„Burka-Pflicht im Hofbräuhaus!“

Inka Meyer untersuchte Shakespeares Frauenbild und schwadronierte über Heutiges

Wie bin ich bloß in dieses feministische Dauerfeuer geraten? Anstatt am Sonntagabend die Beine hochzulegen, den „Tatort“ anzuschalten oder wenigstens die Berliner Abgeordnetenhaus-Wahlen zu verfolgen. Aber nein! Ich hatte mich verführen lassen vom Titel „Kill me, Kate“ und dem Versprechen zu Untersuchungsergebnissen, wie es heutigen Tags um die „Zähmung der Widerspenstigen“ so stünde. Die Schauspielerin Inka Meyer kündigte eine „1-Frau-Dramödie“ an und es waren nicht wenige Zuschauer ins Neue Schauspielhaus an der Rosenmauer gekommen.

Um es vorweg zu nehmen: Dieser Abend war nicht meine Sicht. Schon gar nicht meine Erfahrung. Nun ist das ja nicht weiter schlimm, weil Theater, Kabarett, Literatur oder Kunst allgemein ja eine Art Reibung erzeugen sollen. Zwecks Erkenntnisgewinn plus neuer Einsicht für einen Standort- und Blickwechsel oder alles zusammen.

Aber die Akteurin aus München pflegte diese aggressiv-feministische Westweltsicht von der armen, ausgebeuteten und sexuell beständig belästigten Frau ein wenig zu arg. Es kann doch nicht nur an meiner Ostsozialisierung gelegen haben, dass sie mir damit in manchen Passagen gehörig auf die Nerven ging.
Ich wäre beispielsweise nie auf die Idee gekommen, meine Schwiegermutter dafür verantwortlich zu machen, wenn mein Mann seine Hemden nicht selber bügelt (macht er übrigens), nicht auch mal einkaufen geht (das auch) und nur träge auf dem Sofa ein Pascha-Dasein pflegt (aber hallo!).

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Fotos: Barbara Kaiser

Inka Meyer nahm ihre Zuhörer unter Dauerbeschuss. Das setzt – zugegeben – ein hochkonzentriertes Arbeiten voraus. Dass nicht alle ihre Pointen zündeten, einige unter die Gürtellinie rutschten, ist Geschmackssache. Der angekündigte Shakespeare-Hintergrund blieb leider Nebensache, was diejenigen bedauert haben dürften, die sich im Jubiläumsjahr für den Meister immer noch erwärmen und nicht das 400 Jahre alte Frauenbild ernsthaft kritisch auf den Prüfstand stellen wollen. Ja, mein Gott, ein paar Fortschritte muss es in dieser Zeit ja gegeben haben!

schamuhn-kill-me-kate-inka-meyer4_bearbFrauen zögen, so die Behauptung, „die Mischung aus Macho und Softie, den Matschie“ vor. Inka Meyer wird zum Glück nicht den Thüringer Politiker mit diesem Namen gemeint haben. Und wenn einer Leere im Kopf hat, hülfe ihm eine Kreuzung aus Adonis und Kümmerer auch nichts. Sie dichtete Hamlets Monolog „Sein oder nicht Sein“ in eine Werbung für Erkältungsmittel um und ahnte „Hells Opas“ voraus, die ihr Pflegepersonal erpressen werden, um Altersarmut zu entgehen. Sie führte einen fiktiven Elternstreit um die Versorgung ihrer Kinder mit einer Bio-Kiste oder Aldi-Obst ad absurdum (das ist nun wieder vorstellbar) und drückte ihre Verwunderung darüber aus, wie sich Desdemona, Ophelia und Julia behandeln ließen.

schamuhn-kill-me-kate-inka-meyer1_bearbAm authentischsten – und das ist hier die optimistische Stelle – war die Meyer, wenn sie politisch-konkret wurde. Da wurde sie leiser und  kam dem Zuhörer auch näher. Wenn sie
400 000 Sextouristen jährlich benennt, die aus Deutschland durch die Welt reisen. Keineswegs nur Männer übrigens! Wenn sie die Kölner Silvesternacht in Beziehung zum Bayerischen Stammtisch des Oktoberfests setzt oder zu sommerlangem Ballermann-Gegröle. Eine eingeforderte Burka-Pflicht würde den Frauen im Hofbräuhaus auch nicht helfen.

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Ihre Freundin Christina mache zu Hause alles alleine, wie Zweidrittel aller Frauen, referiert Inka Meyer und fühlt sich wohl als Anklägerin. Ja, selber schuld, kann ich da nur erwidern. Wenn wir Weiber andererseits angeblich zu 50 Prozent „Hausmänner“ uncool finden – was soll der arme Mann da machen? Schließlich ist er auch nur ein Mensch und will gefallen. Warum sollte er die Elternzeit nehmen, wenn seine Frau ihn dafür verachtet? Nebenbei: Es heißt übrigens nicht „Kinderwägen“, sondern Kinderwagen, liebe Frau Meyer.

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Summe: Schauspielerisch war Inka Meyer ganz sicher in Hochform. Dass Kabarett oder Comedy nicht zum Differenzieren da ist, wissen wir alle. Aber ein kleiner Blickwechsel hätte dem Programm ganz gut getan. Ich jedenfalls fühlte mich von den Ansichten darin nicht vertreten. Aber an dieser Stelle waren die zwei Frauen aus der Reihe vor mir übrigens schon lange gegangen, vielleicht sahen sie es ähnlich.
Barbara Kaiser – 19. September 2016

1 Antwort

  1. Liebe Barbara, vielen Dank für deine Rezension und fürs Durchhalten. In Vielem kann ich dir zustimmen, allerdings sollte auch erwähnt werden, dass das zumeist weibliche Publikum dennoch ziemlich angetan war. Manchen Männer allerdings hat Inka Meyer sicher Alpträume bereitet. In einem Theaterprogramm muss halt für alle etwas dabei sein - schade, dass es diesmal nichts für dich war. Beste Grüße von Conni

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