Kunstreich ungekünstelt

„Voktett“ aus Hannover beeindruckte Zuhörer im Ratssaal

Mendelssohns Vertonung „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ aus dem Psalm 91 war der richtige Rausschmeißer, denn es heißt im Text weiter „…befohlen über dich, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“ Heimwegen also auch. Der lange, freundliche Beifall des großen Publikums jedoch bat um eine Zugabe, die die jungen Sängerinnen und Sänger gerne gewährten.

Das Vokal-Ensemble „Voktett“ aus Hannover war im Ratssaal Uelzen zu Gast und ließ keine Wünsche offen, was diese Art des Gesangs angeht.
Gegründet im Jahr 2012 von Studenten der Hochschule für Musik, Theater und Medien erhielt die Vereinigung beim Niedersächsischen Chorwettbewerb das Prädikat „Mit hervorragendem Erfolg“ teilgenommen, was wiederum für den Deutschen Chorwettbewerb 2018 in Freiburg qualifizierte. Der fand um Himmelfahrt herum statt und bescherte dem erfolgreichen Achter einen ersten Preis und zwei Sonderpreise, inklusive CD-Aufnahme.

Fotonachweis: ©Barbara Kaiser

Mit derlei Vorschusslorbeeren bedacht und angekündigt, mussten die Maßstäbe sehr hoch hängen, die das gemischt-doppelchörig besetzte Ensemble zu erfüllen gezwungen war. Der Wunsch, herausragende Werke der Vokalmusik auf hohem Niveau zu durchdringen und darzubieten und einem breiten Publikum den Zugang zu solchen musikalischen Ereignissen zu ermöglichen, genügt dafür nicht. Kunst kommt immer noch von Können - hier brauchte es solides Handwerk, große Musikalität und stimmliche Standfestigkeit.

Die acht Vokalisten hatten in den Rathaussaal ihr aktuelles Programm „Illuminare“ mitgebracht. Unter diesem Titel – illuminare = erleuchten, auch glänzen - stellte „Voktett“ Chorwerke aus sechs Jahrhunderten vor, die vom Licht in seinen verschiedensten Formen erzählten. Geistliche Musik von Johannes Brahms, Knut Nystedt, Felix Mendelssohn und Heinrich Schütz zeigte die Sehnsucht der Menschen nach dem rettenden Licht aus der Dunkelheit ihrer Tage. Die weltlichen Chorwerke von Claudio Monteverdi, Jean Sibelius und Gustav Mahler beschrieben in ihren Melodien und Klängen die strahlende Schönheit der Geliebten.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Gäste erfüllten die Erwartungen in vollem Umfang. Sie stellten dem Publikum ein farben- und facettenreiches Konzert vor, das keine gesangliche Schwäche kannte. Eine lupenreine Intonation, lebendige Gestaltung, textliche Verständlichkeit, akkurate und saubere Abschlüsse und Einsätze, die traumwandlerisch sicher waren, machten diese 90 Minuten zum exquisiten Hörerlebnis. Im Piano unwiderstehlich, im Forte triumphal, wohl timbriert und angemessen jubelnd.

Natürlich waren die Noten zwischen Renaissance, Barock und Romantik Schöngesang. Umso mehr ließ „O Crux“ von Knut Nystedt (1915 bis 2014) aufhorchen. Beeindruckend rein in den Dissonanzen, ein sirenenhaftes Crescendo, musikalisch die erfrischendste Entdeckung dieses Konzerts!

Vielleicht wäre ein umfangreicheres Programm von Nutzen gewesen, das auch etwas zu den Texten sagt. So konnte man als Zuhörer nur vermuten, dass Jean Sibelius` „Rakastava“ ein Liebeslied sein kann. –

Nichts desto trotz ersangen sich die Gäste aus der Landeshauptstadt sehr einleuchtend eine Vielfalt genauester Gefühlsschattierungen. Beweglich und seelenvoll; ohne jeden aseptischen Klang, sondern Wärme ausstrahlend.

Barbara Kaiser – 11. Juni 2018

 

 

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