Mit humorigem Holzhammer

Drei Stunden Jörg Knör im Kurpark-Zelt: Mit Charme, Witz und vielen Talenten

War es nur so ein Gefühl? Oder kam Jörg Knör, der Mann mit dem Namen des einsilbigen Doppel-Umlaut-Desasters, beim Gastspiel in den beiden Jahren zuvor souveräner daher? Markanter, pfiffiger, intelligenter?  Nun, das mag im Ohr des Zuhörers bleiben.

Gut unterhalten durfte sich das Publikum auch an diesem 2014er Abend fühlen. Das Multitalent nannte das Programm „Was für ein Jahr!“, ein Jahresrückblick. Drei Stunden lang, in denen Knör parliert mit einer Mischung aus Leidenschaft und Sarkasmus und am Ende erschöpft, aber zufrieden vor seinen Zuhörern steht, die ihn dafür feiern.

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Fotos: Barbara Kaiser

Auch wenn Jörg Knörs Humor manchmal nur für ein laut Schenkel klopfendes Lachen gut war. Hin und wieder zauberte er auch ein leises, in sich hinein glucksendes Lächeln hervor. Ein Erkenntnis bringendes, ganz persönliches. Auf gar keinen Fall solle man unter seinem Niveau lachen, dieses Versprechen gab der Mann auf der Bühne gleich zu Beginn.

Der Witz ist immer noch die souveränste Ausdrucksform von Hilflosigkeit. Vielleicht boomen deshalb diese Veranstaltungen einer Lach- und Spaßgesellschaft immer mehr. Knör gehört dahinein nicht zwingend, denn er schaltet sein Gehirn nicht aus, wenn er redet.
Das bewies er mit großer Kondition, musikalischem und imitatorischem Talent, einer gewissen Fertigkeit mit dem Zeichenstift sogar (auch wenn er dieses Talent diesmal leider vernachlässigte) und einer sympathischen Portion Selbstironie. Mit dem Publikum war er auf  Du und Du. Meist nicht so, dass sich einer bloßgestellt fühlen müsste.

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Da steht einer auf der Bühne: Sieht er nicht ein bisschen aus wie George Clooney? Für den bräuchte er keine Maske. Für den müsste er nicht das Chamäleon sein, das er im letzten Jahr zu seinem Werbemarkenzeichen erkor. Für all die anderen – und nach Aussagen des 55-Jährigen sind es 112 Personen, die er zu imitieren in der Lage ist – benötigt er vielleicht mal einen Hut, eine Brille oder – eine Zigarette. Dramaturgisch begründet versteht sich, denn Helmut Schmidt ist nicht ohne Glimmstängel zu denken.

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Knör will Unterhalter sein, nicht ausschließlich Possenreißer. Er bekennt sich zu seinem Vorbild Loriot und als Reich-Ranicki ist er umwerfend und unschlagbar.
So erinnert er sich an diesem Abend auch an frühere Besuche in Bad Bevensen, das er penetrant hartnäckig „Bevénsen“ nennt, kennt noch das Eichhörnchen Hans-Hermann im Kurpark und wollte unbedingt im Zelt und nicht „in der Lindenstraße“ spielen (für Auswärtige: Das Theater an der Lindenstraße im Ort!). Er arbeitet sich durch das Jahr 2014: Das Tor des Jahres, der Geburtstag des Jahres, Pechvogel und Gewinner des Jahres,  Hit, Abzocker und Fashion Trend.

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So einen Abend kann man nicht nacherzählen, weil der dabei Schaden nähme. Aber Jörg Knör langweilt seine Zuhörer nicht mit lärmenden Possen, auch wenn er ihnen das gibt, worauf jedes Publikum versessen ist: Gewissheiten. Wenn er über Schröder und Putin herzieht beispielsweise. Manchmal denunziert er auch, aber das ist zu verschmerzen.
Seine Interpretation des Hits „How do you do“ inklusive Ermahnung zu „mehr kollektivem Selbstbewusstsein“, das dann auf die Melodie wie „Wir sind das Volk“ klingt, gehören zur sanften Subversion des Auftritts, nicht zur krachenden Komik: „Bevor wir zu Zuschauern der Demokratie verkümmern.“ Recht hat er!

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Dass er mit Angela Merkel Geburtstag hat, verkündet Knör mit einem gewissen Stolz. Kann er, denn er ist fünf Jahre jünger und sieht obendrein besser aus. Der Schwenk zum stummen Telefonat mit dem US-amerikanischen Amtsbruder – „Obama hört nur zu“ – sollte uns das Lachen im Halse verrecken und an Edward Snowden denken lassen. Und sein „Tatenlos an der Macht“, auf die Melodie von Helene Fischers „Atemlos durch die Nacht“ passt auf Merkel allemal trefflich.
Sogar wann der Berliner Flughafen endlich eröffnet wird, erfuhren die Gäste an diesem Abend: Am 4. Januar 2027. Oder am 3. Januar, so genau will sich da keiner festlegen. Im Guinessbuch der Rekorde steht das Bauwerk schon: Als leisester Flughafen der Welt.

Natürlich geht es in drei Stunden Jörg Knör meist um die Bestätigung der eigenen Überzeugungen, nie um Verstörung. Dafür hätten wir das politische Kabarett, dem die Original-Politik aber längst den Rang abgelaufen hat. Die Bühne ersparte den Psychiater, war sich der große Dieter Hildebrandt sicher. So ein Zuhöre-Abend bei Jörg Knör kann zu derlei Alternativen durchaus auch einiges beitragen.
Barbara Kaiser – 7. Dezember 2014

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