Klavierquintett ohne Klavier

Unterricht für Amateure – auch das ist die Sommerakademie

Die Cellistin Sabine Frick hat drei Herren an ihrer Seite und auf dem Notenpult Robert Schumanns beliebtestes und häufig gespieltes Klavierquintett Es-Dur op. 44. Dass das Klavier fehlt und es eigentlich nur ein Quartett ist, geht so nur bei der Sommerakademie. Die Pianistin war plötzlich verhindert – sie darf sich ärgern, denn es war eine wunderbare Musizierstunde. Für Laien. Für Amateure. Für Dilettanten. Und dieses letzte Wort sei jetzt hier nicht so negativ besetzt wie im Alltag, sondern sage aus, was es im Lateinischen beschreibt: delectari = sich erfreuen, sich ergötzen.

Matthias Schorr spielt die Geige und kommt extra aus Hannover/Burgdorf, um hier dabei  sein zu dürfen, was er seiner langjährigen Bekanntschaft mit Dr. Theodor Elster, Landrat i.R. und Bratschist, verdankt. Rudolf Hachmann wohnt in Ebstorf und streicht ebenfalls die Geige. Er und Elster spielen im Kammerorchester Uelzen.

Das zweite Mal traf sich anlässlich der Internationalen Sommerakademie, die früher auch Juniorakademien mit Schülern der Musikschule ausrichtete, der nach Jahren Gegenpol, denn die Freizeitmusiker, die sich um Sabine Frick versammelten, sind alle Senioren. Dass hier jedoch nichts zittert und klappert bewiesen sie dem stillen Zuhörer nachdrücklich.

Geige - Matthias Schnorr

Schumanns Noten ließen schon immer einer programmatischen Idee nachspüren. So fand Tschaikowski, der Trauermarsch in Satz zwei sei „eine ganz Tragödie“. Andere sahen im Beginn des Werkes, im Allegro, Florestan und Eusebius, diese Doppelnatur zwischen ungestüm und zartbesaitet, die Schumanns Lieblingsdichter Jean Paul folge. Aber so viel Theorie war an diesem Vormittag nicht.

Geige - Rudolf Hachmann

Die Akteure hatten sich das ganze Stück, immerhin viersätzig, vorgenommen. Am Anfang klang es „gerade so, als wenn wir noch nicht in Es-Dur angekommen sind“, sagte Sabine Frick und lässt den Akkord anstimmen. Aber ganz schnell werden die Herren sicherer, kommen die Akzente selbstbewusster.

Bratsche - Theodor Elster

Man nähme ja so ungeheuer viele Anregungen  mit aus so einer Übungsstunde, bekannte Matthias Schorr, und die anderen nicken eifrig zustimmend. Es ging entspannt zu. Wenn es Sabine Frick, die ausgewiesene Musikerin und exzellente Cellospielerin nervte, merkte man davon nichts. Allzu viel Grund gab es aber auch nicht. Sie war eine geduldige Pädagogin, als sei man unter seinesgleichen ist man per du.

Cello - Sabine Frick

Bei Satz zwei, dem Trauermarsch, gewannen die Geigen und die Bratsche Höchstform. „Super!“, freute sich Sabine Frick, „das nenn ich mal eine richtige Stimmung.“ Und genauso war es auch: Ein Quartett imaginierte Sinfonisches, es schreitet und rauscht und greift – ans Herz.

Die drei Männer freuten sich, dass nicht nur jeder Ton richtig sitzt, sondern die Musik auch Gefühl transportierte. So soll es schließlich sein. Und hier wuchs dem Wort „Dilettant“ auch die italienische  Bedeutung von „dilettare“ zu;  was heißt „jemanden begeistern“. Mich als stillen Zuhörer hatte dieses Quartett, das eigentlich ein Quintett sein sollte, wirklich begeistert und angerührt!

Barbara Kaiser – 22. Juli 2020

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben