Durchweg sehenswert

Künstlerisch tätige Mitglieder des Kunstvereins Uelzen stellen Werke aus/Vernissage morgen, Samstag, 16. November 2019, 17 Uhr

Es muss hier noch einmal insistiert werden: Das Verb dilettieren meint, etwas ohne Expertise oder Fachwissen zu tun; beschreibt also die Tätigkeit einer Person, die sich leidenschaftlich etwas widmet. Wobei den Freizeitmalerinnen und -malern Fachwissen um Techniken, Pinselführung und ein sicherer Blick nicht abgesprochen werden dürfen.

Auch ein Amateur (lateinisch: amator = Liebhaber) ist eine Person, die, im Gegensatz zum Profi, eine Tätigkeit aus Liebhaberei ausübt. Dass wir die beiden Wörter „Dilettant“ und „Amateur“ meist negativ besetzen – dafür gibt es nicht den kleinsten Grund!
Die meisten der Ausstellenden derzeit im Kunstverein sind Amateure und Dilettanten. Sie betreiben die Malerei oder die Fotografie als Hobby, weil es Freude bereitet und sie Entspannung oder Kontemplation daraus saugen.

Der Kunstverein Uelzen pflegt eine schöne Tradition, in deren Linie er seit ein paar Jahren Arbeiten seiner malenden, fotografierenden, modellierenden und anderweitig tätigen Mitglieder ausstellt. Selbige müssen nicht zwingend auch Kunstschaffende im Broterwerb sein, aber natürlich gibt es Dopplungen bei Mitgliedern des Berufsbandes Bildender Künstler (BBK). Herausgekommen ist wie immer Sehenswertes, das einen Besuch in jedem Falle zum Gewinn macht.

Befragt nach einem Lieblingsbild käm` ich in Verlegenheit. Nähme ich das Triptychon „Horizonte“ von Helga Berres, weil diese Landschaft meinen Vorlieben entspricht und ich am liebsten am Meer sitze? Oder den „Drummer“ von Wolfgang Duszinski, ein Werk voller Ekstase, aus dem es zu dröhnen scheint, obgleich es natürlich schweigt. Das aber ziemlich laut und eindrucksvoll.

Helga Berres: „Horizonte"

Oder vertiefte ich mich in die Distel samt Raupen von Katja Schaefer-Andrae, die ihrem Bild den Untertitel „nach M. S. Merian“ gab. Maria Sibylla Merian, die Naturforscherin aus Frankfurt/M., die zwischen 1647 und 1717 lebte, Seidenraupen züchtete und eine exzellente Beobachterin war. Wie später Alexander von Humboldt oder Ernst Haeckel oder Carl von Linné. Auch die Bilder von Sophia Bornhagen, vor allem ihr „Frühstück im Atelier“, zogen meinen Blick auf sich beim ersten Rundgang.

Katja Schaefer-Andrae: "Käfer nach Merian"

Aber es ist ja wie immer: Jeder hat seine eigenen Vorlieben und findet sich vielleicht eher im „Mooridyll“ oder der „Mondnacht“ von Gudrun Witte wieder. Es sind Kleinformate in Blau und Schwarz, ein bisschen unheimlich gar. Oder er kann dem Blick des frechen Eichkaters, den Karin Joseph nach einer Fotografie malte, nicht widerstehen?

Reante Schmidt: "Hommage to the nature"

Allerdings, wo gäbe es zum Beispiel das: Ohne dass die Ausstellung eröffnet war, erhielt das erste Bild seinen roten Punkt, Verkauf signalisierend. Es war eine Begebenheit, die eher selten vorkommt: Die 77 Arbeiten der 22 Beteiligten wurden im Galerieraum Theaterkeller von den ehrenamtlichen Helfern stilsicher gehängt. An diesem Sonntagnachmittag wirbelte oben auf der Bühne des Hauses für die jüngsten Zuschauer „Der kleine Muck“ durch die Märchenwelt. Ein begleitender Vater suchte sich mit zielsicherem Blick das „Partytime“ von Yvonne Sommerfeld-Klinge aus und sagt: „Das muss ich haben!“ So sollte für die Malerin aus Rosche die Ausstellung schon vor der Vernissage ein Erfolg sein!

Marlies Kahn: "Aufgeblüht"

Es passt vielleicht, in diesem Zusammenhang wieder einmal Friedrich Schiller zu zitieren, der der Kunst folgende Wirkung zuschrieb: „Was ich ohne dich wäre, ich weiß es nicht; aber mir grauet,/Seh` ich, was ohne dich Hundert` und Tausende sind.“ Deshalb sage keiner, dass ihn eine Ausstellung mit Arbeiten von überwiegend Laien nicht interessiere – wir müssen, ja sollten, doch neugierig bleiben!

Die Vernissage findet morgen, Samstag, 16. November 2019, um 17 Uhr im Theaterkeller statt. Bis zum 15. Dezember erwartet sie Besucher und – Käufer.
Barbara Kaiser - 15. November 2019

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