„In die Geschichte des Landkreises eingetragen“

10. Summer Academy of Music mit Konzert und Dankesworten beendet

„Wenn ich sie hier alle strahlen, lachen und gackern sehe, dann muss es stimmen“, antwortete Hinrich Alpers auf die Frage, ob er auch in diesem Jahr rundherum zufrieden sei. Mit der 10. Sommerakademie, bei der vieles funktioniert, weil es eine gewisse Erfahrung und Routine gibt, mit der Atmosphäre, bei der manches „ganz aufregend wie beim ersten Mal ist“. Zum Beispiel, wer kommt – wenn es denn keine Wiederholungstäter sind. Wovon es inzwischen schon zahlreiche gibt. Jetzt ist die Meisterklasse Geschichte, und 38 Studentinnen und Studenten aus zwölf Nationen reisen wieder nach Hause. Die Dozenten eilen zum nächsten Kurs oder in den Urlaub.

„Die Akademie hat sich in die Geschichte des Landkreises eingeschrieben“, zeigte sich Dr. Theodor Elster, erster Vorsitzender des Vereins Sommerakademie, überzeugt, als er Alpers dankte. Und den vielen Helfern, dem Publikum – ohne das es die Konzerte so nicht gäbe -, dem Fotografen Hans Lepel, dessen Fotos der jeweils vorangegangenen Akademie das Langhaus seit drei Jahren schmücken, und Birgit Alpers-Meyer, die alle Fäden jenseits der Musik in der Hand hält.

Fotos: Barbara Kaiser

Der letzte Abend gehörte vor dem Büfett natürlich der Musik und begann mit einer letzten Fassung von Benedict Masons „Jubilee Diary“. Wieder eine verrückte Angelegenheit mit ganz vielen musikalischen Zitaten und Mitwirkenden, von denen die jüngsten fünf waren!

Jannik Truong und Chong Wang

Der Konzertabend bewegte sich meist auf bekannten Wegen: Joseph Haydn, Violoncellokonzert D-Dur, Johann Sebastian Bach, französische Suite G-Dur oder Noten aus dem „Wohltemperierten Klavier“.
Aufhorchen ließ Knut Hansen (26, Deutschland), der sich Paul-Hindemith-Noten aufs Pult legte; in den „ruhig bewegten Vierteln“ (so die Spielanweisung) hielt er die Spannung virulent. Marie Rosa Günter (27, Deutschland) spielte von Jörg Widmann „Humoresken“, mit schönem Ehrgeiz am Verstören, der mutigen Torpedierung von Erwartung.

Knut Hanßen

Und dann gab es selbstverständlich die Renommierstücke! Erfreulicherweise stellten sich aber alle Spieler von Liszt oder Chopin in den Dienst der Noten. So Jingning Lin (15, China), die die Konzertetüde „Gnomenreigen“ (Liszt) interpretierte. Von befeuernder Eindringlichkeit, hörte man die Kobolde huschen, sich trollen und – weg sind sie…
Ganz wunderbar das „Pezzo Capriccioso“ von Pjotr Tschaikowski. Der erst 17-jährige Jason Lee (Südkorea) wurde zum Violoncello, das er in jeder Nuance eindringlich zu streichen wusste, am Flügel kongenial von Karim Said begleitet. Beide besaßen in ihrem Spiel die Ausführlichkeit von Maß und Balance, die auch um die Wirkung der Knappheit wusste.

Pieternel Tils

Das allerschönste Adagio allerdings strich (wohl nicht nur an diesem Abend) Pieternel Tils (19, Niederlande), die zusammen mit Ella-Marie Steinmetz (23, Deutschland) Mozarts Violinkonzert G-Dur KV 216 zur Gehör brachte. Die Musik und ihre Interpretation war pure Verführung, der sich auch das Kammerorchester „Wratislavia“ offenkundig beeindruckt zu Füßen warf. Krönender Abschluss das Klavierkonzert e-moll op. 11 von Frédéric Chopin, mit dem man nichts falsch machen kann, weil es in der Tradition der Virtuosenkonzerte der Zeit steht.

Fine! Zehn Tage Sommerakademie sind um. Die elfte Ausgabe gibt es in einem Jahr, vom 16. bis 26. Juli 2020. Dann erwarten das Publikum wieder technische Brillanz, schönes Sentiment, fröhliches Nuancierungsvermögen all dieser detailversessenen Arbeiter an den Instrumenten. „Stenografie des Gefühls“ nannte Lew Tolstoi die Musik. Man kann es aber auch mit einem Norddeutschen halten: „Musik ist die Kunst, in der sich alle Menschen als Kinder eines Sterns erkennen.“ Theodor Storm. Denn wie selbstverständlich und friedlich alle in einem Miteinander agierten, ob sie nun aus Israel oder Vietnam, China, Südkorea oder Deutschland kamen – das ist, gerade in diesen Zeiten, wie ein Wunder. Und diese Zugehörigkeit „Sommerakademie“ muss man erleben, nicht definieren.
Barbara Kaiser – 15. Juli 2019

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben