Es muss möglich sein!

Friedensweg an der Woltersburger Mühle vor großem Publikum eröffnet

Die Skulptur „Menschenkinder“ von Waldemar Nottbohm steht, wie angedacht, jetzt zwischen Büschen. Die einzelnen Figuren darin zusammengedrängt, wie Schutz suchend. DerWeidenrutenraum für die zu behütende Runde, die am Steintisch Platz nehmen kann, hat sich verwurzelt und begrünt… Es ist alles so, wie es Gerard Minnaard im grauen Februar entwarf, als er mit mir den künftigen Friedensweg erstmals abschritt.

Seit vielen Jahre schüttelt man sowieso nicht mehr ungläubig den Kopf, wenn Pastor Minnaard seine Vorstellungen ausbreitet; nun hat sich seine Hoffnung, seine Vision von einem Friedensweg an der Woltersburger Mühle erfüllt. Auf dem kurzen Rund versinnbildlichen sieben Plastiken verschiedener Künstler die uralte Sehnsucht der Menschheit, laden zum Verweilen, miteinander Reden oder stillem Meditieren ein.

Fotos: Barbara Kaiser

„Dass das jetzt gelungen ist, ist ein spannender Schritt“, zeigte sich Ideengeber Minnaard erfreut. Denn im Zusammenhang mit diesem neuen Pfad wird es Angebote zur friedenspolitischen Arbeit geben. Aber der unermüdliche 63-Jährige gibt den Dank lieber an andere weiter: An die Künstler, die Architekten, den Friedenschor und das Orchester, die Jugendwerkstatt der Mühle, die Verwaltung, die Geldgeber – öffentliche wie private – und alle, alle, alle, die sich (seit Jahren) für dieses Projekt Mühle engagieren.

Skulptur: "Menschenkinder"

Nun wurde der Friedensweg eingeweiht, es war ein großes, buntes Fest mit einem eigens für Uelzen komponierten Friedenslied, nun kann die Arbeit losgehen. Wie nötig es ist, gegen Ausgrenzung jeglicher Art, für sozialen Frieden und Völkerverständigung zu arbeiten, zeigt ein Blick in die Welt. Seltsamerweise ist das Londoner „Institute for Economics and Peace“ (IEP), das alljährlich die Lage in mehr als 160 Ländern anhand von Kriterien wie Krieg, Terrorismus, Polizeigewalt und Waffenexporten beurteilt, zu dem Schluss gekommen, dass unsere Welt seit 2013 erstmals wieder etwas friedlicher geworden sei. Man mag diesem Global Peace Index keinen Glauben schenken. Sollte es auch nur bedingt angesichts der Fragilität der Lage.

Und so sang der Friedenschor (Leitung Dorothea Potter) „Zueinander stehn/ miteinander gehn…“ und die Friedens-AG „Aufstehen“ Wendland/Uelzen pflanzte einen Baum, neben dem eine Holztafel steht, an die Todesmeldungen gepinnt sind. - Seit Italien vor einem Jahr seine Häfen für Seenotretter schloss, ertranken 1151 (eher mehr) Menschen im Mittelmeer. In der vergangenen Woche legte Minister Salvini nach: Jetzt gibt es hohe Strafen für die Rettung aus Seenot. – Die Toten haben für uns nur einen Namen, die meisten aber nicht. Und dabei hatten sie alle nur das eine Leben; jetzt bekamen sie nicht einmal eine ordentliche Grabstätte…

Landessuperintendent Dieter Rathing und Propst Jörg Hagen.

Um ein Grußwort gebeten worden waren Politiker und Kirchenvertreter. Während Uelzens Bürgermeister Jürgen Markwardt erfreulicherweise an einen Dank für Gerard Minnaard dachte und „Frieden“ für sich als „Basis, wie Gesundheit und Freiheit“ ausmachte, hatte vielleicht Landessuperintendent Dieter Rathing die kürzeste und einprägsamste Rede: Was könne er als kleiner, einzelner Mensch schon für den Frieden tun, fragte ein Besucher des Klosters einen Mönch? Der erwiderte, jener solle, wenn er ginge, die Tür leise schließen! Ergänzung Rathing: „Frieden geht, wenn Türen nicht laut zugeschlagen werden – im Kleinen wie im Großen!“

„Dona nobis pacem“ – Gib uns deinen Frieden – sang der Chor am Ende. Wie viele Menschen werden alltäglich dieses Gebet, an den auch immer adressiert, abschicken? Es wird Zeit, die Politiker in die Pflicht zu nehmen!
„Es geht um uns. Als Menschen. Als Menschheit“, war sich Gerard Minnaard sicher, als er bei unserem ersten Treffen den Hauptgedanken dieses Friedensweges zusammenfasste. Er freute sich darauf und darüber, dass die Kirche für ihre sechs „Friedensorte“, die sie ausrief und zu denen die Mühle gehört, Werbung machen wird, Uelzen also im Gespräch bleibt. Uelzen – Friedensstadt. Wie klingt das? Hundertwasser hätte das bestimmt gefallen!
Barbara Kaiser – 17. Juni 2019

1 Antwort

  1. Liebe Frau Kaiser! als Mitglied der Friedens- AG in Aufstehen Wendland/ Uelzen freue ich mich sehr über Ihre positive Darstellung unserer Friedbaum- Aktion sowie der entsprechenden Hintergrund- Informationen dazu. Vielen Dank dafür! Laut Angaben von Seawatch sind allein im Jahr 2018 2.250 geflüchtete Menschen im Mittelmeer ertrunken, in den Jahren 2014-2018 17.500. -Natürlch jeweils ohne Dunkelziffer.... Thorsten Angermann, Uelzen

Einen Kommentar schreiben