Eine große Leistung

Begegnungen: Gemeinschaftsprojekt von Jahrmarkttheater und Produktionsschule Uelzen

Auf die Frage, was schön gewesen sei, haben Tatjana, Robine, Maximilian, Steffen, Peer und Christian sofort eine Antwort: „Wir waren wie `ne Familie und hatten noch nie so viel Spaß.“ Und was werden sie mitnehmen aus diesem halben Jahr Theaterspiel, das mit einer Aufführung in der Woltersburger Mühle seinen krönenden Höhepunkt und Abschluss fand? „Es war wie Therapie, weil wir ja alle einen Knacks haben“, kokettieren sie lachend ein wenig mit ihren recht verschlungenen Lebenswegen bisher, „aber: wir hatten keine Angst vor Blamage – wir sind eben so!“

Vor einem halben Jahr kam es zur ersten Begegnung zwischen Thomas Matschoß und seiner Frau Anja Imig, den „Theaterdirektoren“ des Jahrmarkttheaters Bostelwiebeck, und einer Gruppe aus der Produktionsschule Uelzen (siehe auch „Barftgaans“ 06/07 – 2014). Und als „Begegnung“ ging es weiter, als ein Aufeinandertreffen so unterschiedlicher Menschen. Den achtsamen Umgang miteinander nannte Matschoß, vor der Aufführung danach gefragt, „ein Geschenk“.

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Fotos: Barbara Kaiser

Und wie sich die damals zurückhaltenden oder auch desinteressierten Besucher in Bostelwiebeck gemausert haben, wer von ihnen durchhielt, das war so herzerfrischend wie rührend anzusehen. Eine runde halbe Stunde lang spielten sie forsch und freimütig. „Frohe Botschaft“ hieß das Stück, der Untertitel: Eine Begegnung.

Thomas Matschoß führte in seiner Lieblingsrolle, der Oma Sanne,  durchs Programm, das eher Gedankensplitter waren als ein durchgängiger Text. Nachdem die Zuschauer bereits kurze Fragebögen zu den Themen „Schönster Moment“, „Wunsch für die Zukunft“, „Wovon kriege ich Pickel“, heißt: Was ärgert mich und „Wovor habe ich Angst“ ausgefüllt hatten, hangelten sich die sieben Akteure an diesen Punkten entlang. Ohne gehobenen Zeigefinger, voller Witz, Nachdenklichkeit auch.

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Die Texte waren in der Zusammenarbeit entstanden, versicherten die Darsteller. Wie schön, anstrengend und fröhlich es in der Auseinandersetzung damit zuging, davon zeugte an den Wänden eine Fotostrecke von Bert Brüggemann, dem Hausfotografen des Jahrmarkttheaters.

Und so erzählten die Darsteller in den Kostümen von Schaf, Schwein, Engel, Hirte von ihren Wünschen für die Zukunft: „…dass es mehr Liebe gibt, als Geld…“,  wovor sie Angst haben – die Schafe vorm Wolf, das Schwein natürlich vor langen, spitzen Messern! – und die schönstens Momente. Alles gipfelte in der „Legende vom 6. Dezember“, die davon zu berichten wusste, wie die Welt für einen einzigen Tag allen Menschen ganz leicht war. Und friedlich. 24 Stunden lang.

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Am Ende sangen alle Hildegard Knefs trotzigen Lebensanspruch. Haarscharf unter Ton, aber mit erhobenem Kopf und wunderbar ehrlich. Rote Rosen gab`s dann am Ende für die Darsteller, die sich mit „Wir haben ein Stück weit zu uns selber gefunden und noch nie so viel gelacht“, bedankten.

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Mit wie viel neuem Selbstbewusstsein und welcher Aufgeschlossenheit die Sechs jetzt durch die Welt gehen, war nicht zu übersehen, war zu erfahren im Gespräch. Die Freude über das Geleistete sprang ins Publikum, das sich nach der Aufführung noch Zeit für „Begegnungen“ nahm, ohne die „das Leben keinen Sinn hat“, wie Oma Sanne eingangs zur Gitarre sang. Und schließlich seien „wahre Begegnungen auch das Geheimnis von Weihnachten“, erinnerte Gerard Minnaard die Gäste an die Botschaft dieser Wochen.
Barbara Kaiser – 7. Dezember 2014

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