Den Stab weitergegeben

Kunstverein Uelzen wählte neuen Vorstand/Dr. Udo Hachmann nach 17 Jahren erfolgreicher Arbeit abgelöst

Insgesamt 85 Ausstellungen wurden ausgerichtet, seit Dr. Udo Hachmann im Frühjahr 2003 das Amt des ersten Vorsitzenden des Kunstvereins von Jürgen Krüger übernahm. Siebzehneinhalb Jahre Arbeit, sehr erfolgreiche Arbeit, für die Kunst – das ist eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Nun wurde der 81-jährige Hachmann abgelöst und der Vorstand des Vereins neu gewählt. Dass es dennoch Kontinuität in der Arbeit geben wird, davon zeugt die Tatsache, dass die alte zweite Vorsitzende Renate Schmidt auch die neue ist. Die Funktion des Schatzmeisters und des Schriftführers waren schon früher neu besetzt gewesen, Marlies Kahn und Claudia Krieghoff-Fraatz nahmen ihre erneute Wahl aber „sehr gerne“ an. Das klingt danach, dass die Arbeit für und mit der Kunst immer Freude war. Als Beisitzer erhielten das Vertrauen: Mechthild Götzenberger, Andreja Dominko, Sophia Bornhagen und Astrid Teske.

Claudia Krieghoff-Fraatz, Almke Matzker-Steiner, Marlies Kahn und Renate Schmidt.

Kunst und Kultur seien nicht systemrelevant, sondern lebensrelevant, sagte der Intendant des soeben in Weimar zu Ende gegangen Achava-Festivals in einem Interview. Allen, die sich meist ehrenamtlich dafür einsetzen, dass auch jenseits der Metropolen ein Kulturleben stattfindet, ist deshalb nicht laut genug zu danken. Hangeln sie sich doch meist an eng gestrickten Finanzplänen entlang. Das vor allem, weil leider viel zu oft nicht zählt, was sich nicht rechnet.

Dass der Kunstverein Uelzen mit seinen Ausstellungen ein hohes künstlerisches Niveau in die sogenannte Provinz bringt, sollte sich herumgesprochen haben. Und vielleicht wird diese Aufgabe nach der Schließung der privaten Galerien „Im Stall“ und „Drei Eichen“ (Niendorf II und Emern) aus Altersgründen in der Zukunft noch wichtiger sein.

Natürlich aber machte Corona auch dem Kunstverein einen Strich durch alle Planungen. Die Ende Februar 2020 eröffnete Ausstellung von Sabine Beyerle wurde abgebrochen – Lockdown! Das Jahr 2019, über das es in der Wahlversammlung Rechenschaft abzulegen galt, war erfolgreicher. Für vier Ausstellungen und zehn Montagstreffs, in denen über Kunst referiert und diskutiert wird, wurden 23900 Euro veranschlagt. Mit einem Übertrag durch Bilderverkäufe im Dezember 2018 beliefen sich die Einnahmen in 2019 auf 26800 Euro, ausgegeben wurden 25200 Euro. Für ihren Bericht erhielt die Schatzmeisterin Marlies Kahn die Entlastung der Versammlung, weil „die Bücher in einem geordneten und übersichtlichen Zustand“ seien, wie es die Kassenprüfer feststellten.

Vor der Neuwahl bedankte sich Dr. Udo Hachmann bei seinen Wegbegleitern für eine aktive Mitarbeit. Renate Schmidt erhielt Gelegenheit für eine kleine Laudatio: Hachmann könne „mit gutem Gewissen den Stab weiterreichen“, sagte sie. Der erste Vorsitzende habe in seiner Amtszeit alle Aufgaben übernommen, die ein Kunstverein zu bieten hat. Zwischen repräsentativen Verpflichtungen und Besendienst auf der Eingangstreppe. Er habe Verträge abgeschlossen, für Übernachtungen gesorgt, Berge von Katalogen gesichtet. 50 Vorstandssitzungen gab es im Hause Hachmann an der Rehwiese. Und weil hinter jedem erfolgreichen Mann eine starke Frau stünde, galt der Dank auch Roa Hachmann.

Almke Matzker-Steiner und Dr. Udo Hachmann

Almke Matzker-Steiner tritt in große Fußstapfen, das erkannte sie in ihren ersten Worten nach der Wahl. Sie gestand, „außer der Liebe zur Kunst und schönen Bildern nicht allzu viel mitzubringen“ für ihre neue Aufgabe. Was sicherlich aber nicht heißt, dass in ihrer Amtszeit sich die Rolle der Kunst ausschließlich auf diese genannte Schönheit beschränkt. Weil Kunst eben auch Kommentar auf die Gesellschaft ist; in diesen Zeiten mehr denn je.

Matzker-Steiner beschwor die Kraft des Kollektivs – da hat sie verlässliche Partner „für eine kulturelle Arbeit“, für die der Kunstverein unverzichtbar sei.

Zunächst gilt es, aus der Coronakrise herauszufinden und den Möglichkeiten entsprechend zu agieren. Die nächste Ausstellung wird Ende November in der Woltersburger Mühle eröffnet. Thema: Künstler der Region und ihr Blick auf Uelzen. In diesem Zusammenhang darf erinnert werden, dass es vor Jahren einmal eine Ausstellung zum Thema „Provinz“ gab. Ob sich der Blick, der damals neben aller Idylle die Spießigkeit und Muffigkeit der Region aufs Korn nahm, geändert hat? Und welchen Beitrag halten die jüngeren Künstler bereit, die damals noch nicht dabei waren?

Über eine Skulpturenausstellung wird nachgedacht und über Fahrten zur Kunst in kleineren Gruppen. Zudem hat das Lessing-Gymnasium den Zuschlag in einem Förderprogramm „Schule und Kultur“ erhalten. Die Idee, mit dem Kunstverein zusammenzuarbeiten, liegt auf der Hand. - Man wolle optimistische bleiben, obgleich eine Vorschau schwierig sei, war der Tenor der Versammlung. Denn mit der Schließung des Theaters hat der Kunstverein für eine lange Zeit keinen eignen Raum mehr. Aber Not macht ja bekanntlich auch erfinderisch; diese Pandemiezeit beweist das täglich aufs Neue.

Barbara Kaiser – 16. September 2020

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