… dorthin, wo`s schön ist

Kabarett „Herkuleskeule“ zu Gast im Theater an der Ilmenau

Man solle sich doch lieber „unter seinem Niveau amüsieren als über seinem Niveau langweilen“. Als der Comedian Kay Ray letzte Woche diesen Spruch in einem mdr-Interview absonderte, fand ich ihn recht fragwürdig. Aber solche Ansichten haben wohl auch etwas mit dem allgemeinen intellektuellen Anspruch zu tun, der sich offenbar im Sinkflug befindet.

Mit der „Herkuleskeule“ aus Dresden musste keiner unter einem gewissen Niveau lachen; und manchmal verreckte einem das Feixen sowieso in der Kehle. Das Kabarett aus der sächsischen Landeshauptstadt war traditionell im Theater an der Ilmenau zu Gast. „Betreutes Denken“ nannte es sein aktuelles Programm. Ein Angebot, das offenbar akut notwendig ist wegen – siehe oben!

Fotos: Barbara Kaiser

Kabarett ist ja, bei aller Angriffsfrechheit, eine Veranstaltung der Übereinkunft. Schwierig dabei: Man muss, indem man über vermeintlich andere lacht begreifen, dass man selber auch gemeint ist. Sein könnte. Der erst kürzlich verstorbene Werner Schneyder war der Ansicht: „Ein Comedian erzählt Witze, damit die Leute lachen; der Kabarettist macht Witze, damit die Leute nachdenken.“

Nun, allzu viel nachzudenken, vielleicht sogar um die Ecke zu denken, hatte der Zuschauer beim Auftritt von Nancy Spiller und Alexander Pluquett nicht. Vieles lag offensichtlich auf der Hand. Es verschlug einem nicht den Atem angesichts ungeheuerlicher Wahrheiten, politischer Tollheiten aus den Narrenkabinetten der Hauptstädte dieser Welt.
Spiller und Pluquett nahmen das eher kleine Publikum (ca. 250 Gäste) mit auf eine Reise dorthin, wo`s schön ist. Gar nicht so einfach, blickt man sich in dieser Welt um.

Humor sollte es geben in diesem Wunderland – „also raus aus Deutschland!“ Denn auch für Humor ist ein Mindestmaß an Grips notwendig, aber: „Ich lass mir das Hirn absaugen und seh die Welt mit andern Augen./ Ich weiß genau meine Problemzone, es wär ganz schön ohne…:“
Starke Auftritte (Texte: Philipp Schaller) hatte das Duo, das wie immer kongenial von Thomas Wand musikalisch begleitet wurde, wenn es den deutschen Mustermann karikierten: „Ihr werdet weiterklatschen, solang das Lächeln stimmt“, sangen sie als Refrain zum Marianne-und-Michael-Duett. Egal, was in den Strophen sonst als Text vorkommt.
Oder: „Weil Teile des Volks keine Volksparteien mehr hatten, wurden sie selber – völkisch.“ Oder als Tango: „Soziale Abwärtsvergleiche sind das Benzin in unserm Tank“, polieren das Ego auf, machen uns reich und schön und jung. Ergo: Immer nach unten treten. Das ist nun nicht neu.

Viele Titel hatten Boulevardniveau und waren kein politisches, gutes, altes Kabarett. Zugegeben, es ist schwer, die absurde Realität satirisch zu überbieten. So spielten sich Nancy Spiller und Alexander Pluquett durch zwei Stunden, die Wünsche offen ließen. Hier ein bisschen Poesie, dort ein Quäntchen Lebensweisheit, verrührt mit milder Kritik. Sturmattacke? Fehlanzeige.
Es ging um Bestätigung der eigenen Überzeugung – nie um Verstörung. Ein bisschen viel Übereinkunft insgesamt. Nicht einmal, dass Sachsen ab 1. September vielleicht Schwarz-blau regiert werden könnte, war Erörterung wert. Nirgends tiefer, beängstigender Abgrund. Schade.
Barbara Kaiser – 17. März 2019

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