Ein Halleluja auf Erik

Kantor Erik Matz blickt auf 20 Jahre in Uelzen zurück und durfte das feiern

„Hallo, Erik! Lieber Erik! 20 Jahre sind um“, stimmten die Sänger der St.-Marien-Kantorei auf Georg Friedrich Halleluja-Händels Noten an. Und weiter: „Dank von denen, die hier heute singen…. Das klingt wunderbar, mal besser, mal schlimmer. Alle singen mit im Chor – für dich!“. Der so Geehrte zeigt sich gerührt. Kantor Erik Matz wurde vor 20 Jahren von eben dieser Kantorei, wenn auch anders personell besetzt, in seine Funktion gewählt und verhilft der Stadt und dem Landkreis seitdem zu zahllosen musikalischen Höhepunkten. Die Stadt Uelzen profitierte ohne Zweifel von einem rührigen Kirchenmusiker - es ist deshalb nicht zu verstehen, dass kein Vertreter der Kommune auf der Feier anwesend war.

Das tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch. Der Saal im Hotel „Deutsche Eiche“ war nahezu voll besetzt. Es gab Reden, Gesang natürlich und Büffet. Gespräche mit „Veteranen“, Ehemaligen, Vertretern und Mitarbeiter der Kirchengemeinde und anderen Gästen.
Eine Überraschungs-Party ließ der Kantor zwar platzen, indem er selbst darüber nachdachte, sein kleines Jubiläum zu feiern. Frei von Überraschungen war die nun planvoll organisierte Veranstaltung dennoch nicht. Ein Treffen – open end.

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Fotos: Barbara Kaiser

Als ich vor ziemlich genau zehn Jahren für die AZ-Serie „Ganz privat“ bei Erik Matz zu Hause eingeladen war, wurde der Gastgeber beim Stichwort Orgel richtig gesprächig. Denn eigentlich ist Matz kein großer Redner vor dem Herrn, ein kühler Norddeutscher aus Bassum eben, dem auch das Studium im karnevalsseligen Rheinland wenig anhaben konnte. Außerdem spricht ja immer die Musik.
Aber die Orgel! Mehr als eine Million (Mark) wurden von 1997 bis 2001 in das Instrument gesteckt. Die über tausend Pfeifen mit den 53 Registern haben ein Spektrum, mit dem Musikliteratur aller Epochen, vom Spätbarock bis zur Moderne, realisiert werden kann. „Die hat Charakter“, schwärmte der Organist Matz. „Die ist ein großer, guter Wurf gewesen.“ Und weil das so ist, musste man „aus dieser Orgel auch etwas machen“, denn „sie gehört hierher, die nimmt uns keiner weg.“ Matz hatte gemacht. Er improvisierte zum Stummfilm „Ben Hur“, es gab Orgelfestwochen, die Sommerkonzerte haben immer Solisten an der Königin der Instrumente zu Gast.

Sind 20 Jahre eigentlich eine lange Zeit? Vielleicht kommt das auf den Blickwinkel an, aus dem man diese Zeitspanne sieht. Uns Menschen bleibt auf dieser Erde ja sowieso nur Frist, keine Unendlichkeit. Für Erik Matz waren 20 Jahre Uelzen ein Abschnitt zwischen 17 Mal „Weihnachtsoratorium“ und einem Leben, das hin und wieder durch einen gewissen Rechtfertigungsdruck, eine Daseinberechtigungserklärungsnot nicht einfacher wurde.
Aber: Die Arbeit mit „seiner“ Kantorei sei „das Tollste hier“, sagte er schon vor einem Jahrzehnt. Die chronischen Finanznöte haben euphorisch-enthusiastische Vorhaben nicht ausbremsen können. Einmal das „War-Requiem“ dirigieren, hatte Erik Matz vor zehn Jahren geschwärmt. Dass er sich auch diesen Wunsch erfüllt und damit seine Sänger  - nicht zum ersten Mal - durch harte Proben jagen und zu ungeahnten Höhen führen wird, ist nicht auszuschließen.

Denn dass sie ihn achten, anerkennen, hoch schätzen - ihren Kantorei-Chef, das wurde an diesem Feier-Abend mehr als deutlich. Da hatten beispielsweise alle für ein „Matz-Buch“ etwas aufgeschrieben. Herausgekommen ist ein Band mit Gedichten, Notenblättern, Faksimiles und Fotos. Da wurde nach Goethes „Zauberlehrling“ gereimt: „Singe, singe/ manche Stücke/dass zum Glücke/ Töne schallen./ Und es herrlich voll erklinge,/in den Räumen widerhallen…“.
Einer imaginierte „Die Frage eines naiven Bürgermeisters: Wer ist eigentlich Herr Matz? – Antwort: Ohne ihn wäre St. Marien nur ein Bau.“ Ist das nicht ein wunderbares Kompliment?

erik-matz-buchEs gab eine Erinnerung an die Orgelsanierung – wie wir wissen, Erik Matz` Lieblingskind. Gesänge, witzige meist, wie „Ein Tag aus dem Leben eines Kantors“ oder ein gregorianischer Gesang auf Latein. Das Gewicht des Notenstapels aller aufgeführten Partituren war als Jubiläumsgewinnspiel zu schätzen (20,8 Kilo!). Das Foyer des Hotels schmückten für diesen einen Abend die Plakate aus 20 Jahren Matz`scher Amtszeit.
So manch einer wird in Erinnerungen geschwelgt haben: Was hat die Kantorei nicht alles gesungen? Requien von Mozart, Fauré, Lloyd Webber, Berlioz, Rutter und Brahms, den „Elias“ und „Messias“ von Händel, die Passionen und das Magnifikat von Bach und, und, und….

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Erik Matz wir im nächsten Jahr 50. Da darf man noch von einer weiteren Welt träumen als sie Uelzen ist. Tut er das? Hegen seine Sänger diese Befürchtung? Dass er weggehen könnte, ihr Erik? Aber an diesem Abend hat sich wahrscheinlich niemand mit derlei Fragen belastet.
Barbara Kaiser – 15. Februar 2015

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