Exquisite Tonmalerei

Sabine Frick und Hinrich Alpers gastierten im Kloster Medingen

Das 15. Mal bereits spielte Hinrich Alpers in der Klosterkirche Medingen. Als gerade 20-Jähriger begann er dort seine Gastspiele im Jahr 2001, stellte sich dem Duo, zunächst mit Violine (Meike Bertram) und jetzt mit seiner Frau Sabine Frick am Violoncello. Das Ehepaar ist Garant für eine exquisite Musizierweise, die die Töne liebevoll malt, stets auf das Ganze bedacht ist und auf klare Tiefenschärfe achtet. Enttäuscht wird man als Zuhörer in einem Konzert der Beiden nie.

Im Konzert 2014 standen Noten von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750, Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827), dem Jubilar des Jahres, Richard Strauss (1864 bis 1949) und Olivier Messiaen (1908 bis 1992) auf dem Programm. Eine Melange durch die Jahrhunderte, in der kein Ton verloren ging im Gespinst der so unterschiedlichen  Kompositionen, mochten sie auch noch so vertrackt sein.

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Fotos: Barbara Kaiser

Sabine Frick und Hinrich Alpers empfinden ihre Musik, da wird nichts exaltiert ausgestellt. Und so begann die Cellistin im Metrum lustvoller Beschwingtheit solo: Suite G-Dur für Violoncello BWV 1007. Bereits das „Prélude“ suggeriert die Klanglichkeit eines mehrstimmigen Ensembles. Großartige chromatische Aufstiege vom kontrabassigen Grummeln zur Engelsharfe des hohen „g“. Die „Allemande“ und „Courante“ belebt Frick in all ihren Bewegungskontrasten, beruhigt die Zuhörer mit einer ausgewogenen „Sarabande“ und den schlicht-einstimmigen zwei „Menuetten“, ehe eine atemberaubende „Gigue“, kraftvoll rhythmisiert, das Ganze beschließt.Es ist Musik der angespannten Energie und freudigen Zuversicht. Das Besondere im Spiel der Cellistin ist die Gelassenheit, der entspannte Umgang mit der Zeit, der flexible Dehnungen und Straffungen im Tempo erlaubt, ohne dass die große Linie abbricht.

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Die folgenden „Zwölf Variationen über ein Thema aus Georg Friedrich Händels `Judas Maccabaeus`“ WoO 45 – wir kennen das Thema als das Lied „Tochter Zion, freue dich“ – war dann eine wunderbare Zweierbeziehung; freundliches Plaudern, energisches Kräftemessen (ohne Verlierer), virtuoser Wettstreit.
Mehr Dichte geht nicht und es bleibt müßig, die Musiker für technische Perfektion und synchrones Spiel zu loben – diese Basis steht felsenfest, sodass sie sich ganz dem emotionalen Gehalt der Werke widmen können.

Zum Beispiel dem ergreifenden fünften Satz aus „Quatuor pour le fin de temps“ (Quartett auf das Ende der Zeit) von Olivier Messiaen. Der Komponist schrieb es im Kriegswinter 1940/41 in einem Gefangenenlager an der Neiße. Dort wurde es, vor 5000 Lagerinsassen, auch uraufgeführt. Satz fünf heißt „Lobpreisung der Ewigkeit Jesu“ und ist ein elegisches Stück, in dem das Klavier totenglocken-ähnlich begleitet, während dem Cello eine eindringliche, drängende, bedrängende Klage zukommt, die leise auszittert.
Interpretiert in vibrierender Spannung, bewiesen Sabine Frick und Hinrich Alpers erneut, dass sie sich nicht vor Rezeptionshürden scheuen, die unbekannte, nicht durch eingängig-bekannte Melodik ausgewiesene Musik hat. Vielleicht war hier die Intensität des Zusammenspiels am allergrößten.

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Die beglückende künstlerische Gemeinsamkeit fand ihren Abschluss mit der Sonate für Violoncello und Klavier F-Dur op. 6 von Richard Strauss. Rasend rauschendes Strauss-Schwelgen machte die zwei Konzertstunden zu einem vollendeten Erlebnis. Spannung und Aussage zogen sich aus den großen melodischen Gesten Strauss`, seinen prägnant kontrastierenden thematischen Charakteren und seiner Hymnik. Alles wurde auf das allerbeste ausgebreitet, romantisch verschwungen, emotional geladen, den farblichen Reichtum der Musik beschwörend auskostend. - Nach diesem Abend der ausbalancierten Einheit und des nuancierten Spiels sollte keiner der Zuhörer enttäuscht nach Hause gegangen sein!
Barbara Kaiser – 24. November 2014

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