Humorbegabt

Kabarett sPÄTZial in Bostelwiebeck mit zwei Sonntagsvorstellungen

Axel Pätz gehört seit jeher zu meinen Favoriten in der bunten, begabten Jahrmarkttheater-Truppe! Warum? Weil er Akkordeon spielt. Für mich trifft ohne Zweifel Johannes Heesters` Klage „Man müsste Klavier spielen können“ erst sekundär zu. Leider hinkt der Versfuß ja, wandelte man den Heesters-Schlager auf „Akkordeon“ ab. Aber egal. (Klavier spielt Axel Pätz natürlich auch noch).

Jetzt war der Komödiant wieder mit seinem „Kabarett sPÄTZial“ in Bostelwiebeck zu Gast und hatte drei Kollegen mitgebracht. Das Quartett füllte mit zwei Veranstaltungen am Stück den verregneten Sonntag und man konnte sich entscheiden: Verpasste man den TV-Sport am Nachmittag oder den „Tatort“-Abend. Umwerfendes geschah auf der Mattscheibe zu keiner Tageszeit, und so war ich endlich einmal bei Axel Pätz und seinen Gästen!

Fotos: Barbara Kaiser

Da stand zuerst Martin Sierp auf der Bühne. Entfesselungskünstler, Bauchredner und Comedian. Sierp machte seine Späße mit dem Publikum, nie jedoch auf dessen Kosten. Er war der Krokodilbändiger – wie er, zerfetzt und entfesselt, aus dieser Nummer rauskam, war der Trick, der die Zuschauer Tränen lachen ließ. Keinesfalls Krokodiltränen!
Wenn einer aus Berlin nach Bostelwiebeck findet, muss er darüber einen Witz machen. Aber siehe, wenn einen „ein nicht fertiger Flughafen verbindet“, ist man schnell beieinander (wobei unserer in Barnsen sehr wohl funktioniert).

Aber Sierp konnte auch philosophisch! „Hinter jeder Art von Humor steht eine Haltung“, war er sich sicher. „Hinter Humorlosigkeit auch!“ Darüber kann man durchaus eine Weile nachdenken.

Martin Sierp

Die Frauenquote vertrat die wunderzarte Marie Diot aus Hannover. Sie hatte eine kleine Orgel dabei und wusste sie superb zu handhaben. Marie sang über die Liebe, ihre Risiken und Nebenwirkungen: „Vergessen ist so leicht,/ ich weiß gar nicht mehr, wie du heißt – Marius..:“ Oder: „Bei dir wird mir immer ganz warm./ Bei dieser Kälte schlägt das Herz Alarm… Ich brauch dich nicht von April bis Oktober, / doch färben sich die Blätter Zinnober…“ Schon für das zauberhafte Wort „Zinnober“ (wen interessierte dabei, dass es chemisch nur Quecksilbersulfid ist?) musste man diese junge Frau mit den aufgedrehten Rastalocken mögen!
Marie Diot kam übrigens musikalisch keineswegs gewohnt einfallslos daher, sondern in guter romantischer Liedtradition, bei der die Melodie auf den Text und die der Begleitung jeweilige Eigenständigkeit besitzen.

Marie Diot

Und dann war da noch Henning Schmidtke aus Köln (geboren in Northeim). Der war ein Sonnenschein à la George Clooney. Also gutaussehend und intelligent, was sich ja nicht ausschließen muss. Deshalb wird das jetzt hier eine hemmungslose Lieblingsschüler-Bevorzugung:
Schmidtke beklagte, dass man hierzulande viel zu wenig gemeinsam sänge. Wie wahr. Was er aus den Kneipen Irlands zu berichten wusste, wo man auch auf traurig-schaurige Strophengeschichten einen fröhlichen Refrain zum Besten gibt, war herrlich.

Sein Publikum, das in diesem Landkreis durchaus musikalisch und sangesfreudig ist, hatte er von Beginn an auf seiner Seite. Probe aufs Exempel: „Weine nicht, wenn der Regen fällt“, intonierte Schmidtke. „Damdam, damdam“, fielen seine Zuhörer ein. Das funktionierte auch mit anderen Schlagern….

Henning Schmidtke und Axel Pätz.

Dass er es als Musikkabarettist schwer hat, bei jungen Leuten (ob deren Wissenslücken) Verständnis zu finden, begreift man sofort. Beispiel gefällig: Beethovens Haushälterin will kündigen. Sie halte das nicht aus, diese Lautstärke und diese Musik den ganzen Tag! - Waaaas? Zeigt sich der Meister entsetzt. „Sie können doch nicht kündigen, Sie sind meine Inspiration!“ Darauf die Hausdame: „Wie bitte? Dass ich nicht lache! Ha ha ha haaa..:“ Sie, liebe Leserinnen und Leser, haben jetzt beim „Ha ha ha haaa“ hoffentlich die vier ersten Töne der fünften (Schicksals)Sinfonie mitgehört, obgleich es noch keine akustische Beschreibung gibt.

Marie Diot und Axel Pätz.

Es war ein fröhlicher Auftritt, den Axel Pätz, der sich auf nur zwei eigene Auftritte beschränkte, dem Bostelwiebecker Publikum präsentierte. Am Schluss sang er: „Und wenn Sie jetzt denken, der Pätz und seine Gäste, das ist der helle Wahn, dann kommen Sie gerne wieder – zu Kabarett sPÄTZial!“
Am 6. Oktober 2019 können Sie das. Um 15 und 19.30 Uhr. Und vielleicht spielt dann Axel Pätz auch Akkordeon!

Barbara Kaiser – 11. März 2019

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