„Ein Mensch ohne Falsch“

OrgelPUNKT12 - ein Gedenken für Kantor Eginhard Köhler

Der mit 40 Jahren im Amt langjährige Kantor Eginhard Köhler bekam in St. Marien eine würdige Gedenkfeier: Glockengeläut und Bachmusik in der Hauptkirche der Stadt, eine zahlreich versammelte Gemeinde (nur eingeschränkt durch die derzeitigen Corona-Auflagen) und viele würdigende Worte. Am 7. Mai 2020 starb der engagierte Kirchenmusiker und exzellente Orgelspieler – wie es diejenigen erzählen, die es erlebten – im Alter von 90 Jahren.

Ich kannte Eginhard Köhler nur vom Sehen in dem einen oder andere Sommerkonzert, denn als ich nach Uelzen kam, hatte im selben Jahr schon die Ära seines Nachfolgers begonnen. Und der, Erik Matz, saß natürlich auf der Empore. Neben der schon wieder darauffolgenden Generation, Merle Hilmer, die den Vortrag des Gesangsquartetts St. Marien begleitete.

Eginhard Köhler 1930 bis 2020

„Wie kann Abschied besser geschehen als mit einer musikalischen Andacht“, fragte Propst Jörg Hagen zur Begrüßung. „Mit Musik, die er geliebt hätte und mit Gedenkworten einer seiner ehemaligen Schülerinnen.“ Die Schülerin ist heute Pastorin in Molzen, Dr. Dorothea Mecking.

Sie breitete vor den Zuhörern, unter ihnen die zwei Söhne Köhlers, Michael und Stefan, das Leben und Wirken des Verstorbenen sehr liebevoll aus: Es seien „Erinnerungen an eine Zeit, die lange vorbei ist und doch lebendig nachwirkt“, beschreibt sie eine Kantorei-Probe aus dem Jahr 1976. Um dann auch die schmerzlichen Erinnerungen der letzten Jahre zu thematisieren: „… wie Eginhard Köhler durch Uelzen geht, den Kragen hochgeschlagen, einen Weg, den er selber nicht mehr kennt.“

Erik Matz spielte zum Abschied für seinen Vorgänger im Amt die Orgel

Nach diesem langsamen Verlöschen durch Demenz sei der verehrte Kantor und Lehrer nun endgültig gegangen, sagte sie. Er habe eine Frömmigkeit gelebt, die sich nie in vielen Worten ausdrückte, sondern im Musizieren. „Sein Orgelspiel war nicht nur von seiner Musikalität, auch von seinem Glauben bestimmt.“

Geboren in Oberfrohna (heute Landkreis Zwickau), in einem Elternhaus, wo schon der Vater Kantor war, studierte Köhler in Halle/Saale und Berlin(Ost). Im Jahr 1955 trat er seine erste Stelle in Uelzen an; er bekam sie, obgleich er das A-Orgel-Examen noch nicht in der Tasche hatte, und blieb hier bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1995. 40 lange Jahre, in denen er viel anstieß und bewegte. Beispielsweise die noch junge Kantorei auf ein musikalisches Niveau hob, mit dem sogar die Aufführung von Bachs h-moll-Messe nicht mehr allzu waghalsig genannt werden konnte. Denn: Eginhard Köhler habe sich die Demut vor den Kompositionen stets bewahrt, so Pastorin Mecking, „er bemächtigte sich ihrer nicht einfach, sondern ließ die  Zeit dafür reifen.“

Pastorin Dr. Dorothea Mecking

Köhler habe seine Arbeit stets als Gemeindearbeit verstanden, auch wenn der gewissenhafte und gründliche Mann, der immer verlässlich war, auch einen künstlerischen Anspruch hochhielt, erinnerte sie sich.

Am Ende zitierte sie Jesus, der einmal über jemanden gesagt hatte, er sei „ein Mensch ohne Falsch“. Köhler sei obendrein „ein heiterer und fröhlicher Genießer“ gewesen – mehr Lob für einen Künstler und Menschen geht nicht.

St. Marien Zum Tod Eginhard Köhler

Ein langes Leben ist zu Ende gegangen. Eginhard Köhler ist tot. Aber für alle, die ihn gekannt und mit ihm gearbeitet haben, kann die Erinnerung ein Ufer sein, von dem man schaut auf einen breiten, beeindruckenden Strom…

Barbara Kaiser – 28. Mai 2020

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