Kultur braucht doch – jeder

Zweiter Uelzener Kulturmarkt mit reichlich Zuspruch

Es habe sehr wohl eine Vernetzung stattgefunden, antwortete Kulturmanagerin Birte Ebermann auf die Frage nach dem Erfolg des ersten Uelzener Kulturmarktes vor genau zwei Jahren. Und nein, es sei keineswegs nur ein Jahrmarkt einzelner Eitelkeiten gewesen! „Viele haben ihr Miteinander bekräftigt und auch störende Dinge ausgeräumt“, versicherte sie am Abend des zweiten Kulturmarktes. Der zwar mehr Vereine, Verbände und Institutionen summierte, aber weniger Zuschauer. Konnte man im Jahr 2015 im Ratssaal kaum treten vor Enge, querte man den Raum dieses Mal mühelos.

Trotzdem: Rund 30 Teilnehmer, Vertreter von Kultur Organisierenden und Ausübende, hatten sich versammelt, um zwei Stunden lang zu zeigen, wie groß das Uelzener Spektrum ist; und dass gerade das Immaterielle von Musik, Literatur, Bildender Kunst oder Tanz einen nicht abrechenbaren Reichtum beschert.

Ratssaal 2. Kulturmarkt Fluets&drums_bearb

Fotos: Barbara Kaiser

Der letzte Kulturfinanzbericht stellte eine Steigerung der Ausgaben um 17% auf 9,4 Milliarden Euro im Bund fest. Jeder dritte Euro der öffentlichen Kulturausgaben kommt in Deutschland Theater und Musik zugute (34,6%). Gefolgt von Museen, Sammlungen, Ausstellungen (19,5%) und Bibliotheken (14,4%).
Das Land Niedersachsen gibt für jeden seiner Bürger 69,86 Euro im Jahr aus. Das ist wenig im Vergleich zu Thüringen oder Sachsen, die 136,58 beziehungsweise 164,50 Euro ausgeben. Zumindest in Sachsen sieht es zurzeit allerdings so aus, als hülfe das, beim kulturvollen Umgang miteinander, nicht nachhaltiger als anderswo…

Fern aller Zahlenspielereien jedoch stützt sich Kultur in Uelzen aufs Ehrenamt als eine wesentliche Säule. Weshalb Bürgermeister Jürgen Markwardt nach der Cellomusik-Eröffnung durch zwei Schülerinnen der Musikschule für Stadt und Landkreis diese Menschen explizit ansprach: „Wenn wir von der Hansestadt Uelzen reden, meinen wir ja nicht die leere Hülle, die Häuser und Straßen“, sagte das Stadtoberhaupt, „sondern wir meinen die Menschen, die sie ausmachen… Alle Ehrenamtlichen sind der Schmier- und Antriebsstoff einer Gemeinschaft“, zeigte sich Markwardt überzeugt, um dann über Kultur zu reden: „Ohne Kultur wäre alles nicht lebbar, mit Kultur bekommt alles einen Geschmack, einen Geruch….“

Ratssaal 2. Kulturmarkt Eröffnung Musikschule_bearbUelzen habe sich im Rahmen vergleichbarer Kommunen an keiner Stelle zu verstecken, was sein Kulturangebot angeht, wiederholte er sein Lob von vor zwei Jahren. Recht hat er damit immer noch. „Stellen Sie fest, wie vielfältig Kultur sein kann“, forderte der Redner die Zuhörer auf. „Sie sind heute Abend alle hier: Musik, Kleinkunst, bildende Kunst, Tanz, Literatur…“

Ratssaal 2. Kulturmarkt Stadtoberhäupter_bearb
Der neueste Stand war der der „Kulturtafel“, über die Menschen, die sich keine Theater- oder Konzertkarte leisten können, eine erhalten. Es muss nachdenklich machen, wenn es in diesem reichen Land so ist, dass die Welt der Kunst und Kultur viel zu vielen verschlossen bleibt und Bücher unerschwinglich für den privaten Haushaltsetat sind.

Ratssaal 2. Kulturmarkt Trachten_bearb

Zwei Mal Tanz sollte es auf diesem zweiten Kulturmarkt(platz) geben: Die Ballettschule Karin Graf, schon lange ein Begriff vor Ort, weil die Kleinsten immer in der russischen „Nussknacker“-Aufführung mitmachen dürfen, musste ihre Darbietung aus Krankheitsgründen leider absagen. Aber „Flutes & drums“ aus Veerßen, das sinfonische Blasorchester mit einem großen Anspruch, stellte sich vor. Die Volkstanzgruppe Westerweyhe hatte an ihrem Stand eine traditionelle Hochzeitskrone mitgebracht, die Jüngsten aber waren leider zu Hause geblieben.

Ratssaal 2. Kulturmarkt Hochzeitskrone_bearb

Zwischen Museums- und Heimatverein, Bund Bildender Künstler, Neuem Schauspielhaus und Foto-Gilde, Kulturkreis, Kunstverein, Stadtbibliothek und all den anderen herrschte Einvernehmen an diesem Abend. Ob es zu weiteren Kooperationen kommt oder jeder seinen kleinen Egoismus pflegt, wird zu beobachten bleiben. Dass sich alle im Interesse einer liebens- und lebenswerten Stadt engagieren, ist dennoch unbestrittene Tatsache.
Barbara Kaiser -19. Januar 2017

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