Mit gewisser Monotonie …

Streicher der Hamburger Camerata gastierten im Symphonischen Ring

Nach der Chaconne d-moll aus der Partita Nr. 2 (BWV 1004), die Joanna Kamenarski, Konzertmeisterin und Soloviolinistin der Hamburger Camerata, spielte, war mein Geduldsfaden dann doch gerissen, meine Langmut am Ende. Deshalb kann das hier nur eine Besprechung von rund 60 Prozent des Konzerts sein.

Dabei ist gerade das Werk die bekannteste aller Chaconnen für Violine solo, ein großes Virtuosenstück mit zahlreichen Doppel-, Tripel- und Quadrupelgriffen, die sich in strahlendes D-Dur verwandeln und für die letzten Variationen wieder zur Ausgangstonart d-moll zurückkehren. Aber vielleicht mochte ich mich nicht mit dem Instrument Joanna Kamenarskis anfreunden, das sehr herb klang, oder mir fehlte in ihrem Vortrag, der immerhin fast 20 Minuten währte, die Innigkeit, die Verve dieses Meisterwerks.

Fotos: Barbara Kaiser

Die Saison des Kulturkreises ist fast vorbei, Ende März wird das Theater an der Ilmenau für die Sanierung geschlossen. Da hielt ich es für angebracht, das vorletzte Konzert des Symphonischen Rings zu besuchen. Zugegeben, auch das Programm sprach mich an, auf dem Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen standen, die für Klavier gebräuchlicher sind denn für ein Streicherensemble. Als Gegenstück hatten die Hamburger Gäste Alberto Ginastera (1916 bis 1983), den südamerikanischen Komponisten ausgesucht. Das klang spannend!

Die Goldberg-Variationen: Dazu hält sich hartnäckig die Anekdote, dass Bach die Aria mit ihren 30 verschiedenen Veränderungen für den russischen Gesandten am Dresdner Hof, den mit der Familie Bach befreundeten Grafen Hermann Carl von Keyserlingk, verfasst hätte, um dem durch seine schlaflosen Nächte zu helfen. Der in seinen Diensten stehende Cembalist Johann Gottlieb Goldberg, ein hochbegabter Schüler Bachs, sollte dem Grafen daraus vorspielen.

Solistin Joanna Kamenarska

Ein Schlafmittel also sollte es sein. Und so begann die Hamburger Camerata ihren Auftritt mit der Aria auch. Bleiern, zäh und so langsam, dass es fragmentiert erschien. Etwas luftiger und liebenswerter wurde es mit der Variation Nr. 9, denn das Ensemble hatte sich als Dramaturgie ausgedacht, die verschiedenen Stücke zu schütteln und zu rühren und in eine völlig andere Reihenfolge zu setzen. Dazwischen Musik von Ginastera, das Scherzo Fantastico aus dem Konzert für Streicher op. 33 beispielsweise taugte nicht zum Einschlafen, sondern eher zum Weinen.

Der Abend war eine recht eintönige – nicht einförmig, schließlich war es Bach! – Angelegenheit. Immer die gleiche überdeutliche Intonation auf eins, ziemlich routiniert heruntergespielt. Es gab kaum einen Spannungsbogen, der aufgenommen und weitergesponnen werden konnte. Einmal war das Bachsche Fughetta wahre Wohltat!

Um nicht missverstanden zu werden: Die Hamburger Musiker beherrschten das Zusammenspiel in Übereinstimmung und mit großem Können, trotzdem umwehte den Abend eine gewisse Kühle und Gleichgültigkeit. Es ging nicht viel ins Publikum an Energie, Neugier, Inspiration oder Amüsement. Das ist insgesamt sehr zu bedauern.
Barbara Kaiser – 17. Februar 2020

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