Ganz allein in St. Marien

Zu Besuch bei Erik Matz in Corona-Zeiten

Es war ein unglaubliches Privileg, um das mich nicht nur die beiden Damen beneidet haben dürften, die vor der Kirchentür standen und lauschten: Erik Matz spielte für mich ganz allein meinen Lieblings-Bach, Toccata und Fuge d-moll, BWV 565. Es waren die ersten Livekonzerttöne seit neun Wochen, und die Entzugserscheinungen sind inzwischen nicht unbeträchtlich. Es war wunderbar, wie es rauschte und schwoll und perlte! Danke!

Wir hatten uns zum Gespräch getroffen, der Kreiskantor und ich. Zu reden über diese (live)kulturlose und ansonsten auch sehr eingeschränkte Zeit. „Ich dachte, in dieser Krise könnte ich zwei/drei Stunden am Tag Orgel üben“, klagt Matz, „aber ständig ist man abgelenkt durch irgendwelche Chats und Besprechungen.“ Er habe beinahe mehr zu tun als in der Vergangenheit.

Dabei wurde alles abgesagt. Die „Lobgesang“-Aufführung mit der Kantorei Anfang Juni anlässlich des Stadtjubiläums, in der unter anderem Mendelssohn-Bartholdys chorsymphonisches Werk erklingen sollte. Das Konzert des Kammerorchesters Uelzen wurde vom 17. Mai auf den 3. Oktober 2020 verschoben.

Was aber wird aus den St.-Marien-Sommerkonzerten? „Wenn es uns nicht verboten wird“, setzt Erik Matz an, korrigiert sich dann aber, „wenn es im Rahmen des Erlaubten ist, das klingt nicht so krass“, dann werden die Konzerte stattfinden. Mit allen geltenden Vorschriften, mit gekennzeichneten Plätzen zum Beispiel. Und leider, leider am Ende ohne Weinausschank. Der hatte die Konzert ja immer zu etwas Besonderem gemacht, weil das Publikum nach dem Auftritt mit den Künstlern ins Gespräch kam, aber sind wir zunächst dankbar für den Beginn.

Die beiden ersten Termine übernimmt Erik Matz selber, ersetzt die Solisten und Ensembles aus dem Landkreis und die Kantorei, mit Gesprächsorgelkonzerten. „Darauf habe ich auch Lust“, begründet er das Vorhaben. Und Chöre haben eben zurzeit ganz schlechte Karten im Kulturleben…

Es geht also los am Samstag, 04. Juli 2020, 16.45 Uhr, und dauert bis zum 05. September 2020 samstäglich zur selben Zeit. Liebhaber der Königin der Instrumente müssen aber so lange nicht warten: Am kommenden Mittwoch beginnt die traditionelle Orgelandacht Punkt 12. Ein liturgisches Wort und 20 Minuten lang zur Musik die Seele baumeln und die Gedanken schweifen lassen. Zur besten Marktzeit eine Pause machen und sich ein Quäntchen „Balsam“ abholen. Wie es die zwei oben erwähnten Damen nannten, als sie ganz still vor der Kirchentür standen und „meinem“ Bach mitlauschten. Ab 13. Mai 2020 werden die Türen wieder geöffnet sein!

Barbara Kaiser – 06. Mai 2020

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