich viel besser“. Natürlich kriegen sie sich letztlich trotzdem.

bevensen-voice-passion1Die Zugabenrufe blieben nicht unerhört und Franz Garlik durfte nun daran erinnern, dass er eigentlich einmal als Trompeter angefangen hat. Die Ode an „Granada“ meisterte er als Instrumentalist und Sänger. Summe: „Voice Passion“ ist ein sympathisches Künstlerpaar, das seine Leidenschaft für die Musik, die Stimme lebt. Ohne jeden Zweifel zur Freude seines Publikums.

Barbara Kaiser - 30. März 2015

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