Märchenhaftes

PHILharmonischesTRIO zelebrierte „Die Schöne und das Ungeheuer“ in einer Veranstaltung des Bad Bevenser Kulturvereins

Vor 14 Jahren gründete sich in Hamburg das PHILharmonischeTRIO, bestehend aus Sigrun Witt (Flöte/Gesang), Yasuko Oshikawa (Klavier) und Mario Goldmann (Sprecher). Wenn Künstler sich neben ihrer sonstigen Tätigkeit und aus großen Ensembles „ausgründen“, so tun sie das meist aus Freude und der Versuchung heraus, noch einmal etwas anderes auszuprobieren. Das Credo dieser Drei scheint zu sein, ihr Publikum zu entführen in zauberhaftere Welten.

Ins Theater an der Lindenstraße waren die Hamburger Gäste mit einer eigenen Fassung nach dem französischen Märchen „La belle et la béte“ - Die Schöne und das Biest oder das Ungeheurer - eingeladen. Mario Goldmann übersetzte das in seinem Libretto allerdings mit „das Tier“, was der Intention von Schein und Sein, von beängstigendem Äußeren, aber schöner Seele, weniger entspricht. Dazu gab es Noten von Maurice Ravel, George Bizet, Jule Massenet.

maerchenhaftes3„Die Schöne war die schönste von den drei Schwestern…. und sie war nicht nur schön, sondern auch tugendhaft“, begann die Geschichte, die wir alle kennen. Das Märchen von der Macht der Liebe, von Verlässlichkeit und Belohnung des Beharrens.

Mario Goldmanns Text war an manchen Stellen ein wenig schwülstig, was durch die Pantomime von Sigrun Witt nur unterstrichen wurde. Das Trio agierte in einem Bühnenbild, das von drei Längsfahnen mit roter Rose und zwei Kandelabern dominiert wurde.

maerchenhaftes2Sigrun Witt als Flötistin und mit einem schönen Mezzo begabt, war das Kraftzentrum der Aufführung und hätte die stille gestische Kommentierung des Textes nicht nötig gehabt. Das Mikrofon übrigens auch nicht. Ihre Singstimme ist zwar nicht groß, jedoch wohltimbriert, voller Klarheit, Haltbarkeit und rein in den Spitzentönen. Als Flötistin ersparte sie ihren Zuhörern jeglichen schrillen Ton.
Am Klavier absolvierte Yasuko Oshikawa zuverlässig ihren Part, man hätte sich und ihr ein Quäntchen mehr an Ausdruck und Empathie gewünscht. – Mario Goldmanns Stimme ist die eines Märchenerzählers, die die Zuhörer mühelos in eine andere Welt zu entführen vermag. Schade blieb, dass die Liedtexte französisch waren. Vielleicht, weil jede Übersetzung ihre Banalität enthüllte?

maerchenhaftesIm Theater saß ein kleines, aber dankbares Publikum, das vor allem die Gesangsdarbietungen zu würdigen wusste. Es waren 90 Minuten bis zum Happyend. Schwingend, schwebend, manchmal mit einem Zuviel an Melodramatik. Vielleicht wäre eine freche Brechung oder ein Augenzwinkern nicht schlecht gewesen, das hätte dem Ganzen die am Ende doch recht klebrige Süße entzogen. Aber: Es war einmal ein ganz anderer Theaterabend, der am Ende immer Geschmackssache bleibt.

Barbara Kaiser - 10. März 2015

2 Antworten

  1. Dem Grundtenor ist Barbara Kaiser zuzustimmen. Das Wagnis des Kulturvereins Bad Bevensen, sich ein gänzlich anderes Format zu erschließen, ist vom Publikum durchaus gelobt worden. In Zeiten wie diesen braucht es hin und wieder die Transformation ins Mörchenhafte...
  2. Hier eine Auswahl der Komponisten aus: „Die Schöne und das Ungeheuer“, deren Textautoren Frau Kaiser in Ihrer Kritik mit den Worten bedachte: „ (...) Schade blieb, dass die Liedtexte französisch waren. Vielleicht, weil jede Übersetzung ihre Banalität enthüllte?“ Maurice Ravel: ‚Ma Mère l’Oye’ nach Charles Perrault (1628-1703). Er wurde vor allem durch seine Märchensammlung Contes de Fées berühmt und hat das Genre in Frankreich und damit in ganz Europa popularisiert. Georges Bizet: ‚Chanson d’Avril’ Louis Bouilhet (1821-1869) Jules Massenet: ‚Ouvre tes Yeux’ Paul Robiquet (1848-1928) Unter den Textautoren französischer Melodien finden sich Paul Verlaine und Victor Hugo ebenso wie Marcel Proust und andere der Weltliteratur.

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