Drei Geburtstagsfeiern

Holdenstedter Schlosstage feiern Jacques Offenbach, Clara Schumann und sich selbst

„Die Schlosswochen-Gesellschaft wird weiter bestehen“, sagte Ute Lange-Brachmann, die Geschäftsführerin, vor Jahresfrist, „und sie wird auch weiter Konzerte organisieren. In welcher Form, werden Sie erfahren, wenn der Verein sich orientiert hat.“ Was nach Neuanfang, neuem Konzept oder gar Ko-Produktion und Zusammenarbeit klang, erwies sich als Trugschluss. Die Holdenstedter Schlosswoche, ob nun Singular oder Plural, kommt im Jahr 2019 nahezu unverändert daher. Joachim Draheim schreibt die Konzeption, man widmet sich Schwerpunkten, geht auf die Suche nach Raritäten.

In diesem Jahr feiert man zunächst seinen eigenen, den 20. Geburtstag. Dazu gibt es eine Drei-Abende-Melange, die zwar bekömmlich erscheint, aber in der zusammengeschüttelt wurde, was nichts miteinander zu tun hat. So betrachtet, ist dieser Umstand neu.
Neben dem eigenen Jubelfest gedenkt man der jeweils 200. Geburtstage von Jacques Offenbach und Clara Schumann. Am dritten Abend gibt es Jazz. Okay, Offenbach hätte diese Musik sicherlich auch gefallen.

Dank an Joachim Draheim für 20 Jahre. Fotos: Barbara Kaiser

Das Gesangsquartett, für das Joachim Draheim „Die verwandelte Katze“, eine belanglose Petitesse von Offenbach aus dem Jahr 1858, ausgegraben hat, war Neuling auf der Schlosswochenbühne. Sophia Körber (Sopran), Neele Kramer (Mezzosopran), Tobias Bialluch (Tenor) und Peter Kubik (Bariton). Begleiter am Flügel Volker Linker.
Die Vier hinterließen beim Zuhörer einen durchweg positiven Eindruck: Körber mit solidem Stimmumfang, nur manchmal die Höhen mit Anstrengung und ein wenig schrill, Kramer mit solide grundiertem, schönem Timbre, Bialluch und Kubik auf der Höhe ihrer Aufgaben. Dazu alle angemessen schauspielerisch munter. Nur Volker Linker agierte recht brachial am Flügel – Ira Maria Wytoschynskij war einst eine einfühlsamere Begleiterin, aber leider war sie zu Hause geblieben.

Volker Linker

Das „Katzen“-Spektakel ist ein typischer Offenbach, der menschliche Schwächen, vor allem die Dummheit, immer noch in ein Happy End umzubiegen weiß. Der Komponist schrieb in seinem nicht leichten Musikerleben zahllose solcher Bühnenwerke. Wobei „Pariser Leben“, „Ritter Blaubart“, „La Pericóle“ oder Madame Favart“ bekannter sind. Sein größter Erfolg bleibt jedoch „Orpheus in der Unterwelt“. Wenn die Schlosswochen-Macher davon ausgingen, dass letztgenannte Operette sowieso jeder kennt, und sie sie deshalb wegließen, so ist das schade. Einen Trost darf man hier aber geben: Orpheus und die ganze Göttertruppe reisen zu Silvester im Theater an der Ilmenau zu Pluto!

Neele Kramer, Peter Kubik, Sophia Körber und Tobias Bialluch.

Nachdem sich die „verwandelte Katze“ für den Deppen Guido als heiratsfreudige Cousine entpuppte und sich alle hochzufrieden in die Arme sanken, ging es nach der Pause weiter mit Liedern aus „Die Großherzogin von Gerolstein“. Diesem Stück um Schein und Sein und der Kunst, alles Peinliche gekonnt unter den Teppich zu kehren.
In der Folge Musik aus „Die schöne Helena“, in der der goldene Zankapfel der Neidgöttin die Grundlagen für den Trojanischen Krieg legt. Eine sehr schöne Nummer: Das Urteil des Paris mit Tobias Bialluch!

Sophia Körber, Tobias Bialluch und Neele Kramer.

Auszüge aus Jacques Offenbachs unvollendetem Werk „Hoffmanns Erzählungen“ bildeten den Abschluss des ersten Konzertabends. Als Finale das schwülstig-erotischste Trauma aller Opernliteratur: Die Barkarole.
Aus den 102 Bühnenwerken des deutsch-französischen Meisters, der übrigens nach dem Krieg 1870/71 in Paris als Deutscher angefeindet und in Köln als vaterlandsverräterischer Franzosenfreund diffamiert wurde, hatte das Konzept der Schlosswoche vielleicht das Beste gemacht. Leider ohne „Orpheus“. Übrigens hätte man auch Offenbachs Zeitgenosse Franz von Suppé huldigen können! Der wird in diesem Jahr auch 200. Und so etwas Ähnliches wie die „Verwandelte Katze“, in die sich der dumme, liebestolle Mann verguckt, gibt es bei dem auch. Die von ihm selbst aus Marmor geschaffene „schöne Galathée“ bezirzt den Bildhauer Pygmalion so sehr, dass er Venus um deren Erweckung bittet. Mit viel Ärger im Gefolge….

Am heutigen Samstagabend, 31. August 2019, um 18.15 Uhr, erklingen Lieder und Klavierwerke von Robert und Clara Schumann und Pauline Viardot. Es singt Miriam Alexandra. Am Flügel Jozef De Beenhouwer.
Am morgigen Sonntag, 1. September 2019, sind ebenfalls um 18.15 Uhr die Mannen des Crime Jazz Orchestra Dresden zu Gast (die vorher hoffentlich Ordentliches für die Landtagswahl in ihrem Bundesland getan haben).
Barbara Kaiser – 31. August 2019

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