„Man muss kulturverrückt sein!“

Der Kulturpreis des Landkreises 2018/19 geht an Birgit Alpers-Meyer

Lässt sich ein Mensch auf den Punkt bringen? Bei Birgit Alpers-Meyer lohnt der Versuch, denn bei ihr fällt einem - nach vielen Jahren der Beobachtung - ein, dass sie dienen kann. Das können nicht mehr viele. Sie ist voller „tätiger Hingabe“, wie es Albert Schweitzer einmal nannte. Oder: Für sie ist Arbeit „der Umweg zu allen Genüssen“, der Ansicht war Willy Brandt. Für diese große Arbeit in Sachen Kultur, die immer eine ehrenamtliche (nur für eine geringe Aufwandsentschädigung) war, erhielt Alpers-Meyer jetzt den Kulturpreis des Landkreises Uelzen 2018/19.

Ihre Dankesrede begann die so Geehrte selbstironisch, wobei ihr eine gewisse Aufregung anzumerken war: Alle wüssten zwar, dass sie viel reden kann, aber eine Rede zu halten, sei eben doch etwas anderes, sagte sie. Aber wie sie für alle eingeladenen Gäste dann einen sehr persönlichen und dankbaren Satz fand – auch das macht die 66-Jährige aus Stadensen aus. Sie verteilt die Ehre auf viele Schultern. Auch wenn sie so manche Last durchaus ganz alleine und sehr geduldig trug. Ein besonderer Dank galt ihrem „lieben Rolf für die Geduld und Toleranz“, der es als Ehemann ganz bestimmt nicht immer einfach hat.

Birgit Alpers-Meyer.       Fotos: Barbara Kaiser

Birgit Alpers-Meyer kam früh in der Familie in die Nähe und zum Engagement für Kultur. Prägende Vertrautheiten entstehen nun einmal in der Kindheit, aussuchen kann sich die niemand. Es ist ein Glücksfall, dass Alpers-Meyer diese frühen Erfahrungen stets nutzte, ausbaute und zu unser aller Nutzen kultivierte. Sie war geschäftsführend in der Musikschule tätig, eine sehr feste Größe in ihrem Leben war die St. Marien-Kantorei, bis heute singt sie im Kammerchor Uelzen. Sie half, die Bläserklassen des Herzog-Ernst-Gymnasiums zu etablieren, die eine Erfolgsgeschichte für sich sind, und sie rackert sich für den Kulturkreis ab, zuständig für Symphonischen Ring und Kammermusik.

Gratulation durch Samtgemeindebürgermeister Peter Ramünke.

„Mit Leidenschaft und Sachverstand“, wie Landrat Dr. Heiko Blume und alle anderen Laudatoren nicht müde wurden zu betonen, arbeite sie! Unaufgeregt, bodenständig, ohne Selbstdarstellertum. (Wobei sie sich wahrscheinlich durchaus bewusst ist, dass von so manchem Lobredner von heute, morgen wieder hämisches Schweigen oder offene Missachtung kommen kann.)
Gegen einen um sich greifenden sozialen Autismus, der in dieser momentfixierten Erfolgsgesellschaft mehr und mehr um sich zu greifen scheint, setzt Birgit Alpers-Meyer einen aufopferungsvollen Einsatz, der zu bewundern ist.

Verleihung des Kultupreises durch Landrat Dr. Heiko Blume.

„Beim Tanz ums Goldene Kalb haben wir die Gesetzestafeln verloren“, sagte der langjährige CSU-Vorsitzende Heiner Geißler einmal, als er über das Miteinander in dieser Gesellschaft sinnierte. Kunst und Kultur können dieses Miteinander bessern, Verstehen befördern. Birgit Alpers-Meyer arbeitet unermüdlich dafür.

Im Jahr 2010 begann die nächste Herausforderung mit der Internationalen Sommerakademie der Lüneburger Heide, die Sohn und Pianist Hinrich ins Leben zu rufen gewillt war. Ein Festival, Klaviermeisterklassen - fernab der Großstädte, quasi in der Diaspora. Ohne seine Mutter und deren Unterstützung wäre Hinrich Alpers wahrscheinlich auf diese Idee gar nicht gekommen, denn sein Leben findet auf den Konzertpodien der Welt und in Berlin statt. Für die Sommerakademie jedoch wusste er hier in der Heide seine Mutter als sehr verlässlichen Vorposten, und der Erfolg ließ auch die Skeptiker des Beginns verstummen.

Dank im Namen des Vorstand der Sommerakademie durch Dr. Theo Elster.

Ich habe Hinrich Alpers vorab gefragt, was er an seiner Mutter schätze. Die Antwort spricht für sich: „Ich bin natürlich mordsmäßig voreingenommen, was meine eigene Mutter angeht - insofern schreibe ich auch nicht als Privatmann, sondern ich sage, dass bei all dem, was sie kulturell mit auf die Beine stellte, es mir immer großen Eindruck machte. Wie sie zwar mit vollem Einsatz und unermüdlich vorne mit am Steuer stand, aber trotzdem in erster Linie das Gelingen und die Qualität der Sache im Blick hatte. Nie denkt sie dabei zuerst an sich selbst oder betrachtet sich gar als unentbehrlich. Und das ist meiner Meinung nach eine der besten Tugenden, die einem in der ehrenamtlichen Kultur innewohnen kann.“

Die Familie.

Kunst, die nur noch konsumiert wird, irritiert nicht, öffnet keine Horizonte. Mögen die künstlerischen Akteure, die uns Zuhörern neben Altvertrautem auch neue Erfahrungen bringen, andere sein – ohne die logistische Unterstützung und die dafür nötige Gelassenheit der zahlreichen Begleiter im Hintergrund, kämen sie alle seltener auf die Bühnen. Und für diese Nerven aufreibende Arbeit gibt es dann wenigstens auch Preise. Den ihren darf Birgit Alpers-Meyer als den Applaus nehmen, den sie verdient! Herzlichen Glückwunsch.
Barbara Kaiser – 11. Dezember 2018

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