Jubel für Wolfgang

Wolfgang Knappe begann seinen Abschied von der Schule mit Konzert

Je älter einer wird, desto größer die Spanne Vergangenheit, die zu überblicken ihm gestattet ist. War er Lehrer in seiner Lebensfrist, die es beruflich auszufüllen galt, dann ist seine Vergangenheit unsere Zukunft – denn dann waren ihm Kinder anvertraut.„Die Krönung einer Schulmeisterlaufbahn“, nannte Bürgermeister Otto Lukat in Dankes- und Anerkennungsworten das Konzert, mit dem Wolfgang Knappe, Lehrer für Musik am Herzog-Ernst-Gymnasium (HEG), seinen Abschied aus 36 Jahren Schuldienst zu zelebrieren begann. Letzter Schultag wird erst im Februar sein, davor steht noch das traditionelle Weihnachtskonzert.

Rund 120 Sängerinnen und Sänger hatten sich mobilisieren lassen. Sie folgten dem Ruf ihres Chor- und Orchesterleiters, ihres Musikpädagogen. Ehemalige des HEG und des Gymnasiums Barsinghausen, wo Knappe von 1979 bis 1991 lehrte, dazu Mitglieder des  aktuellen Schulchores und des Kammerchores Uelzen, Instrumentalisten des Wolfsburger und Uelzener Kammerorchester, Vokalsolisten, Kollegen und Freunde. Ein Riesentableau auf der Bühne, das sich im Zuschauerraum wiederfand. Das Theater an der Ilmenau war nahezu ausverkauft.knappe2

Als Repertoire sollte erklingen, was Wolfgang Knappe in den Jahren seiner pädagogischen Arbeit mit seinen Schülern studiert hatte. Es waren Noten natürlich auch der Publikumswirksamkeit. Der Bogen spannte sich von Johann Sebastian Bachs „Johannes-Passion“, Wolfgang Amadeus Mozarts „Requiem“, Joseph Haydns Oratorium „Die Jahreszeiten“ über Ludwig van Beethovens vierten Satz der 9. Sinfonie d-moll bis hin zur modernen Gospelmesse von Ralf Größler (*1958).

Solch einen großen Chor, zudem zusammengewürfelt aus allen Ecken der Republik, ja aus der ganzen Welt, und ein derart großes Orchester hat Knappe nicht täglich unter seiner Stabführung. Und Anliegen eines solchen Projektes ist es ganz bestimmt – neben der Krönung des beruflichen Erfolges eines Lehrers - Verbindungen zu pflegen, Wiedersehen zu feiern, Erinnerungen an musikalische Herausforderungen zu erneuern. Deshalb muss es nicht unbedingt um künstlerische Höchstleistungen (von Laien)  gehen.knappe3

Trotzdem sind es die Zuhörer immer gewöhnt gewesen, dass in einem Konzert des HEG unter Knappes Leitung selbige nahezu selbstverständlich waren. Dass vor allem der Chor souverän agierte und schwierige Partituren meisterte. Das bleibt uneingeschränkt auch für dieses Konzert Tatsache. Der große Chor stellte sich absolut textklar und intonationssicher vor. Er betrieb nach drei Tagen Probenarbeit vokalen Höchstleistungssport. Markant und voller Strahlkraft sogar in  Beethovens Doppelfuge zu Schillers Versen „An die Freude“, mit Emphase bei den überdimensional vielen Takten des (zweigestrichenen) Partiturhöhepunkts.

Fotos: Barbara Kaiser

Fotos: Barbara Kaiser

Vom Orchester hätte man insgesamt mehr Verve erwartet. Schon in der einleitenden Johannes-Passion. Der Anfang der 9. Sinfonie durch die Celli bleibt musikalisches Desaster. Dass sich die instrumentale Seite im Laufe der Aufführung besserte, verdankt sich Knappe, der die Akteure vor sich herzutreiben schien und auch die anfangs unstrukturierten Holzbläser einfing. Geigen, Blech und die Solisten waren auf der Höhe ihrer Aufgaben.

Größte Hochachtung verdient aber insgesamt der Chor. Er beherrschte die lyrischen Linien ebenso wie die dramatischen Ausbrüche, nirgendwo fehlte es an innerer Spannung und Präzision. Vokal war dieses Abschieds-Erinnerungs-Dankeschön-Konzert mit und für Wolfgang Knappe wahrhaftiger Hör-Luxus. Langer Beifall am Schluss nach einigen Zugaben.
Barbara Kaiser, 5. Oktober 2014

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben