„Ha, welch ein Fest!“

Neujahrskonzert mit den Göttinger Sinfonikern und Zaubergeigerin Anne Luisa Kramb

Zugegeben: Auf den Weg zum Uelzener Neujahrskonzert ins Theater an der Ilmenau – übrigens an diesem Vormittag ausverkauft! – hatte ich mich nur gemacht aus Neugierde. Auf den Neuen am Pult des Göttinger Symphonie Orchesters, nachdem der von allen verehrte und geschätzte Christoph Matthias Mueller im Sommer dort seinen Hut nahm.
Wie würde sich Nicholas Milton, der im Jahr 1967 im australischen Sydney Geborene, hier einführen? Kann er die großen Fußstapfen Muellers ausfüllen?

Das Ergebnis des 90-minütigen Konzerts fiel eindeutig aus: Chapeau! Eine Verbeugung vor dem 51-jährigen charismatischen Musiker, der mit Verve den Taktstock schwang und sehr charmant zu plaudern wusste. Das Publikum hatte er nahezu sofort auf seiner Seite.
Allerdings konnte man mit diesem Programm auch nichts falsch machen, es sei, so Milton, ein Repertoire, von Ungarn inspiriert: „Von Budapest nach Wien“.

Dirigent Nicholas Milton.  Fotos: Barbara Kaiser

Die Göttinger starteten dann auch mit dem Ungarischen Tanz Nr. 1 von Johannes Brahms, in weichem Timbre und wohl akzentuiert, schwungvoll obendrein. In der folgenden Ouvertüre zum „Zigeunerbaron“ schwelgte die Oboe in vornehmer Zurückhaltung und der Lust am Zarten, ehe das Motiv des „Schatzwalzers“ wohl alle mitriss.

Nach dem Csárdás aus der „Fledermaus“ stellte der Dirigent die Solistin des Tages vor: Die erst 18-jährige Anne Luisa Kramb. Deren Interpretation von Camille Saint-Saëns` „Introduction et Rondo capriccioso“ op. 28 besaß einen frischen, federleichten, ausgelassenen Strich. Dieser Eindruck sollte sich nach ihrem zweiten Auftritt, den „Zigeunerweisen“ von Pablo de Sarasate, noch verstärken. Da musizierte die junge Geigerin in einem nahezu zerbrechlichen Ton, voller fesselnder Ausdruckskraft und mit dem absolut kompatiblen Feeling für diese am Herzen ziehenden Weisen. Das Orchester blieb stets hauchzart an ihrer Seite, phänomenal und einfach den Atem raubend! Im selben Drive der Csárdás von Vittorio Monti, die Zugabe.

Solistin Anne Luise Kramb.

Vor der Pause gab`s noch den „Frühlingsstimmenwalzer“ von Johann Strauß (Sohn), der aus dem Vollen aller Walzerseligkeit zu schöpfen wusste, in dem man aber – dachte man den Text mit – trotzdem die Nachtigall tirilierte. Der Rákóczi-Marsch von Hector Berlioz („Fausts Verdammung“) war danach auch keiner von der brachialen Art.

Das Göttinger Symphonie Orchester wartete mit einem voluminösen Ton und technischer Exzellenz auf, war Gestalter mit kraftvoller Ausstrahlung. Manchmal bürstete der Dirigent eine Winzigkeit gegen den Strich, gegen die landläufige Erwartung. Dass man das bei diesen bis zum Überdruss gespielten Noten immer noch kann, sie wie neu klingen zu lassen, spricht für die Noten – und für den Dirigenten! Seine Ansage, er und sein Orchester kämen im Jahr 2020 wahrscheinlich zwei Mal, wurde dann auch heftigst beklatscht.

Mit der „Fledermaus“-Ouvertüre durchschritten die Gäste das ganze Universum des musikalischen Ausdrucks; vom süß-scheinheiligen „Oje, oje, wie rührt mich dies“ bis zum Walzer des zweiten Aktes „Ha, welch ein Fest!“
Ein Fest war dieses Neujahrskonzert wirklich, das am Ende wieder bei Johann Strauß (Sohn) ankam. Bei dessen Oper „Ritter Pásmán“, die kein Mensch mehr kennt, weil der Walzerkönig eben einer der Operette und des Dreivierteltakts war. Deshalb als Zugabe die Noten über die „schöne, blaue Donau“ und – na klar – der unvermeidliche „Radetzkymarsch“ von Vater Strauß. Vielleicht müsste hier wieder einmal aufgeschrieben werden, welchem Unhold diese Noten gewidmet waren. Aber dafür habe ich vor vielen, vielen Jahren schon einmal einen großen Sack Schelte bezogen. Also: Toll war`s! Auf ein glückliches, gesundes und frohes neues Jahr!
Barbara Kaiser – 06. Januar 2019

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