Der Lichtsucher

Fotos von Sebastian Tramsen in der BBK-Galerie Oldenstadt/Vernissage am Samstag, 18. März um 17 Uhr

Die Fotos von Sebastian Tramsen sind vorsätzlich unspektakulär, denn sie lichten das scheinbar Beiläufige ab. Es braucht also schon den zweiten Blick. Der Bund Bildender Künstler (BBK) Uelzen öffnete seinen Galerieraum im historischen Zentrum Oldenstadt wieder einmal einem jungen Menschen, gibt jemandem ein Forum, die Ergebnisse seiner (künstlerischen) Arbeit zu präsentieren.

Sebastian Tramsen ist Jahrgang 1986. Er wurde im baden-württembergischen Filderstadt geboren, aufgewachsen ist er jedoch in Schleswig-Holstein. Nach dem Abitur (2006) und dem Dienst in der Bundeswehr studierte er von 2008 bis 2011 Kartografie mit Bachelorabschluss in Dresden. Bis 2014 arbeitete er am Leibniz-Institut dort, in einer Infrastrukturabteilung. Als der Vertrag auslief, verschlugen ihn familiäre Umstände in die Heide. Seit zwei Jahren gehört er zum Team des „Barftgaans“-Magazins.

Zwar habe er in Dresden Vermessungsdaten visualisiert, aber er habe dort das erste Mal professionell fotografiert, erzählt der 30-Jährige. In der Schule hatte es aber begonnen mit einem Fotokurs und eigener Schuldunkelkammer. Vielleicht ist es deshalb heute so, dass sich Tramsen als „im Herzen Schwarz-weiß-analog-Fotograf“ begreift. Mit einem Film und keinem Megabyte-Chip in der Kamera denkt man automatisch über jedes Bild nach, ehe der Auslöser klickt. Tramsen interessiert dabei obendrein der „organische“ Entstehungsprozess. „Es gibt nie den gleichen Abzug von einem Negativ.“ Digital ist das anders. Sebastian Tramsen nennt diese Produktion „klinisch tot“.

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Natürlich kommt auch er nicht um die neue Technik herum. Die Bilder, die er in Oldenstadt zeigt, sind zum großen Teil digitale. Er möchte, dass sich die Leute auseinandersetzen, wenn sie vor seinen Fotos stehen. „Sie können auch sagen, die gefallen mir nicht“, ergänzt er, „aber sie haben sich `nen Kopf gemacht.“
Er macht „hundertprozentig meins“ – so viel Selbstbewusstsein ist bei jungen Leuten allemal! Deshalb war er sehr glücklich über den Auftrag von Gerard Minnaard, der ihn in die St. Petri-Kirche schickte und sagte: Bring Bilder, wie du das Haus siehst.

Technisch ist Sebastian Tramsen ein Perfektionist. Auf seinen besten Arbeiten sind Unbeirrbarkeit, Eigensinn und tolldreister Zugriff ahnbar. Seine Fotografie ist Weltbeteiligungskunst. Am meisten gelungen erscheinen mir die Porträts. Zwei seiner Freunde, ein robuster Mann, dem man vertrauen möchte, und eine selbstbewusste, aber zarte junge Frau, die wunderbar unauffällig zu kokettieren weiß. Vor allem aber die Bilder aus der Werkstatt „Leben leben“ Dannenberg geben einen Hinweis auf das Können Tramsens, der ohne Zweifel aber noch auf der Suche ist.

Mit seinen Straßenbildern aus Florenz, deren sehr harten Schatten, kann ich weniger anfangen. Dafür mit einem Bild aus der Gemäldegalerie, wo eine Frau andächtig und staunend vor einem riesigen Werk steht. Die Skulpturen im Raum assistieren ihr.
Sebastian Tramsen erklärt die Straßenbilder mit seiner „Sucht nach Licht“. Mir persönlich ist in den Szenen zu wenig Ordnung, ich finde darin keinen Halt. Sie haben vielleicht einen Wert als Dokumentarisches; der Traum von der Schönheit des Belanglosen erfüllt sich nicht.

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Der Fotograf jagt dem Alltag nicht als rasender Reporter nach, sondern als Mitwisser. Das wird ganz deutlich an der großen Wand, die sich aus Details aus dem Haus seiner Eltern zusammensetzt. Zwischen Hund, Elchstickereikissen und Babypuppe, Kuchenstück, Fenstersims und Badregal. Und doch ist hier das aussagekräftigste Foto, auf dem seine Mutter einsam auf einem Steg am Ufer eines großen Sees steht. Dazu ließen sich Geschichten erfinden – denn das Geschichtenerzählen liebt Sebastian Tramsen. Sagt er.

Vielleicht sucht er die Balance zwischen Sehnsucht- und Bekenntnisbildern? Oder eine Ordnung im handlungslosen Zusammensein der ruhenden Formen? Auf keinen Fall erwarten den Besucher Wunschbilder oder gar Idyllen. Vielleicht muss sich in der Fotografie dieses jungen Mannes technisches Verständnis noch mehr mit Dialog paaren? Denn dass er kommunikativ sein kann, beweist das Gespräch mit ihm und die Tatsache, dass er sich bei „LeLA“ engagiert, dem Integrationsprojekt für Menschen mit Migrationshintergrund. „Ich wollte schon immer was Soziales machen“, bekennt er dazu. Vielleicht wird seine nächste Ausstellung eine mit Bildern dieser „Fremden“ – wie sie hier bei uns ankommen?
Geöffnet ist die Ausstellung in Oldenstadt nach der Vernissage am Samstag, 18. März, um 17 Uhr, am Sonntag, 19. März und Samstag und Sonntag, 25./26. März 2017. Immer von 11 bis 20 Uhr.
Barbara Kaiser – 16. März 2017

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