Große Kleinkunst mit vielen Facetten

Neujahrsempfang im Neuen Schauspielhaus: Bilanz, Grußworte und Musik

Nein, sie seien nicht in dem Sinne verrückt, wie es Reinhard Schamuhn, der Schamane, das verrückte Huhn – die Erde sei ihm leicht - stets für sich reklamierte, beteuerte Johannes Vogt-Krause, der Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Kunst im Kreativen Speicher in seinen Begrüßungsworten auf dem Neujahrsempfang. Vielleicht nicht mehr. Denn die „Mühen der Ebenen“ sollten sich als schwierig genug erwiesen haben. Trotzdem, so Vogt-Krause, gäbe es Grund zum Feiern!

Und das taten die zahlreichen Anwesenden bei Häppchen und Sekt und im Gespräch dann auch, nachdem sie alle Grußworte diszipliniert angehört hatten. Da war zuerst das von Brigitte Kötke, stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Uelzen. Sie würdigte kurz und knapp diesen „Teil des kulturellen Angebots“, den der Kreative Speicher an der Rosenmauer, das Neue Schauspielhaus, anbietet. Und – das war wohl die froheste Kunde – damit wirklich schwarze Zahlen schreibt.

schamuhn-neujahrsempfang_bearb

Fotos: Barbara Kaiser

Gerard Minnaard vom Verein Woltersburger Mühle und inzwischen längst Urgestein dieser Stadt, wenn es um die Organisation von ein bisschen mehr soziale Gerechtigkeit geht, hatte die neueste Publikation mitgebracht, die er an die Gäste verschenkte. Wie könnte es anders sein, es handelt sich um ein Nachdenk-Büchlein: „Imagine – Uelzener Fluchtblätter“. In der Größe eines Reisepasses fordern die Seiten, auf denen Flüchtlinge über ihre Ankunft in der Fremde erzählen, dazu auf, sich vorzustellen - Imagine! – all die Leute lebten ihr Leben in Frieden. Schon die Vision von John Lennon.

Minnaard würdigte ausdrücklich die „Kulturtafel“, zu dessen wesentlichen Initiatoren der Kreative Speicher gehörte. Theaterkarten für Menschen mit wenig Geld – das sei eine wunderbare Sache, die zahlreich genutzt würde und funktioniere.

Eine typische Politikerrede hielt Jörg Hillmer, Mitglied des Landtages, beim Neujahrsempfang in seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion und Grußwortsprecher des Kreistages anwesend. Man bekäme nur das, wofür man bereit sei, sich zu engagieren, behauptete der Politiker, als er die ehrenamtliche Arbeit für das kleine Theater belobigte. Diese „handgemachte Kultur“, was immer Hillmer darunter auch versteht, sei doch das, was das Leben in unserer Region präge.

schamuhn-neujahrsempfang-publikum_bearbSolches Reden verkennt erstens, dass die Künstler, die an der Rosenmauer gastieren, allesamt ihren Lebensunterhalt damit verdienen (müssen). Und sie zweitens deshalb keineswegs „handgemachte“ Kunst anbieten - was nach dilettierenden Freizeitkünstlern klingt -, sondern  ganz oft hochkarätig sind und immer professionell agieren. Denn auch auf dem Lande verdienen die Menschen Qualität; eine Region ist nicht liebenswert, wie Hillmer suggerierte, wenn sie in jeder Beziehung Provinz ist!
Wenigstens bot der Redner auch Hilfe an, „damit Sie dieses Kleinod weiter in die Zukunft“ führen können.

Ganz pragmatisch trat Birgit Ohrenschall-Reinhardt auf. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag übergab 1000 Euro Spende, die von einem Konto kommen, auf das die Abgeordneten ihrer Partei die Differenz der Aufwandsentschädigung zahlen, mit deren Erhöhung die Fraktion einst nicht einverstanden war. Auch so können Kunst, Kultur und Soziales gefördert werden! Dafür gab es viel Applaus.

schamuhn-neujahrsempfang-scheck-von-den-gruenen_bearb

Scheckübergabe durch Birgit Ohrenschall-Reinhardt (rechts).

Das Neue Schauspielhaus, der Kreative Speicher, Reinhard Schamuhns Erbe – ist auf einem guten Weg. Johannes Vogt-Krause zog Bilanz: 50 gelungene und gut besuchte Veranstaltungen mit 3000 Besuchern habe es im Jahr 2016 gegeben, dazu kamen noch zehn ohne Eintritt, wie Vernissagen und Empfänge. Insgesamt habe man 126 Freikarten von allen Aufführungen an die Kulturtafel abgegeben, das summierte sich zum beachtlichen Betrag von 2140 Euro! Das Programm für 2017 sei komplett, man plane 2018.

„Es gibt was zu feiern“, freute sich also Vogt-Krause und betonte, dass der Speicher ein Theater ohne öffentliche Finanzhilfe sei. „Wer meint, in Uelzen sei nichts los“, so die abschließende Einschätzung, „dem empfehle ich einen Blick in Zeitungen, Magazine, auf Litfaßsäulen und ins Internet!“

schamuhn-neujahrsempfang-daniel-malheur2_bearb

Daniel Malheur

Für die musikalische Feierlaune sorgte an diesem Vormittag Daniel Malheur. Besucher der Rosenmauer kennen diesen Tenor, der Karaoke nach Schellackplatten singt und launig zu plaudern weiß. Er sang Lieder der Comedian Harmonists, von Paul O`Montis und Richard Tauber und man konnte ihn allein für diese Aussage im Liedtext mögen: „Ich bin humorvoll, attraktiv, ich lieb` den deutschen Genitiv…“ Es gibt nicht so viele, die Sprache hochhalten! Es sei aber nicht vergessen, dass gerade Sprache auch ein Stück Kultur ist.

Barbara Kaiser – 8. Januar 2017

2 Antworten

  1. Danke für deinen Artikel Barbara. Auch dafür, dass du trotz ohne Ständchen so lange bei uns geblieben bist ;-)
  2. Danke, Frau Kaiser, für Ihren vortrefflichen Bericht. Und ich habe wieder etwas dazugelernt: ... " die Erde sei ihm leicht." Das kannte ich noch nicht. Viele Grüße, Johannes Vogt-Krause

Schreibe einen Kommentar zu Johannes Vogt-Krause